Tuesday, September 30, 2008

Barack Obama: Worst Person of the World

Obama auf der MSNBC-Liste der "Worst Person of the World"

MSNBC-Linksaußen Keith Olberman hat jeden Abend eine kleine, aber feine Spitze in seiner TV-Show "Countdown". Der Anchorman sucht drei Personen, die es, seiner Meinung nach, verdient haben als "Worst Person of the World" verhöhnt zu werden. Normalerweise hat es Olberman dabei auf seine Kollegen von FoxNews oder wie er spottet "Fixed News" respektive "Fox Noise" abgesehen. Liberale schaffen es nur selten auf die im US-Fernsehen zumindest bei den Nicht-Konservativen mittlerweile Kultstatus habende Liste.

Umso überraschender war es, dass Olberman Barack Obama auswählte. Der Demokrat der schlimmste Mensch der Welt? Der Präsidentschafts-Kandidat schaffte es auf die Liste, weil er im Stress des Wahlkampfes wichtige Dinge durcheinander brachte. Der 47-Jährige erklärte, dass er sich auf seinen 15. Hochzeitstag mit seiner Frau Michelle Obama in der kommenden Woche freue. Er sei so froh, dass sie ihn genommen habe und ihn immer noch ertragen könne.

Peinlich, peinlich. Obama hatte sich verzählt. Offizieller Hochzeitstag ist der 3. Oktober 1992. Ein Sprecher von Michelle Obama korrigierte auch schnell: Es sei der "16. Hochzeitstag". Uuuuups!

Die Entscheidung von Olberman war also nachvollziehbar. Die übrigen beiden "Worst Person of the World" waren die üblich Verdächtigen: Ein Anchor des konservativen FoxNews Senders und Karl Rove, George W. Bush Hirn und mittlerweile Wahl-Analyst auf - na wen schon? - FoxNews.

Monday, September 29, 2008

Das Bild des Tages

Das Titelbild des aktuellen New Yorker macht sich über die Außenpolitk-Erfahrung von Vize-Präsidentschafts-Kandidatin Sarah Palin lustig. Die 44-jährige Gouverneurin von Alaska hatte wiederholt erklärt, sie könne von ihrem Zuhause in Fairbanks Russland sehen, und habe dadurch Erfahrungen in der Außen- und Sicherheitspolitk sammeln können.
Der New Yorker scheint daran seine Zweifel zu haben. Dieser Blog auch. Wer jemals in Fairbanks war, weiß: Man müsste schon einen sehr hohen Berg besteigen, besonders gute Fernsicht haben und auch nicht am Fernglas gespart haben, um die Russen sehen zu können. Doch selbst bei optimalen Bedingen sieht man doch, so illustriert es auch der New Yorker, wohl nur Alaska. Der Blick ins Nachbarland erscheint eher unmöglich.

Panik an der Wall Street

Finanzkrise: Der Dow Jones liegt jetzt niedriger als beim Amtsantritt von George W. Bush

Es war einer der schwärzesten Tage in der Geschichte der Wall Street. Mehr als 777 Punkte verlor der Dow Jones Index am Montag, nachdem der US-Kongress das am Wochenende mühsam zusammengestellte 700 Milliarden Dollar Rettungpaket platzen ließ. Das Land erscheint führungslos. Zumindest für die Börsianer. Die gerieten auf dem Parkett der NYSE in Panik und "verbrannten" an einem Tag Werte von mehr als 1,2 Billionen Dollar.

Es war aber auch ein schwarzer Tag in der Wirtschaftspolitk der Regierung von George W. Bush. Der Präsident scheint gescheitert. Indiz: Der Dow schloss mit 10.365,45 Punkten tiefer als am Tag seiner Vereidigung. Damals, am 19. Januar 2001, lag der weltweit wichtigste Börsenindex noch bei 10.587,59 Punkten.

Mächtig zur Sache ging es aber auch am Nasdaq. Der Index geriet schwer unter die Räder, verlor mit 199 Punkten neun Prozent und schloss mit 1983,73 Punkten genauso wie die NYSE unter dem Einstandskurs von George W. Bush. Der hatte am 19. Januar 2001 mit einem Nasdaq von satten 27770,38 Punkten begonnen.

Sunday, September 28, 2008

Gallup-Umfrage: Obama deutlich vor McCain

Barack Obama zieht davon. Nach der jüngsten Umfrage von Gallup führt der Demokrat mit 50 zu 42 Punkten vor seinem republikanischen Kontrahenten John McCain. Gallup befragte insgesamt 2719 US-Wähler über einen Zeitraum von drei Tagen (25.-27. September).

Ausschlaggebend für Obama waren offenbar zwei Dinge: Zum einem hat McCains Unterbrechung der Kampagne wegen der anhaltenden Finanzkrise dem Republikaner nichts genutzt, sondern ihm eher geschadet. Die Wähler glaubten ihm ganz offensichtlich nicht, als er als sich "Retter der Nation" nach Washington aufmachte. Viele durchschauten den plumpen Wahlkampf-Trick.

Zum Zweiten scheint auch die erste Präsidentschafts-Debatte Obama weiter nach vorn gebracht zu haben. Einen Tag nach dem TV-Duell konnte Gallup Wähler befragen. Und auch wenn die Meinungsforscher vor zu schnellen Schlüssen warnen. Die jüngste Umfrage zeigt einen ersten Trend.

Nach den jüngsten durchweg negativen Umfragen für McCain kündigte der 72-Jährige an, Obama jetzt noch härter angreifen zu wollen als zuvor. "Wenn seine Führung größer wird, müssen wir härter werden", hieß es aus dem McCain Camp. Und wie Republikaner dann Wahlkampf machen, haben Al Gore und John Kerry bei ihren Niederlagen gegen George W. Bush zu spüren bekommen. Mit viel Schmutz. Obama darf sich auf Einiges gefasst machen. Denn aufgeben kommt für McCain nicht in Frage.

Sarah Palin: "Dinosaurier und Menschen lebten zur gleichen Zeit auf der Welt"

Die Welt der Sarah Palin: Dinosaurier und Menschen zur gleichen Zeit auf der Erde
„Ich möchte gerne wissen, ob Sarah Palin wirklich glaubt, dass Dinosaurier vor 4000 Jahren auf der Erde gelebt haben. Ich möchte das wirklich wissen, ganz im Ernst. Immerhin könnte sie bald die Geheimkoordinaten für unsere Atombomben kennen.“
(Matt Damon, Hollywood-Star und Oscar-Preisträger, in einem Interview über die Möglichkeit, dass Sarah Palin Vize-Präsidentin werden könnte.)

Wenige Wochen nach der als diffamierend gebrandmarkten Frage eines Barack Obama Anhängers bekommt der 37-jährige Damon eine Antwort. Eine Überraschende.

Nach einem Bericht der Los Angeles Times glaubt die 44-jährige Sarah Palin tatsächlich, dass Dinosaurier, zwar nicht vor 4000, sondern vor 6000 Jahren auf der Erde gelebt haben. Und zwar zur gleichen Zeit wie der Mensch!!

Im Juni 1997 erklärte Sarah Palin, damals Bürgermeisterin von Wasilla in Alaska, einer Gruppe von Schülern: “Dinosaurier und der Mensch haben die Erde zur gleichen Zeit bevölkert.” Und auf die Nachfrage, dass aber Fossilien und Spuren von Dinosaurier gefunden wurden, die Millionen Jahre zurückliegen, antwortete Sarah Palin voller Überzeugung: “Ich habe Fußspuren von Dinosaurier gesehen, in denen auch Menschenspuren waren.” Nach der wissenschaftlich belegten Evolutionstheorie sind Dinosaurier vor 65 Millionen ausgestorben. Die Menschheitsgeschichte beginnt dagegen etwa vor 2,5 Millionen Jahren.

Zum Hintergrund: Sarah Palin ist Anhängerin der Theorie einer “jungen Welt” oder des Kreationismus. Danach hat Gott die Erde vor 6000 Jahren erschaffen. Die Kreationisten lehnen die Evolutionstheorie von Charles Darwin ab und glauben daran, dass am Anfang der Erdgeschichte Menschen und Dinosaurier gemeinsam auf der Welt gelebt haben. Die mögliche Vize-Präsidentin der USA glaubt das offenbar auch.

Saturday, September 27, 2008

Peinliche Sarah Palin: Ihr Stern verblasst

Wie sich die Zeiten ändern. Während des Parteitages der Republikaner Anfang September war Sarah Palin der neue Superstar am Himmel der US-Wahlen. Die Ex-Schönheitskönigin und aktuelle Gouverneurin von Alaska begeisterte die repubublikanische Basis und verschaffte John McCain zum ersten Mal das Gefühl, er könne tatsächlich die Wahlen gewinnen und neuer Präsident werden. Noch heute ist die religiöse, konservative Basis der Republikaner begeistert. Doch viele andere in der Partei verdrehen eher die Augen. Die 44-Jährige ist alles andere als ein qualifizierter Running Mate. Keine vier Wochen hat das gedauert, bis es auch die Republikaner gemerkt haben.
Drei große Interviews hat Sarah Palin bisher gegeben. Das dritte und vorerst letzte gegenüber Katie Couric, Anchor von CBS News. Und es war das Schlimmste, das das Peinlichte.
Selbst Republikaner könnten es nicht fassen wie die selbst ernannte "Pitbull-Hockey-Mom mit Lippenstift" über Russland fabulierte. So als ob Vladimir Putin mit seinen Truppen bereits vor Anchorage in Alaska stehen würde (siehe Video). Es war so schlimm, dass selbst einstige begeisterte Anhänger und Strategen der Republikaner genug hatten und sogar Palins Rücktritt fordern.
Kathleen Parker, einflussreiche, konservative Kolumnistin in der National Republik hatte nach dem Couric Interview entgültig genug: "Ich war ein großer Anhänger von ihr, habe ihr die Daumen gedrückt", schreibt Parker. "Aber: Meine Geduld mit ihr ist erschöpft." Und weiter: Palin kann McCain, der Partei und dem Land nur helfen, wenn sie zurücktritt."
Ähnlich kritisch sieht das auch der republikanische Wahl-Stratege Tony Fabrizio. Gegenüber Politico.com erklärte er: "Das CBS-Interview ließ bei mir die Alarmglocken läuten. Du kannst solche Interview nicht geben und hoffen, nicht dabei unterzugehen."
Und das sagen Republikaner und einstige Anhänger von Sarah Palin. Und nicht Demokraten. Die Vize-Präsidentschafts-Debatte am kommenden Donnerstag könnte neuen Zündstoff liefern und den einstigen Superstar Sarah Palin endgültig entzaubern.
Mehr: http://www.youtube.com/watch?v=LRpmC9GXa-I

TV-Duell: Stimmen am Tag danach

Am Tag nach der Debatte bleibt die Frage: Gab es einen Gewinner oder nicht? Die Antwort: Es war ein Unentschieden oder ein knapper Sieg für Barack Obama.

Bei den Blitzumfragen direkt nach der Debatte schien der 47-jährige Obama gewonnen zu haben:

CBS-Umfrage: 40 Prozent der Befragten in der Gruppe derer, die sich noch nicht entschieden haben, sagten, Obama hat gewonnen. 22 Prozent gaben John McCain ihre Stimme und 38 Prozent sahen ein Unentschieden)

In der Irakfrage gewann allerdings der 72-jährige McCain mit 55 zu 49 Prozent. Dafür punktete Obama bei Fragen zur Finanzkrise mit 68 Prozent deutlich besser als McCain mit 41 Prozent.

CNN-Umfrage: Auf die Frage, wer besser war, antworteten 51 Prozent Obama, 38 Prozent McCain. In Wirtschaftsfragen sahen 58 Prozent der Befragten Obama vorne, 37 Prozent McCain. Und selbst beim Irak konnte Obama mit 52 zu 47 Prozent gegenüber McCain gewinnen.
(Alle Umfragen sind allerdings nicht repräsentativ, da CBS und CNN nur innerhalb ihrer ausgewählten Gruppe von TV-Zuschauern die Debatte bewerten ließ.)

Und wie sahen es die politischen Kommentatoren: Eine Auswahl der wichtigsten Pressestimmen:

“Obama hat die Debatte um die Finanzkrise gewonnen. McCain schien die Krise nicht verstanden zu haben. Er stolperte durch die Wirtschafts-Debatte, während Obama selbstbewusst und klar erschien. Dafür war McCain besser in der Außenpolitik und konnte Punkte sammeln, weil er Obama wiederholt als naiv und unerfahren diskreditierte.“ (New York Times).

„Niemand wurde ausgeknockt. Jeder konnte bei einzelnen Themen Punkte sammeln, aber niemand trat als Sieger hervor. Jeder hatte ein paar gute Augenblicke, doch es gab keine entscheidenden, die das Rennen um das White House verändern würden. McCain war fies. Obama zu freundlich.” (Washington Post)

„McCain hat das Thema Außenpolitik gewonnen, während Obama bei den Wirtschaftsfragen gewinnen konnte.“ (Wall Street Journal)

Es gab keinen eindeutigen Gewinner. In einer Debatte, in der jeder hätte verlieren können, verlor keiner der beiden Kandidaten. McCain konnte beweisen, dass er resolut und knallhart sein kann, während Obama bewies, dass er clever ist und glänzen kann. Das Ergebnis: unentschieden.“ (Los Angeles Times)

„Ein knapper Sieg für Obama.“ (Joe Klein in Time Magazine)

„Der Sieger ist Barack Obama“. George Stephanopoulus, ABC

„Obama A-, McCain B“, urteilte Mark Halperin von The Page vom Time Magazine und gab Obama einen knappen Sieg.

Friday, September 26, 2008

Das TV-Duell: McCain und Obama gleich auf

Das TV-Duell zwischen John McCain (r.) und Barack Obama (l.). Im Vordergrund Fragensteller Jim Lehrer von PBS

Er war die mit großer Spannung erwartete erste Fernseh-Debatte zwischen den beiden Präsidentschafts-Kandidaten John McCain und Barack Obama. Einen klaren Gewinner gab es in Oxford, Mississippi, nicht. Nur zwei eindeutige Verlierer: Denn bei der Bewältigung der Finanzkrise hatten beide keine überzeugenden Konzepte oder gar Lösungen.

Ansonsten: Weder McCain noch Obama gaben sich irgendwelche Blösen. Fehlanzeige auch bei größeren Fehlern. McCain, der 72-jährige, erfahrene Außenpolitiker hatte allerdings zwei kleinere Versprecher: Er nannte Pakistans neuen Präsident Dazaris statt Zadaris und hatte auch bei der Aussprache von Irans Präsident Ahmadinejad Probleme. Fazit: Die Demokraten werden Obama als Sieger sehen. Und die Republikaner natürlich McCain.

Eins wurde allerdings an dem Abend sehr deutlich. Beide mögen sich nicht besonders. Vor allem McCain kann seinem Kontrahenten nur widerwillig in die Augen schauen. Das Händeschütteln mit Obama erscheint Zuschauern fast wie eine Folter für ihn.

Deutlich auch: Für das Amt des Präsidenten treten zwei Männer an, die unterschiedlicher gar nicht sein können. Obama, der Neue, McCain der Alte oder je nach Präferenzen "Zukunft gegen Vergangenheit". Und mit dem Alter hat das nur wenig zu tun. Der eine will den Wandel mit etwas Neuem, mit Visionen. Der andere setzt auf Bewährtes, auf alte Mittel, die Wandel und Erfolg bringen sollen. Der eine glaubt an das Gute im Menschen und will sogar mit Amerikas ärgsten Feinden sprechen, der andere will das Böse isolieren und am besten gleich angreifen.

McCain und Obama sind zwei völlig unterschiedliche Menschen, mit unterschiedlichen Lebensformen, Ansichten und Philosophien. Wer bis heute das nicht gesehen hat, die Debatte hat zumindest das sehr eindrucksvoll gezeigt.

And the Winner is. . .

Bis kurz vor Beginn der ersten Präsidentschafts-Debatte zwischen John McCain und Barack Obama war nicht klar, ob wirklich beide Kontrahenten in Oxford, Mississippi, erscheinen werden. McCain pokerte bis zur letzten Minute. Und Obama zeigte sich genervt von dem taktischen Spielchen seines Rivalen. Er werde aber erscheinen, verkündete er. Egal was passiert.

Erst müsse es bei den Gesprächen in Washington zur Finanzkrise und dem Rettungspaket für Wall Street eine Einigung zwischen den Parteien gegeben haben, fabulierte der 72-Jährige McCain über den Tag verteilt immer wieder. Erst dann wolle er seine Entscheidung bekannt geben.

Am Nachmittag dann die Kehrtwende. Obwohl es noch immer keinen Kompromis in Washington gab, verkündete der Republikaner seine Teilname am ersten TV-Duell. Ganz nach dem Motto: Wen interessiert schon das, was ich vor wenigen Stunden noch gesagt habe.

McCain wollte antreten. Und damit es keine Frage gab, wer das Duell am Abend gewinnen werde, geriet vorab auch gleich ein Bild eines neuen Werbespots der Republikaner an die Öffentlichkeit. Aus Versehen natürlich. Titel: „McCain gewinnt die Debatte.“ Dabei mussten Amerikas Fernsehzuschauer noch Stunden auf das mit Spannung erwartete Streitgespräch warten.

Thursday, September 25, 2008

US-Finanzkrise: Krisengipfel gescheitert

Krisengipfel im White House: John McCain (ganz links), Präsident George W. Bush (m), Barack Obama (ganz rechts am Tisch)

Kurz nach 13.00 Uhr meldete CNN Breaking News: Beide Parteien hätten einen Kompromiss gefunden. Der 700 Milliarden Dollar Rettungsplan der Bush-Regierung für das schwer kriselnde Finanzsystem soll umgesetzt werden: 250 Milliarden Dollar Soforthilfe, plus 100 Milliarden wenn nötig (sprich falls man sich verrechnet hat) und der Rest nach einer erneuten Anhörung. Eine schnelle Einigung, dachte auch Wall Street, die den Freibrief für gescheiterte Top-Manager mit einem Kursfeuerwerk feierten. Fast 197 Punkte schoss der Dow Jones Index nach oben. Ganz nach dem Motto: Alles wird wieder gut. Und die Party geht weiter.

Da störten die glücklichen Börsianer auch nicht die paar Hundert Demonstranten vor ihrer Wall Street Haustür (Foto rechts). Dabei drückten die doch nur das aus, was Millionen Amerikaner von dem Rettungsplan halten. Nämlich nichts.

Proteste an der Wall Street gegen den Rettungsplan der Regierung
Die Freunde auf dem Parkett dürfte allerdings bald verflogen sein. Denn lange hielt die Eilmeldung nicht. Erst hatten Demokraten Bedenken, dann widersetzten sich vor allem konservative Republikaner, die den 700 Milliarden Dollar Freikauf fauler Kredite als unamerikanisch kritisierten. Mittlerweile scheint wieder alles offen.

Zusätzlich zu den Milliardengeschenken der Regierung, die kaum ein Normalbürger auf der Straße versteht, wird jetzt die Finanzkrise mehr und mehr zu DEM Thema im Wahlkampf. Und damit auch nutzbar für taktische Spielchen. John McCain unterbrach seinen Wahlkampf, jettete nach Washington um dort den Retter in der Not spielen. Country First halt. Und Barack Obama musste widerwillig hinterher fliegen.

Auch die erste Präsidentschaftsdebatte am Freitag in Oxford, Mississippi, steht weiterhin auf der Kippe. McCain will erst antreten, wenn ein Finanzplan von beiden Parteien und dem White House abgesegnet ist. Er hat also kein großes Interesse an einer schnellen Lösung. Zumindest bis zum Debattenabend sollten sich die Gespräche schon hinziehen. Dann kann er sich als Held darstellen, der lieber auf ein Fernsehduell verzichtet, um dafür das Land zu retten. Doch wer soll ihm diesen Heroismus glauben?

Und Obama? Der Demokrat wurde von dem taktischen Manöver von McCain überrascht und weiß noch nicht so richtig wie er reagieren soll. Seine Antwort bisher: Er will die Debatte, notfalls auch allein.

Das Land steckt in der schwersten Krise seit der Depression und die Parteien und Politiker spielen wahltaktische Spielchen.

Kehrtwende: Hillary glaubt an Obama

Während der Vorwahlen war Hillary Clinton nicht so überzeugt von Barack Obama. "Er kann nicht gewinnen", appellierte sie an die Demokraten und vor allem an New Mexicos Gouverneur Bill Richardson. Der saß zwar mit seinem "Freund Bill" Clinton vor dem Fernseher beim Superbowl, wollte aber dennoch nicht Hillary, sondern Obama unterstützen. Daran konnte auch Hillarys dramatischer Obama-ist-ein-Looser-Appell nichts ändern. Richardson setzte auf Obama und Hillary verlor bei den Vorwahlen einen ihrer wichtigsten Unterstützer.

Bis vor wenigen Wochen soll die einstige First Lady immer noch fest davon überzeugt gewesen sein, dass der 47-jährige Obama die Präsidentschafts-Wahlen nicht gewinnen kann. Das scheint sich jetzt geändert zu haben. "Ich habe keinen Zweifel daran, dass Barack der nächste Präsident sein wird", erklärte die 60-Jährige in einem Interview mit CBS. "Er wird gewinnen." Ihre Anhänger konnte sie allerdings noch nicht vollständig davon überzeugen. Erst 58 Prozent der ehemaligen Hillary-Unterstützer wollen bei den Wahlen mit Sicherheit für Obama stimmen.

Obama kann damit voll auf den Optimismus der Clintons setzen. Vor wenigen Wochen erklärte bereits Bill: "Obama wird gewinnen. Er wird sogar sehr hoch gewinnen." Die Anhänger des möglicherweise ersten schwarzen Präsidenten in der Geschichte der USA werden es mit Freude hören. Und auch die jüngsten Umfragen scheinen der Clinton-Überzeugung zu folgen. In allem Polls liegt Obama teilweise deutlich vor seinem Rivalen McCain.

Wednesday, September 24, 2008

John McCain will "Time-out"

Genialer Schachzug oder schwerer wahlpolitischer Fehler? Präsidentschafts-Kandidat John McCain hat wegen der anhaltenden Finanzkrise in den USA überraschend seinen Wahlkampf unterbrochen und eine Verschiebung der TV-Debatte mit seinem Kontrahenten Barack Obama gefordert. McCain will nach eigenen Angaben lieber in Washington bei der Rettung des amerikanischen Finanzsystems helfen. Die Bush-Regierung will 700 Milliarden Dollar dafür ausgeben. Im Kongress gibt es gegen diesen Plan nicht nur von Seiten der Demokraten Proteste. Auch Republikaner halten den Freikauf gescheiterter Banker für unangemessen.

John McCain als Retter in der Not? Oder „Country First“ wie der 72-Jährige seinen Wahlkampf überschrieben hat. Wohl kaum. Barack Obama zumindest blieb erst einmal gelassen. Er besteht auf das erste Kandidaten-Duell am Freitag in Oxford, Mississippi. Und auch seinen Wahlkampf will er nicht unterbrechen.

Auf den ersten Blick scheint das geforderte „Time out“ von McCain nur folgerichtig. Der Untergang der Banken an Wall Street zieht auch den Republikaner mit in den Abgrund. Die US-Wähler trauen Obama bei der Bewältigung der schwersten Finanzkrise seit der Depression mehr zu. Neueste Umfragen der Washington Post/ABC sehen Obama deutlich mit neun Punkten in Front (52 zu 43 Prozent). McCain musste also etwas tun, um wieder Punkte zu sammeln. Ob ihm das mit seiner dramatischen Entscheidung gelingt, bleibt fraglich. Auf den ersten Blick ist der Schritt nur ein einfach zu durchschauender Wahlkampf-Trick.

Dass es nur ein wahltaktisches Manöver ist, verdeutlicht auch die Entstehungsgeschichte von McCains Entscheidung. Barack Obama hatte am Mittwoch selbst die Initiative ergriffen und seinen republikanischen Gegner um 8:30 am Morgen angerufen. Er schlug ihm vor, eine gemeinsame Erklärung zur Finanzkrise herauszugeben.

Sechs Stunden brauchte McCain, um darauf zu antworten und um letztendlich auf den Vorschlag einzugehen. Kurze Zeit später jedoch trat McCain erst einmal allein vor die Presse, um eine Unterbrechung seiner Kampagne anzukündigen und eine Verschiebung der Debatte zu fordern. Damit brachte er sich selbst wieder in die Offensive und Obama in Zugzwang.
Das gemeinsame Statement von Obama und McCain brauchte dann noch einmal fast sechs Stunden und wurde am Ende mehr als 12 Stunden nach dem Anruf von Obama in Form eines Stückes Papier an die Agenturen gegeben.

Das Gutmenschen-Treffen

Bill Clinton hatte gerufen und alle kamen. Und das für einen guten Zweck. Zum vierten Mal haben sich in New York die Teilnehmer der „Clinton Global Initiative (CGI)“ getroffen, um vor allem den Ärmsten der Welt zu helfen. Eine Gutmenschen-Veranstaltung im positivsten Sinne. Ein Treffen, auf dem nicht nur geredet, sondern gehandelt wird. (Foto: Bill Clinton bei seiner CGI-Eröffnugnsrede)

Mehr als 60 Staatsmänner, etwa 100 Wirtschaftsbosse, fünf Friedensnobelpreisträger und andere Wohltäter aus aller Welt haben sich bis zum Freitag zu dem CGI-Meeting im Sheraton Hotel angekündigt. Die Bekanntesten unter ihnen: Muhammad Ali, Lance Armstrong, Bono, Bill Gates, Bob Geldorf, Wyclef Jean, Ashley Judd und Barbra Streisand.

Den CGI-Auftakt machte am Mittwoch eine Diskussionsrunde unter Leitung von Bill Clinton. Im Panel saßen unter anderem Königin Rania von Jordanien („wir brauchen nur elf Milliarden Dollar, um weltweit alle Kinder in Schulen zu unterrichten), Al Gore („in Sachen Umwelt verliert die Menschheit an Boden, wir verlieren ziemlich schlimm“) und Bono (Foto: Bono mit Al Gore).
Der U2-Frontsänger und langjähriger Streiter für Afrika und die Ärmsten der Welt, erklärte: „Ich finde es extraordinär, dass für die Finanzkrise an der Wall Street ein Rettungspaket von 700 Milliarden Dollar aufgelegt wird, die G-8 Ländern aber nicht in der Lage sind, 25 Milliarden Dollar für 25.000 Kinder auszugeben, die jeden Tag an Krankheiten sterben, an denen sie nicht sterben müssten.“

Wie erfolgreich die CGI ist, zeigt, dass der 42. US-Präsident Bill Clinton in den vergangenen vier Jahren von den Teilnehmern „Spendenversprechen von mehr als 30 Milliarden Dollar“ erhalten hat. Mehr als 200 Millionen Menschen in 150 Ländern konnten davon direkt profitierten.

Tuesday, September 23, 2008

100 Dollar für jede Sarah Palin Lüge

Keith Olberman (Foto), Anchorman der linksliberalen und sehr Bush kritischen Politshow "Countdown" auf MSNBC, könnte bald ein armer Mann werden. Der 48-Jährige hatte am vergangenen Freitag in seiner Sendung angekündigt, für "jede Lüge" oder "jede wiederholte Lüge" von Vize-Kandidatin Sarah Palin 100 Dollar für eine gemeinnützige Organisation zu spenden. Insgesamt 3700 Dollar hat dieses Versprechen Olberman bis heute bereits gekostet - auf Dauer ein teueres Vergnügen.
Das Geld geht übrigens an einen Fond für Sportler der Paralympic aus Alaska. Olberman zahlt damit eine eigene Lüge ab, weil er behauptet hatte, Sarah Palin hätte dem Alaskan Special Olympics Fund die Gelder gekürzt. Das allerdings hatte Palin nicht und Olberman entschuldigt sich jetzt durch seine Lügen-Spenden für seine mittlerweile selbst korrigierte Falschmeldung.

Sarah Palin: Crash-Kurs in Außenpolitik

Sarah Palin Bilanz in Sachen Außenpolitik ist dürftig. Die Vize-Kandidatin der Republikaner hat erst im vergangenen Jahr einen Reisepass beantragt, hat Länder wie Mexiko und Kanada besucht und war auf Truppenbesuch in Kuwait. Das wars dann aber auch schon. Staatsmänner hat sie bisher noch nie getroffen, geschweige denn gesprochen.

Doch das soll sich jetzt ändern. Während der Sitzung der Vereinten Nationen in dieser Woche in New York wird die 44-jährige Palin einem Crash-Kurs in Außenpolitik unterzogen. Oder besser: Sie soll Hände schütteln und in Kameras lächeln. Interviews oder gar Pressekonferenzen gibt Palin nicht. Dafür reicht es dann doch nicht. CNN hat aus Protest gegen diese Form der Hofberichterstattung vorübergehend ihre Kameras abgezogen.

Den Anfang machte am Dienstag die Außenpolitik-Legende Henry Kissinger, selbst Republikaner und für eine helfende Optik immer zu haben. Es folgten Afghanistans Präsident Hamid Karzai (der muss, weil er die USA braucht), der laut CNN mit Palin über seinen Sohn Mirwais und die Bedeutung seines Namens gesprochen haben soll. Palin dürfte damit also das Wesentliche über das von der Taliban erschütterte Land am Hindukusch wissen.

Und damit Palin gleich den ganzen Schnellkurs in Sachen Krieg gegen den Terror bekommt, trifft sie auch noch Iraks Präsidenten Talabani und Pakistans neuen Machthaber, Präsident Zardari (beide müssen, weil sie die USA brauchen). Mit ins Bild passt ein Händeschütteln mit Georgiens Präsident Saakaschwili (braucht die USA gegen den Feind Putin), für den Palin einen Krieg gegen Russland anzetteln würde. Kolumbien Präsident Uribe (Foto l.) dagegen steht im Kampf gegen Drogen und Bono - er ist halt ein Gutmensch - für die Rettung der Welt.

Sarah Palin dürfte ihre Erfahrung in Sachen Außenpolitik vermutlich um ein Vielfaches erweitert haben. Bleibt nur zu hoffen, dass sie hinterher mehr weiß als nur die Bedeutung des afghanischen Namens Mirwais (Licht des Hauses). Immerhin sitzt die Gouverneurin aus Alaskas nicht weit von den berühmten roten Knöpfen entfernt, die Außenpolitik für eine lange Zukunft zu Nichte machen könnten.

Die Wahrheiten des Bill Clinton

Damenrunde mit Bill Clinton - der Ex-Präsident in der Talkshow "The View"

Jetzt wissen wir es endlich. Oder doch nicht?

Hillary Clinton wollte nie Vize-Präsidentin unter Barack Obama werden. Sie hätte den Posten allerdings, wenn er ihr angeboten worden wäre, aber angenommen. Das zumindest hat ihr Mann, Bill Clinton, in der TV-Damen-Talkrunde „The View“ erklärt.

„Nein, nicht wirklich“, antwortete der 42. Präsident der USA auf die Frage, ob Hillary Vize-Kandidatin werden wollte. „Wenn Obama sie allerdings gefragt hätte“, so Clinton, „hätte sie auch angenommen. Es wäre ihre Pflicht gewesen.“

Bleibt die Frage, ob das alles so stimmt. Nach allen bisherigen Berichten soll Obama nicht ernsthaft über einen Vize Hillary Clinton nachgedacht haben.

Und einmal die Gegenfrage gestellt: Was wäre eigentlich, wenn Bill Clinton sechs Wochen vor der Wahl die Entscheidung von Obama als falsch kritisiert hätte? Vielleicht sollte man den Ex-Präsidenten noch einmal nach dem 4. November fragen.

Monday, September 22, 2008

Joe Biden: Und wieder daneben

Nein, Joe Biden (Foto) will die Wahlen nicht gewinnen. Nein, er will nicht Vize-Präsident werden. Nein, nein, auf keinem Fall. Das ist die einzige Erklärung für die wiederholten Ausfälle von Barack Obamas Running Mate. Alles andere macht einfach keinen Sinn.

Erst erklärte der 66-jährige Biden ernsthaft, das Hillary Clinton eine ausgezeichnete Vize-Präsidentin gewesen wäre. Und untermauert das noch mit dem Satz: „Ganz im Ernst, sie wäre vermutlich sogar eine bessere Wahl gewesen als ich selbst.“ Und jetzt das.

In einem CBS Interview kritisierte Biden Barack Obama für einen Wahlkampf-Spot, der John McCain als Technik-Deppen darstellt, der noch nicht einmal einen Computer bedienen kann. „Ein wirklich schlimmer Spot“, schimpfte Biden zur besten Sendezeit. Und ergänzte: „Ich haben von diesem Spot nichts gewusst. Und wenn ich davon gewusst hätte, wäre ich dagegen gewesen.“ Es hat nur Minuten gedauert bis das Team von John McCain diesen Biden-Patzer per Email an Hundertausende Adressaten verschickt hatte.

Ganz klar – Joe Biden will nicht Vize-Präsident werden. Aber warum hat er das nicht früher gesagt.

"Show me the Money"

Wer Präsident in Amerika werden will braucht Geld. Viel Geld. Das ist keine wirklich neue Erkenntnis. Doch in diesem Wahlkampf wird das noch deutlicher sichtbar als je zuvor. Ganz nach dem Motto: "Show me the money."

Barack Obama hat bisher mehr als 450 Millionen Dollar in den Wahlkampf gesteckt. Schon jetzt ein Rekord. John McCain war ein bisschen bescheidener: Nur 210 Millionen Dollar. Aber auch das sind historische Spitzenwerte.

Allein im August haben die Kandidaten im Schnitt jeden Tag mehr als drei Millionen Dollar ausgegeben – insgesamt 94 Mio. Dollar. Barack Obama verpulverte davon 33 Millionen Dollar für Anzeigen, vor allem für TV-Wahlspots. McCain investierte in Werbung 23 Millionen Dollar. Der Rest sind Reisekosten (4,9 Mio. bei Obama, drei Mio. bei McCain oder Gehälter der Mitarbeiter.)

Schon jetzt steht fest: Die Schlacht um das White House wird in diesem Jahr so viel Geld verschlingen wie nie zuvor. Und dabei sind es noch immer sechs Wochen bis zur Wahl.

Sunday, September 21, 2008

Der Fuhrpark der Kandidaten

Knapp sechs Wochen vor den Präsidentschafts-Wahlen scheint über die Kandidaten eigentlich alles gesagt. Oder gibt es noch etwas, was der US-Wähler noch nicht von John McCain oder Barack Obama weiß?

Das Magazin Newsweek hat in seiner jüngsten Ausgabe (erscheint morgen, am Montag) einen echten Scoop geschossen. Motto: Was sie wirklich noch nicht von McCain und Obama wussten. Oder haben sie eine Ahnung, wie viele Autos die beiden fahren. Newsweek hat gezählt und verrät es ihren Lesern: John und Cindy McCain besitzen 13 Autos, Barack und Michelle Obama eins.

Auch die Frage der Autotypen lässt das Blatt nicht unbeantwortet. Die Obamas fahren einen spritsparenden Ford Escape Hybrid (Foto l.). Der Demokrat musste seine Dreckschleuder, einen Chrysler 300C, nach Protesten von Umweltschützer im vergangenen Jahr verkaufen.

Und die McCains? Sie fahren unter anderem einen Cadillac CTS 400, einen VW Cabrio (Typ ist nicht bekannt), eine Honda Limousine, einen Ford Pickup Truck, einen Vintage Willys Jeep (Baujahr 1960), einen Jeep Wrangler, einen Lincoln, einen GMC SUV und drei NEV Gem Electric Auto (Foto r.). Letztere sind vor allem bei amerikanischen Rentner sehr beliebt.

Biererbin Cindy McCains fährt dagegen privat einen Lexus mit dem Kennzeichen MS Bud, nach ihrem Vermögensgeber Budweiser. Und Tochter Meghan hat den Fuhrpark erst neulich durch einen Toyota Prius ergänzt, was natürlich ein Skandal ist, weil der Wagen nicht in Detroit gebaut wurde, sondern in Japan.

Doch welchen Informationsgehalt hat diese Geschichte wirklich. Aus Sicherheitsgründen dürfen weder McCain noch Obama mit dem eigenen Auto fahren (der Secret Service verbietet unbeaufsichtigte Spritztouren). Wen in aller Welt interessiert diese Exklusiv-Geschichte also? Es wird wirklich Zeit, dass bald gewählt wird.

Saturday, September 20, 2008

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Also doch. Die Hautfarbe spielt bei den Präsidentschaftswahlen am 4. November doch eine entscheidene Rolle. Eine neue repräsentative Umfrage der Nachrichtenagentur AP und Yahoo zusammen mit der Stanford University unter 2227 US-Bürgern zeigt, dass etwa 2,5 Prozent der US-Wähler Barack Obama nicht wählen werden, nur weil seine Hautfarbe schwarz ist. Bei einem erwartet knappen Ergebnis ähnlich wie 2004 zwischen George W. Bush und John Kerry würde diese Gruppe, so fasst AP-Yahoo zusammen, damit John McCain zum Präsidenten wählen.

Überraschend ist die Umfrage nicht. Die Frage der Hautfrage galt immer als möglicherweise Wahl entscheidend. Und im Obama-Camp ist sie die große Unbekannte, weil niemand offen zugibt dass das Thema die eigene Entscheidung beeinflussen wird. Erstaunt sollte also niemand sein, höchtens über die einzelnen Ergebnisse der Befragung:

- Danach haben 40 Prozent aller Amerikaner zumindest eine teilweise negative Einstellung gegenüber Schwarzen. Darunter sind auch viele Demokraten und Parteiunabhängige.

- Jeder Fünfte US-Bürger sagt, dass Adjektiv "gewalttätig" trifft am besten auf Schwarze zu, 22 Prozent nennen sie "überheblich", für 13 Prozent sind sie "faul" und elf Prozent meinen Schwarze sind "unverantwortlich".

- Jeder Zehnte Amerikaner glaubt, dass es "Schwarzen besser gehen würde, wenn sie härter an sich arbeiten würden".

- Jeder Fünfte der Parteiunabhängigen findet Schwarze "intelligent und clever", eine Drittel von ihnen sagt aber auch sie würden sich ständig "beschweren" und fast jeder Vierte (24 Prozent) bezeichnet Schwarze als "gewalttätig".

- Überaschend negativ ist aber auch die Meinung unter den Demokraten: Ein Drittel von ihnen verbindet mindestens einen negativen Charakterzug mit Schwarzen. Viele bezeichnen sie als "faul" oder "gewalttätig" und sind der Meinung, dass sie selbst "verantwortlich sind für ihre Probleme". Diese Gruppe der Demokraten, so die Umfrage, werde "vermutlich nicht für Obama stimmen".

- Nur etwa 59 Prozent der weißen Anhänger der Demokraten sagen, sie wollen Obama als neuen Präsidenten. Unter den McCain Anhängern sind es 85 Prozent.

- Und auch unter den Hillary Clinton Anhänger gibt es immer noch 17 Prozent Tiefenttäuschte, die lieber den politischen Gegner John McCain wählen als ihren eigenen Kandidaten.

MEHR: http://surveys.ap.org/data/KnowledgeNetworks/AP_Election_Wave6_Topline_W6%20ALL%20weight5_091808.pdf

Friday, September 19, 2008

Die Zahl des Tages

1.500.000.000.000 US-Dollar

Eine Billion, 500 Milliarden Dollar, eine Zahl mit elf Nullen - soviel, so schätzt CNN, könnte die amerikanische Finanz-Banken- und Immobilienkrise die US-Regierung letztendlich kosten. Es ist eine gigantische Summe, von der heute noch niemand weiß, ob sie die Krise tatsächlich auch beenden kann und welche langfristigen Folgen die Stützungsversuche der Bush-Admistration auf die US- sowie Weltwirtschaft haben werden. Als sicher gelten: Eine höhere Inflation und ein weiterer Werteverfalls des US-Dollars gegenüber anderen Währungen.

Zur Einordnung dieser kaum vorstellbaren Summe: Die Rettungsmaßnahmen der US-Regierung entsprechen damit mehr als dem gesamten Bruttoinlandspodukts (BIP) Russlands (1,289 Billionen), Kanadas (1,432 Billionen) oder Spaniens (1,438 Billionen). Verglichen mit Deutschland ist es etwas weniger als die Hälfte des kompletten BIP Deutschlands (3,332 Billionen). Das BIP ist der Gesamtwert aller Güter und Waren, die innerhalb eines Jahres in einem Land hergestellt wurden.

Alle Zahlen: International Monetary Fund, Stand April 2008

Thursday, September 18, 2008

Finanzkrise: Wo ist George W.?

"Es ist die größte Wirtschafts- und Finanzkrise zu meinen Lebenszeiten“. Alan Greenspan, mittlerweile 82-jähriger Ex-Notenbank-Chef der USA und von allen Seiten respektierter Wirtschaftsweise des Landes, brachte die aktuelle Wall Street Krise auf den Punkt.

Doch nicht alle scheinen das zu erkennen. John McCain bleibt stur dabei: "Die Fundamente unserer Wirtschaft sind stabil" und meint damit die Arbeiter und Angestellten. Doch wenn die durch die Wall Street Krise ihren Job verlieren - wofür die meisten nichts können - wackeln auch die Fundamente. Wo ist dann die Stabilität?

Und was macht eigentlich Präsident George W. Bush? Eine Frage, die sich auch die US-Medien seit Tagen stellen. Eine nichtssagenden Ansprache, ein gemeimsamer Auftritt mit Notenbank-Chef Ben Bernanke und Finanzminister Henry Paulson. Das wars. Ansonsten taucht "W" lieber unter und überlässt die Arbeit anderen.
Retter in schwerer Not ist der 62-jährige ehemalige Investmentbanker Paulson (Foto r.), der seine Sache sehr gut zu machen scheint. Schon jubeln die US-Medien: „In Henry wie traust“, angelehnt an den Spruch „In God we trust“ auf den US-Dollar-Noten.

Präsident Bush allerdings erlebt seine zweite Katrina-Katastrophe. Nach seinem Versagen beim Hurrikan in New Orleans und entlang der Golfküste im Jahr 2005, schlittert der 62-Jährige in ein weiteres politisches Desaster in seiner zu Ende gehenden achtjährigen Amtszeit. Und die Medien lästern.

„Bush taucht nach Tagen der Finanz-Krise wieder auf“, jubelt zynisch die New York Times am Freitag über den seit Tagen in Deckung gegangenen Präsidenten. „Mr Bush ist in seiner eigenen Regierung zum Nebendarsteller geworden.“

„Bush ist desertiert“, urteilt Politico.com und fragt hämisch: „Erinnern sie sich noch an ihn, W, der 43. Präsident. Er wurde vor Jahren zum zweiten Mal ins White House gewählt. Nur, wo war er zuletzt? Wo war er während der größten Finanzkrise seit den Tagen der großen Depression? Abwesend, aber ohne Erlaubnis.“

Und die Washington Post lästert: „Es war eine Woche, in der Bush mit Abwesenheit glänzte.“

Michelle Obama im Anti-Sarah-Palin-Team

Ungewöhnlich lange haben Amerikas Wähler nichts mehr gehört von Michelle Obama. Seit ihrer sehr emotionalen Rede am 25. August auf dem Parteitag der Demokraten war es auffallend still geworden um die Frau des demokratischen Präsidentschafts-Kandidaten. Doch seitdem Sarah Palin der neue Superstar des US-Wahlkampfes ist, muss auch Michelle wieder ran. Zusammen mit Joe Biden und Hillary Clinton soll die 44-Jährige der einstigen Schönheits-Königin Palin die Show stehlen und vor allem die weiblichen Wähler für ihren Mann gewinnen.

„Wählt ihn (meinen Mann) nicht, weil ihr ihn mögt“, erklärte Michelle auf einem Frauen-Forum in Richmond, Virginia, vor etwa 600 Gästen. Und geht auch nicht zur Wahl, „weil sie so gut aussieht“. „Ich spreche dabei von mir, erklärte Michelle Obama lächelnd und hatte die Lacher und den Applaus auf ihrer Seite.

„Bei diesen Wahlen geht es um die Probleme des Landes“, sagte Michelle Obama. Und Barack sei der einzige, der sich für gleiche Bezahlung für Männer und Frauen, für eine Gesundheitsversorgung für alle, für bezahlbare Ausbildung und andere Probleme, die vor allem Frauen angeht, einsetze.

Michelle Obamas Einsatz für ihren Mann ist dringend nötig. Seit Sarah Palin verliert der 44-Jährige Wähler in der Gruppe der weißen Frauen. Dort liegt Barack Obama nur noch mit 49 zu 44 Prozent in Front.

Führungswechsel: Obama wieder vor McCain

Barack Obama liegt wieder vor John McCain. Laut der jüngsten Gallup-Umfrage (15-17. September, 2815 Befragte) führt der Demokrat vor seinem republikanischen Gegner mit 48 zu 44 Prozent. Der Fehlermarke liegt bei zwei Prozent. Der Trend hatte sich bei einer früheren Umfrage bereits angedeutet. Damals lag zwar Obama vor McCain (47 zu 45 Prozent), wegen der Fehlerquote statistisch gesehen aber gleich auf.

Als Gründe für den erneuten Wandel in der Wählergunst wird vor allem die jüngste Finanzkrise an der Wall Street gesehen. Offenbar traut man Obama bei der Bewältigung der ökonomischen Probleme mehr zu als McCain. „Mit dem schwindenden Vertrauen in die Wirtschaft wächst das Vertrauen in Obama", kommentierte Gallup.

Weiterer Grund für den erneuten Führungswechsel: Sarah Palin könnte ihren politischen Höhepunkt möglicherweise schon überschritten haben. Die nächsten Umfragen werden zeigen, ob der Superstar der vergangenen zwei Wochen schon wieder auf den Stand eines normalen Vize-Kandidaten geschrumpft ist.

Wednesday, September 17, 2008

"Sie hat sich selbst unter den Bus geworfen"

Carly Fiorina in einem Interview auf ABC mit George Stephanopoulos
Sie gilt als die wichtigste Wirtschaftsberaterin von John McCain und wurde sogar einmal als dessen Kandidatin für den Posten der Vize-Präsidentin gehandelt - Ex-Hewlett-Packard Chefin Carly Fiorina. Doch diese Zeiten sind erst einmal vorbei. Der Stern der 54-Jährigen sinkt. Nach einer denkbar dummen Bemerkung über ihren Chef und dessen Running Mate Sarah Palin ist Fiorina bei McCain in Ungnade gefallen.

„Botox“ Carly wie sie wegen ihres scheinbar perfekt gespritzten Gesichtes im Internet verspottet wird, hatte in einem Interview erklärt: „Sarah Palin ist nicht in der Lage ein großes Unternehmen zu leiten.“ Das hatte gesessen - nur bei der Falschen. Inmitten einer der „schwersten Wirtschaftskrisen der letzten Jahrzehnte“ (Ex-Notenbank-Chef Alan Greenspan) hätte Fiorina die eigene Vize-Kandidatin kaum schlechter darstellen können.

Auch Carly Fiorina merkte das schnell und versuchte in einem anderen Interview ihre Bewerkung noch schnell zu relativieren. „McCain kann übrigens auch kein Unternehmen führen.“ Ouch! Da nützte es wenig, dass die Top-Managerin auch von Barack Obama und dessen Vize Joe Biden als Konzernlenker nicht viel hält.

„Carly wird wohl eine Weile untertauchen“, erklärte eine anonyme Quelle aus dem McCain Team. „Sie hat sich selbst unter den Bus geworfen.“ Carly Fiorina sollte in den kommenden Tage wegen der anhaltenden US-Finanzkrise zahlreiche Interviews geben. Diese wurde jetzt erst einmal abgesagt.

Promis spenden 9 Millionen Dollar für Obama

Hollywoods-Superstars sind weiter dicke Anhänger von Barack Obama. Auf einer Spendengala in Beverly Hills sammelten die Promis insgesamt neun Millionen Dollar für den Präsidentschafts-Kandidaten der Demokraten. Unter den etwa 300 Gästen, jeder von ihnen zahlte 28,500 Dollar für den Abend mit Obama, waren Größen wie: Steven Spielberg, Leonardo DiCaprio, Will Ferrell, Jamie Lee Curtis und Jodie Foster.

„Wenn wir all diesen Unsinn von Lippenstift, Schweinen und anderen Schwachsinn überstehen, bin ich mir absolut sicher, dass wir die Wahlen gewinnen werden“, versprach Obama seinen Promi-Gästen. Später am Abend versöhnte sich der 44-Jährige dann auch noch mit der „Die-Hard" Hillary Clinton Anhängerin, Barbra Streisand.

Die 66-jährige Streisand sang auf einer anderen Spendengala in Los Angeles ausgewählte Lieder für Obama. Stars wie Pierce Brosnan, Ron Howard und Magic Johnson kamen hier allerdings billiger davon: Sie zahlten für den Abend pro Person nur vergleichsweise bescheidene 250 Dollar.

Tuesday, September 16, 2008

Swing States: Sie entscheiden die Wahl

Die US-Bundesstaaten, die die Wahl am 4. November entscheiden werden:
Colorado, Florida, Iowa, Missouri, New Mexico, Nevada (obere Reihe von l.)
North Carolina, Ohio, Virginia, Michigan, Minnesota, New Hampshire (mitte von l.)
Pennsylvania und Wisconsin (unten von l.)

New York ein Swing States? Nach einer Umfrage des Instituts Siena hat Barack Obama seinen einst sicheren 18 Punkte Vorsprung verloren und liegt nur noch mit fünf Prozent in Front. Insgesamt 626 Wähler hatte Siena befragt. Eine Umfrage, so ganz nach dem Geschmack der Republikaner. Aber ist sie auch realistisch. Tatsache ist, dass New York zuletzt Ronald Reagan 1984 für die Republikaner gewinnen konnte, seitdem jedoch ist der Ostküstenstaat fest in demokratischer Hand. George W. Bush verlor hier 2004 deutlich mit 18 Punkten.

New York ist kein Swing State, genauso wenig wie Kalifornien, das ebenfalls traditionell Demokraten wählt. Dafür kann McCain in Kansas, Alabama und Texas sicher sein, dass er deutlich gewinnt. Die Wahlen werden in anderen und nicht mehr als 14 Bundesstaaten entschieden. Mein Tipp: Am Ende werden es nur zwei sein: Ohio und Colorado.

Ein Blick auf aktuelle Umfragen in den Swing States zeigt, dass Obama, trotz des Sarah Palin Phänomens, immer noch knapp vorne liegt. Aber es kann am 4. November sehr, sehr eng werden.

Eine Übersicht: Colorado (Obama +0,6), Florida (McCain +6,3), Iowa (Obama +9,7) Missouri (McCain +6,6), New Mexico (Obama +2,3 ), Nevada (McCain +1,0), North Carolina (McCain +11), Ohio (McCain +2,4) , Virginia (ausgeglichen bei 48 zu 48 Prozent), Michigan (Obama +2), Minnesota (Obama +4,7), New Hampshire (Obama +3,3), Pennsylvania (Obama +1,6), Wisconsin (Obama +5,3). (alle Angaben Durchschnittswerte verschiedener Umfragen in den einzelnen Bundesstaaten)

Alle Staaten zusammen gerechnet, liegt Obama mit 273 zu 265 Wahlmänner in Front und wäre am heutigen Tag damit neuer Präsident der USA.

Monday, September 15, 2008

"Die Fundamente der Wirtschaft sind stabil"

Höchster Dow Jones Verlust seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001
Schwarzer Montag an der New Yorker Wall Street. Die anhaltende Krise im Finanzsektor hat den Dow Jones um mehr als 500 Punkte nach unten gezogen. Vermögenswerte von mehr als 700 Milliarden Dollar!!! wurden vernichtet. Der schwärzeste Börsentag seit sieben Jahren. Nur nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 waren die Verluste noch höher. Damals fiel der Dow Jones nach Wiederöffnung der Wall Street am 18. September um 684,81 Punkte.
Das Parkett an der New York Börse am "schwarzen Montag", 15. September 2008

Schuld an den Verlusten diesmal sind aber keine Katastrophen, sondern die beiden Investmenthäuser Lehman Brothers und Merrill Lynch. Beide haben Milliarden an US-Dollar in den Sand gesetzt. Lehman Brothers Boss Richard Fuld Jr. versuchte seinen strauchelnden Laden noch auf die schnelle meistbietend zu verscherbeln. Vergeblich. Nach den geplatzten Verkaufverhandlungen musste Top-Manager Fuld (Einkommen 2007: 27 Millionen Dollar) Bankrott erklären. Knapp 60 Milliarden Dollar Verluste waren für ihn nicht mehr zu stemmen.

Nicht viel besser erging es seinem Kollegen John Thain von Merrill Lynch. Der Vorstandsvorsitzende (Einkommen im Jahr 2007: knapp 16 Millionen Dollar) verkaufte sein marodes Finanzhaus (45 Milliarden Dollar Miese) für 50,3 Milliarden Dollar an die Bank of America und kam - zumindest vorerst - mit einem "blauen Auge" davon.

Der „Hurrikan“ an der Wall Street hat damit erneut zwei der renommiertesten Finanzhäuser - Lehman Brothers existiert bereits seit 158 Jahren, Merrill Lynch seit 94 Jahren - zerstört. Zuvor hatte es Bear Sterns und die mittlerweile unter Staats-Schutz stehenden Hypotheken-Riesen Freddie Mac und Fannie Mae erwischt. Und die nächste Pleite könnte bereits in den kommenden Tagen kommen. Amerikas Versicherungsriese American International Group (AIG) kann nur mit einem neuen 20 Milliarden Kredit am Leben gehalten werden. Es ist bereits die zweite 20 Milliarden Dollar schwere Finanzspritze in diesem Jahr.

Präsidentschafts-Kandidat John McCain, selbst 40 Millionen Dollar schwer, scheint die "schwerste US-Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten" (Ex-Notenbank-Chef Alan Greenspan) allerdings immer noch nicht richtig begriffen haben. Er erklärte auf einer Wahlveranstaltung: „Die Fundamente unserer Wirtschaft sind stabil.“

Sunday, September 14, 2008

Der Mythos bröckelt

Sarah Palin - zehn Tage nach der Nominierung zur Vize-Kandidatin bröckelt der Mythos um den neuen Superstar des US-Wahlkampfes. Die Gouverneurin von Alaska (seit 21 Monaten) hat bei ihrer ohnehin sehr mageren Bilanz als Politikerin doch ein wenig übertrieben oder schlichtweg gelogen.

Insbesondere bei ihrer Erfahrung in der Außenpolitik (Palin: „Von Alaska aus kann man Russland sehen.“) wird es jetzt richtig dünn.

Das McCain/Palin Team hatte immer wieder erklärt, dass Sarah Palin Auslandsreisen nach Kanada, Mexiko, Irland, Deutschland, Kuwait und den Irak gemacht hat. Entsprechend verfüge sie über die nötige Erfahrung als mögliche Vize-Präsidentin. Wie sich jetzt aber herausstellt, war Sarah Palin in Mexiko nur im Familien-Urlaub, in Irland ist sie nur zwischengelandet um das Flugzeug auftanken zu lassen und den Irak hat sie eigentlich überhaupt nicht gesehen. Sie war, so gibt Sarah Palin zu, nur an der Grenze von Kuwait und könnte „etwa 400 Meter auf irakischem Boden“ gewesen sein. Welche Erfahrungen sie im Grenzgebiet gesammelt hat, ließ sie unbeantwortet. Denn eigentlich hat Sarah Palin dort nur die National Guard aus Alaska besucht. Und die hat mittlerweile erklärt, sie sei sich "ziemlich sicher", dass die Gouverneurin "irakischen Boden NICHT betreten" hat.

Aber noch zwei andere Dinge sind übertrieben oder einfach gelogen. Immer wieder betonte Sarah Palin, dass sie Steuergelder gespart habe: Einmal will sie die „Bridge to Nowhere“ (eine aus Steuergeldern gebaute Brücke, die aber keine Funktion hat) gestoppt haben, ein anderes mal prahlte sie damit, dass sie das Flugzeug ihres Gouverneurs-Vorgängers für 2,8 Millionen Dollar auf eBay mit Gewinn versteigert hatte. Jetzt muss sie zugeben, dass sie im Wahlkampf für und nicht gegen die „Bridge to Nowhere“ gestimmt hatte. Erst später war sie dagegen und stoppte das Projekt. Nur, die Steuergelder gab die ach so Sparsame nicht zurück, sondern strich sie für das Budget Alaskas ein.

Und auch das eBay Flugzeug ist nur ein PR-Trick. Sarah Palin wollte die Maschine auf eBay verkaufen, soweit ist die Geschichte richtig. Doch da es niemand wollte, nahm sie es von der eBay-Auktion und ließ das Flugzeug über einen Makler verscherbeln. Nicht für 2,8 Millionen Dollar, sondern für 2,1 Millionen. Und auch nicht mit Gewinn, sondern mit VERLUST!

Der Mythos bröckelt. Bleibt zu hoffen, dass auch die Wähler es langsam merken.

Saturday, September 13, 2008

Das Sarah Palin TV-Interview: Ihre Kritiker sind geschockt, ihre Fans begeistert

Sarah Palin in ihrem ersten TV-Interview mit Charles Gibson von ABC
- im Hintergrund die Trans-Alaska Öl-Pipeline nahe Fairbanks

Amerika musste zwei Wochen auf das erste Interview der möglichen Vize-Präsidentin des Landes, Sarah Palin, warten. Ein Rekord. Noch nie in der Geschichte der USA hatte sich ein Running Mate so lange vor der Presse versteckt wie die 44-Jährige. Sarah Palin brauchte die Zeit für einen Crash-Kurs, vor allem in Sicherheits- und Außenpolitik.

Die Gouverneurin von Alaska und neuer Superstar des US-Wahlkampfes schlug sich wacker. Sie sorgte nicht für Schlagzeilen. Ergo: Sie machte keine großen Fehler. Ihre Fans waren begeistert, ihre Kritiker geschockt. Überzeugen konnte sie ihre Gegner natürlich nicht. Das war wohl auch nicht ihr Ziel. Es ging ums Überleben, den Rest machen schon die Wahlkampfmanager. Sarah Palin soll nicht New York oder Kalifornien für John McCain gewinnen – da hat er ohnehin keine Chance. Die einstige Schönheitskönigin soll Swing States holen: Ohio, Virginia, Missouri, Colorado. Und dafür machte sie einen guten Job.

Dennoch, ein bisschen entzauberte sie sich schon: Dass sie die Bush-Doktrin (das Recht eines präventiven Militärschlages im Falle einer konkreten Gefahr) nicht kannte, kann man ihr nicht wirklich zum Vorwurf machen. Wer kennt die Doktrin schon. Doch auf die Frage, was sie außenpolitisch qualifiziere, muss man mehr erwarten dürfen als: „Man kann von Alaska aus Russland sehen.“

Auch bei Themen wie Georgien und NATO kam sie ins Schlingern, flüchtete sich in Sprechblasen oder spielte den Knallharten, der „nicht blinzeln darf“. So drohte sie Russland notfalls mit Krieg um Georgien. Und auch Israel gestattete sie einen Angriff auf den Iran.

Schwächen offenbarte sie bei Wirtschaftsfragen. Steuern runter, Ausgaben beschränken, Ämter und Staat-Bürokratien reformieren und schlanker machen. Nicht unbedingt eine neue Politik des Wandels, mit der sie Barack Obama schlagen will. Mit diesen drei Zielen hatte schon George W. Bush seinen Wahlkampf geführt.

Strikt blieb sie dagegen in ihrer Haltung gegen Abtreibung (nur wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist aber nicht bei Vergewaltigung und Inzest). Sie ist für freien Waffenbesitz und gegen die Forschung an embryonalen Stammzellen.

Wie gesagt: Ihre Kritiker wollte sie nicht überzeugen. Sarah Palin soll die konservative Basis aktivieren und an die Urnen bringen. Die hat schon George Bush zum Präsidenten gemacht. Sie ist diesem Ziel ein Stück näher gekommen. Und das macht Sarah Palin so gefährlich für Barack Obama.

Friday, September 12, 2008

Zitat des Tages

"Ich denke, Obama bedauert es heute, Hillary Clinton nicht genommen zu haben"


(Sarah Palin in ihrem ersten Fernseh-Interview als Vize-Präsidentschafts-Kandidatin von John McCain auf ABC auf die Frage von Charles Gibson, ob Barack Obama lieber Hillary Clinton als sein Running Mate genommen hätte)

Puppen-Spiel


Sarah Palin als Schulmädchen und Aktion Heldin

Neues vom Markt des Merchandisings. Vize-Kandidatin Sarah Palin, der neue Politstar im US-Wahlkampf, gibt es jetzt auch als Kinderspielzeug. Oder besser gesagt als Puppe. Insgesamt zwei Modelle sind bisher im Angebot: Sarah Palin als tatkräftiger Action Hero und als nicht ganz so braves und kurzröckiges Schulmädchen.

Barack Obama als Beachboy und John McCain als Aktion Held

Auch Barack Obama kann sich jedes Kind oder Erwachsener als Puppe ins Haus holen. Der 47-Jährige tritt dabei als muskulöser Strand-Boy mit freier Brust auf. Und John McCain? Der Vietnam-Veteran, der fünf Jahren im Gefangenen-Lager „Hanoi Hilton“ überlebte. Den 72-Jährigen kann es natürlich nur als Superhelden geben: McCain der Aktion Held. Da gab es wohl keinen Zweifel.

Dass Joe Biden, der zurzeit im Palin-Fieber total untergeht, nicht als Puppe zu haben ist, dürfte wohl niemanden wundern. Biden wäre wohl nicht mehr als ein echter Ladenhüter.

Die Palin, Obama und McCain Puppen kosten übrigens pro Stück 29,95 Dollar. Nicht unbedingt ein Schnäppchen, aber für echte Fans der drei wohl kein Kaufhindernis. Man darf gespannt sein, was sich das Merchandising noch alles einfallen lässt. Die Phantasien der inoffiziellen Politiker-Verkäufer scheinen keine Grenzen zu kennen.

Thursday, September 11, 2008

"Frauenversteher" Bill Clinton muss helfen

Bill Clinton und Barack Obama bei einem Treffen in New York am Donnerstag

Das Phänomen Sarah Palin macht die Demokraten zunehmend nervös. Sie finden keine passende Antwort auf den neuen Star im US-Wahlkampf. Und es sind nur noch 54 Tage bis zum Urnengang. In Umfragen in kritischen Swing States wie Pennsylvania und Ohio bröckelt die Mehrheit für Barack Obama. Und auch national kann das Ticket McCain/Palin seine überraschende Führung halten.
Und was macht Obamas Vize-Kandidat Joe Biden? Der stolpert unglücklich von einem politischen Fettnäpfchen ins andere. Erst erklärte der 66-Jährige, Hillary Clinton wäre vielleicht die bessere Wahl als Vize gewesen, dann fordert er bei einer Wahlveranstaltung in Columbia (Missouri) Senator Chuck Graham auf, sich dem Publikum zu zeigen und aufzustehen (der 43-jährige Politiker sitzt allerdings im Rollstuhl). Biden ist zurzeit keine Hilfe, eher ein Hindernis.

In seiner Verzweiflung suchte Obama am Donnerstag Rat bei Ex-Präsident Bill Clinton. Der hatte ihn während der Vorwahlen heftig kritisiert und war auch noch nach der Entscheidung für Obama lange Zeit ziemlich stinkig, weil Hillary nicht gewonnen hatte. Doch das schien zumindest am Donnerstag nur noch ein Randthema. Bei einem zwei Stunden Mittagessen (Sandwiches, Pizza und Salat) in New York ging es um etwas ganz anderes. Obama suchte bei „Frauenversteher“ Clinton Hilfe im Kampf gegen Sarah Palin.

Welche Strategie Clinton vorgeschlagen hat, verrieten die beiden nach dem Lunch nicht. Der 62-Jährige setzt offenbar auf Gelassenheit. Denn bei einem ist sich Clinton ganz sicher: „Ich sage voraus, dass Barack Obama die Wahlen gewinnen wird, er wird sie sogar locker gewinnen.“ Obama, sichtlich frustriert über den aktuellen Verlauf des Wahlkampfes, nahm Clintons Optimismus als Aufmunterung. „Die Prognose kommt jetzt vom Präsidenten der USA. Und der versteht eine Menge von Politik.”

Und damit Obama auch wirklich gewinnt, soll Bill Clinton jetzt verstärkt Wahlkampf für ihn machen. Erster Termin ist Florida am 29. September. „Ich werde alles tun, was er will“, erklärte Clinton. Und Obama ergänzte: „Wir haben Arbeit für ihn.”

"Wie in einem schlechten Disney Film"

Matt Damon, Hollywood-Star und einer von vielen prominenten Barack Obama Unterstützer, ist geschockt über die Aussicht, dass Sarah Palin die neue Präsidentin der USA werden könnte. „Man muss doch nur die Rechnung machen. Die Gefahr, dass John McCain seine erste Amtszeit nicht überlebt, ist drei zu eins, wenn nicht höher“, sagte Matt Damon in einem Interview während der Filmfestspiele in Toronto. „Dann wird die Vize-Präsidentin Sarah Palin Präsidentin und muss sich mit Vladimir Putin auseinandersetzen. Das macht mir wirklich Angst.“

Nach Damon könnte das alles „wie in einem schlechten Disney Film enden“. „Die Hockey-Mama, oh, ich bin doch nur die Hockey Mama. Das ist doch absurd." Dass Palin Präsidentin werde, sei doch "eine Horrorvorstellung" und er verstehe nicht, warum die Menschen nicht mehr darüber reden. „Ich will von ihr wissen, ob sie wirklich glaubt, dass Dinosaurier vor 4000 Jahren auf der Erde gelebt haben“, sagt der 37-jährige Damon. „Ich weiß nicht, ob sie das wirklich glaubt. Und ich will das wirklich wissen.“

Das Interview: http://www.youtube.com/watch?v=anxkrm9uEJk

(Zu)Späte Erkenntnis

Das hätte sich der Vize-Präsidentschafts-Kandidat von Barack Obama, Joe Biden, wohl früher überlegen müssen. Jetzt ist es definitiv zu spät. Auf einer Wahlveranstaltung in New Hampshire erklärte der 66-Jährige seinen staunenden Zuhörern: „Hillary Clinton ist genauso, vielleicht noch qualifizierter für den Posten des Vize-Präsidenten als ich. Und ganz ehrlich, vielleicht wäre sie sogar eine bessere Wahl gewesen als ich.“

Doch damit nicht genug des Lobes von Joe Biden für Hillary Clinton: „Sie ist qualifiziert für den Job des Präsidenten“, pries er die 60-Jährige. „Und mal ganz ernsthaft, sie ist nun wirklich erste Wahl.“

Eine späte Erkenntnis. Mit fatalen Folgen. Die Republikaner machen sich schon lustig über den Vize-der-es-gar-nicht-sein-will Biden. Der Mann, bekannt für sein loses Mundwerk, hätte wohl lieber Schweigen sollen. Er muss nicht auf jede Frage antworten. Und ganz sicher nicht so. Mit so wenig Selbstvertrauen gewinnt man keine Wahl.

Wednesday, September 10, 2008

Europa für Barack Obama

Falls Barack Obama die Präsidentschafts-Wahl am 4. November in den USA verlieren sollte, könnte er es danach vielleicht in Europa versuchen. Dort hat der 44-Jährige ganz offensichtlich viele Fans.

Nach einer neuen Umfrage von Transatlantic Trends erwarten 47 Prozent der Europäer bessere Beziehungen zwischen den USA und Europa falls der Senator aus Illinois ins White House einziehen sollte. Nur 29 Prozent erwarten überhaupt keine Änderungen und eine Minderheit von fünf Prozent denkt negativ und glaubt gar an eine Verschlechterung der transatlantischen Beziehungen.

John McCain hat nach der Umfrage in 12 europäischen Staaten dagegen wesentlich weniger Vertrauen unter den Europäern als Obama. Nur magere elf Prozent glauben an eine Verbesserung, 40 sind sich sicher, dass alles beim Alten bleiben würde und 13 Prozent meinen, dass das Verhältnis der USA zu Europa schlechter werden würde.

Tuesday, September 9, 2008

Zitat des Tages


“Wenn du Lippenstift auf ein Schwein aufträgst, ist es immer noch ein Schwein. Du kannst einen alten Fisch in ein Stück Papier packen und es Wandel nennen. Aber nach acht Jahren wird der Fisch immer noch stinken.“

(Barack Obama auf einer Wahlveranstaltung in Lebanon, Virginia. Das McCain Camp kritisierte die Äußerung als "sexistisch´" und sieht darin eine Anspielung auf eine Äußerung von Sarah Palin auf dem Parteitag der Republikaner: "Der Unterschied zwischen einem Pitbull und einer Hockey-Mama - Lippenstift. Obama wies den Vorwurf zurück. Es sei ein "erbärmlicher Versuch", die Geschlechter-Karte zu spielen. Tatsächlich meine er, dass man aus etwas Alten nicht etwas Neues mache könne, in dem man nur Lippenstift auftrage.

Der "alte Fisch" sollte das verdeutlichen. Es ist eine Reaktion Obamas auf den neuen Slogan von John McCain, nachdem nicht Obama, sondern das Ticket McCain/Palin für den wirklichen Wandel stehe. Tatsächlich hat McCain in 90 Prozent aller Fälle mit Präsident George W. Bush gestimmt)

Fazit: Der Spruch war ein schwerer Fehler und ein Zeichen von Frustration, da das Obama Camp noch keine rechte Antwort auf das Phänomen Sarah Palin gefunden hat. Das Schlimmste: Durch die Kritik an Obama ging seine eigentliche und bisher erfolgreiche Botschaft des Wandels völlig unter.

"Alt aber noch nicht verfallen"





Es gibt wohl nichts, was clevere Verkäufer nicht zu Geld machen können. Die beiden Präsidentschafts-Kandidaten John McCain und Barack Obama sind beliebte Opfer. T-Shirts, Tassen, Schlüsselanhänger, Poster sind die absoluten Renner der inoffiziellen Wahlkampf-Verkäufer. Neu im Angebot sind jetzt auch Kondome der Kandidaten. "Absolut sicher" wie der Internetverkäufer auf seiner Webseite verspricht. "Alt aber noch nicht verfallen", steht da allerdings nicht sehr vertrauenserweckend auf der Doppelpackung von McCain (9,95 Dollar). Obamas Gummis (auch 9,95 zwei Stück) kommen da schon eher väterlich und mit erhobenen Oberlehrer-Zeigefinger rüber: Benutzung nur nach guter Überlegung. Oder: Erst überlegen dann . . .

Inkonsequent

Fast kein Tag vergeht, ohne das US-Medien eine neue „Leiche“ aus dem Leben der Sarah Palin ausgraben. Hatte sie sich bei ihrer Rede auf der Republican Convention nicht als Politikerin verkauft, die als Gouverneurin vor der eigenen Haustür gespart hat und die Steuergelder ihrer Wähler nicht verschleudert. Das Flugzeug ihres Vorgängers hatte sie auf eBay werbewirksam für 2,1 Millionen Dollar verkauft und auch den Koch – sehr zum Bedauern ihrer Kinder – abgeschafft.

Doch jetzt stellt sich heraus, dass die 44-Jährige offenbar nur an Dingen ihres Vorgängers öffentlichkeitswirksam gespart hat, nicht aber an ihren eigenen. Die Washington Post berichtet exklusiv, dass Sarah Palin in ihren ersten 19 Monaten als Gouverneurin dem Staat 312 Übernachtungen in Rechnung gestellt hat, obwohl sie die in ihrem eigenen Haus in Anchorage verbracht hat. Neben ihrem Gehalt von 125.000 Dollar war das ein kleiner Zusatzverdienst von immerhin 19.951 Dollar.

Und auch ihre Kinder und ihr Mann Todd haben sich vom Staat die Reisen - die meisten von Wasilla in die Landeshauptstadt Juneau - bezahlen lassen. Zusammen waren das immerhin 43,490 Dollar aus dem Haushalt-Budget Alaskas. Und auch wenn Sarah Palin alle diese Gelder nach den Vorschriften des Bundesstaates offenbar zustanden. Wie war das doch gleich mit der Politikerin, die an den Ausgaben des Gouverneurs vorbildlich spart und keine Steuergelder unnötig verschwendet?

Monday, September 8, 2008

Umfrage-Schock: McCain vor Obama

Genau 57 Tage vor der Wahl am 4. November hat der Republikaner John McCain zum ersten Mal Barack Obama in einer nationalen Umfrage deutlich überholt. Gallup ermittelte bei ihrer Befragung (5.-7. September) von 2733 Wählern, dass McCain mit 49 Prozent zu 44 die Führung übernommen hat. Das Phänomen Sarah Palin macht offenbar die völlig überraschende Wende möglich.

Für die Demokraten eine Schock-Umfrage. Barack Obama galt lange als der sichere Sieger. Allerdings: In den Bundesstaaten, die die Wahl letztendlich entscheiden werden, liegt Obama immer noch mit 273 zu 265 Wahlmännern gegenüber McCain knapp in Front. Doch auch hier gilt: Es wird immer enger.

Sarah Palin: Ein umweltfeindlicher Skandal

Sarah Palin, der neue Polit-Star am Himmel des US-Wahlkampfes, ist umweltpolitisch schlimmer als George W. Bush. Der amtierende Präsident hat nach langem Zögern zumindest akzeptiert, dass der Klimawandel etwas mit dem Menschen zu tun haben könnte. Die 44-jährige Palin gehört zu der weiterhin kleinen Gruppe der Skeptiker, die das NICHT glaubt.

Doch nicht nur die globale Erderwärmung scheint für Sarah Palin eher eine Übertreibung zu sein. Auch die Folgen sieht sie nicht so dramatisch. Wenn das Eis weiter schmilzt wird der Eisbär halt an Land auf die Jagd gehen, ist sich die Gouverneurin sicher. Dass Bush den "weißen Riesen" auf die Liste der gefährdeten Tiere gesetzt hat, kann sie deshalb nicht akzeptieren. Sarah Palin will gegen die eigene republikanische Regierung klagen, um den Polarbären wieder von der Liste nehmen zu lassen.

Es gibt noch weitere umweltpolitische Skandale der möglichen neuen Vize-Präsidentin. Dass Sarah Palin im Arctic National Wildlife Refuge in Alaska nach Öl bohren lassen will (selbst John McCain ist dagegen), überrascht wohl niemanden. Ihr Mann arbeitet in der Ölindustrie und die Förderung des schwarzen Goldes bringt auch dem Haushalt Alaskas einige Millionen Dollar ein. Die Tierwelt des einzigartigen Naturparkes im Norden des Landes wird sich wohl auch daran anpassen müssen.

Das funktioniert allerdings nicht so einfach wie es sich Sarah Palin vorstellt. Das Cook Inlet ist bereits durch den Ölriesen Chevron so verschmutzt worden, dass die dort lebende Population von Beluga Walen von 1300 auf 350 Tiere zurückgegangen ist. Die weißen Wale haben sich mit der neuen, öligen Situation wohl noch nicht richtig anfreunden konnten. Sie sind mittlerweile so gefährdet, dass sie in dieser Region möglicherweise ganz verschwinden werden.

Steuergelder bringen Alaska aber auch die Jagd ein. Und der darf nach Sarah Palin nichts im Wege stehen. Die selbst leidenschaftliche Jägerin und Waffen-Närrin will erlauben, dass Bären und Wölfe von tieffliegenden Flugzeugen geschossen werden dürfen. Sie plante sogar für jeden toten Wolf eine Prämie von 150 Dollar zu zahlen. Das einzige, was der Jäger vorzeigen musste, war eine Vorderpfote. 400.000 Dollar wollte Sarah Palin für diese Idee aus dem Haushalt Alaskas locker machen. Bisher allerdings konnte sie das Gesetz nicht durchbringen: Selbst im Jagd freundlichen Parlament von Alaska scheint man bei solchen Ideen Skrupel zu bekommen.

Sunday, September 7, 2008

"Godzillary" gegen "Sarah Barracuda"

Hillary Clinton und Sarah Palin - wie die New York Post den Kampf sieht

Hillary soll es richten. Barack Obama schickt seine einstige Erzrivalin in den Kampf gegen Amerikas neuen Superstar Sarah Pallin: Hillary "Godzillary" Clinton gegen "Sarah Barracuda" Palin. Politisch ein Kampf zweier völliger Gegensätze: Die liberale Clinton gegen die erzkonseravtive Palin. Das einzige, was die beiden gemeinsam haben: Sie sind beides Frauen. Ansonsten gibt es wohl kaum ein wichtiges politisches Thema, bei dem Clinton und Palin übereinstimmen.
Und dennoch: John McCain (72) will mit seinem Vize Palin die enttäuschten Hillary-Anhänger einfangen. Dass das möglich scheint, zeigt eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungs-Instituts Rasmussen, nach der Barack Obama unten den Frauen seit dem Parteitag der Republikaner sieben Prozent an Unterstützung verloren hat. Bisher lag der 44-Jährige in dieser Gruppe mit 58 Prozent zu 44 in Front, jetzt liegt das Verhältnis bei nur noch 51 zu 44 Prozent. Und auch insgesamt hat Obama seine vermeitlich sichere Führung von 50 zu 42 Prozent eingebüßt. Nach der neuesten Gallup-Umfrage sind die beiden Kanddiaten statistisch gesehen (Fehlerquote liegt bei drei Prozent) gleich auf.
Damit der Trend gestoppt wird, setzt Obama jetzt wieder auf Hillary. Sie soll am Montag in Tampa, Florida, auf Stimmenfang für ihn gegen. "Ich habe auf dem Parteitag nichts gehört, wie die Republikaner die Wirtschaft wieder in Gang bringen wollen", stimmte sich Hillary am Wochenende auf Long Island auf ihren Angriff schon mal ein. "Und was ist mit der Gesundheitsversorgung für alle?"
Neben Hillary will Obama noch zwei weitere Top-Frauen unten den Demokraten auf Sarah Palin ansetzen: Arizonas Gourverneurin Janet Napolitano und Kathleen Sebelius, Gouverneurin von Kansas (beiden wurde wie auch Hillary Clinton auch mal als Vize-Kandidatinnen gehandelt). Barack Obamas Taktik gegenüber Sarah Palin zurzeit: Ignorieren, so gut es geht. Sein Gegner heißt John McCain und nicht Sarah Palin.

Der Palin Effekt

Vordergrund v.l.: Cindy (grüner Rock) und John McCain sowie Sarah Palin am Flughafen
von Colordao Springs. Im Hintergrund (Mitte) das Wahlkampf-Flugzeug von John McCain

Dass das John McCain noch erleben durfte. Seit Wochen tingelt der Präsidentschafts-Kandidat der Republikaner durch das Land, von Town Hall zu Town Hall und hofft dabei immer auf ein paar Hundert, vielleicht Tausend Zuhörer. Seit er Sarah Palin zur Vize-Kandidatin gemacht hat, ist das anders. Zumindst vorerst. Alle wollen die 44-jährige Ex-Schönheits-Königin und aktuelle Gouverneurin von Alaska sehen. Der Palin Effekt zog auch am Wochenende etwa Zehntausend Zuschauer an den Flughafen von Colorado Springs. Wäre John McCain allein gekommen, hätte der 72-Jährige die Fotografen wegen fehlendem Motiv vermutlich erst gar nicht mitgebracht.

Flaggenmeer: Colorado Springs im Sarah Palin Rausch

Amerika hat seinen neuen Superstar. Barack Obama war gestern, Sarah Palin heute. Zumindest glauben könnte man das zurzeit. Dabei scheinen die kleinen Fehler der Sarah Palin vergessen: Nur zur Erinnerung: Gegen sie läuft ein Verfahren wegen Amtsmissbrauchs / Sie ist erst seit 21 Monaten Gouverneurin / Sie hat keine Erfahrung in Sicherheits- und Außenpolitik - sie hat erst seit 2007 einen Reisepass / Ihr angeblichers Großprojekt einer neuen Gas-Pipeline in Alaska wird frühestens - wenn überhaupt - 2018 gebaut werden / Sie hat sich nach eigenen Angaben nie so richtig für den Irak-Krieg interessiert. Und auch das sollte niemand vergessen: Sie will die biblische Entstehungsgeschichte in der Schule mit der Evolutions-Theorie lehren lassen / Sie ist gegen das Recht auf Abtreibung, selbst im Falle von Vergewaltigung und Inszest / Sie ist auf Lebenszeit Mitglied der Waffenlobby NRA / Sie ist gegen Sexualkunde in der Schule / Sie hält Abstinenz für die beste Verhütungmethode / Ihre minderjährige Tocher Bristol (17) ist im fünften Monat schwanger / Ihr Mann Todd wurde vor 22 Jahren wegen Trunkenheit am Steuer verhaftet.

All diese Leichen, die ansonsten einen möglichen Vize-Präsidenten "politisch killen" würden, zählen im Moment offenbar nicht. Im Gegenteil: Wer nur die Fakten aufschreibt, bekommt Protestbriefe, verliert Abonnenten oder Zuschauer. Zuletzt erwischte es US Weekly. Das US-Klatsch-Magazin ist nicht bekannt für investigativen Journalismus. Entsprechend war ihre Titelgeschichte: "Babies, Lies & Scandal" auch nur eine einfache Zusammenschreibe längst bekannter Fakten. Ärger gab es dennoch: Bis zu 10.000 Abonennten sollen das Blatt abbestellt haben. Man könnte glauben: Im Wahlkampf interessiert sich Amerika nicht mehr für Tatsachen.

Saturday, September 6, 2008

Zitat der Woche

"Sarah Palin war die Bürgermeisterin der zweitgrößten Stadt Alaskas"

(Karl Rove, "The Architect" von George W. Bush und aktuell Kommentator beim konservativen TV-Sender Fox über die Erfahrungen, die Sarah Palin als mögliche Vize-Präsidentin mitbringt. Palin war Bürgermeisterin in Wasilla, einem Ort nach eigenen Angaben von 7025 Einwohnern (Stand September 2008, Foto: Palins Ex-Resident in Wasilla))

Kleiner Nachilfe-Unterricht für Karl Rove: Wasilla ist NICHT die zweitgrößte Stadt Alaskas. Nach den letzten Schätzungen des US Census Bureau von 2007 liegen: Anchorage: 279,671 Einwohner, Fairbanks: 34,540, Juneau: 30,690 deutlich vor Wasilla. Karl Rove sollte das eigentlich besser wissen. Doch wen interessieren schon die Fakten. Rove und "Fixed-News" wie die Konkurrenz von MSNBC spottet, haben andere Ziele: Palin, so unerfahren sie auch sein mag, muss dem Wähler nur gut verkauft werden. Und bis jetzt funktioniert das ja auch ganz gut.

Friday, September 5, 2008

Nachhilfe-Unterricht für Sarah Palin

Die Welt gesehen aus der Sicht lernender Kinder

Der Parteitag der Republikaner ist vorbei. John McCain hat enttäuscht, Sarah Palin die Partei begeistert. Doch die Vize-Kandidatin hat Defizite. Und die müssen schnell beseitigt werden.

Sarah Palin, Gouverneurin von Alaska, muss die Schulbank drücken. Sie muss lernen. Und zwar schnell. Ihr Fach: Außen- und Sicherheitspolitik. In weniger als einem Monat (2. Oktober) trifft sich Palin mit ihrem Counterpart Joe Biden zur einzigen TV-Debatte der Running Mates in St. Louis, Missouri.

Biden ist ein ausgewiesener Experte in Sachen Außen- und Sicherheitspolitik. Sarah Palin eher das Gegenteil: Sie hat erst 2007 einen Reisepass beantragt und ist nicht wirklich viel rumgekommen in der Welt: Kanada, Kuwait, Deutschland (Besuch des US-Militär-Krankenhauses in Landstuhl), Irak (Kurzbesuch bei der National Guard Einheit aus Alaska). Über die Tücken der Diplomatie dürfte sie dabei eher wenig erfahren haben. Jetzt sollen zahlreiche Fachkräfte aus dem McCain Lager, angeführt von Joe Lieberman, der einstigen Schönheits-Königin die Welt erklären.

"Die schlechteste Rede seit Jimmy Carter"

John McCain (72) mit Vize-Kandidatin Sarah Palin (44) nach seiner Rede

John McCains Rede war „same old stuff“ und wenig Neues. Und von einer Vision für das Land – keine Spur. Entsprechend harsch fielen die Kritiken am Tag danach aus. Selbst unter Republikanern und Konservativen. Eine Auswahl:

Es war eine Wiederholung alter und bekannter Ideen der Republikaner. Es ist nicht einfach sich von Präsident Bush zu distanzieren, wenn du eigentlich ganz seiner Meinung bist. Die Rede war dünn. (Präsidentenberater David Gergen)

Die Rede war eine dicke Enttäuschung. Ich denke, McCain hat sie verpatzt. (Michael Gerson, Redenschreiber von George W. Bush)

Es war die schlechteste Rede eines Präsidentschafts-Kandidaten seit Jimmy Carter 1980 (CNN-Kommentator Jeffrey Toobin)

Wer die Rede gehört hat, glaubte, dass White House wurde in den vergangenen 7 ½ Jahren von Demokraten regiert und es ist jetzt an der Zeit, dass wir diese Bastarde endlich rausschmeißen. (Arianna Huffington)

Ermüdend. Hier im Saal sind Delegierte aus Utah und Puerto Rico eingeschlafen. (New York Times Blogger Patrick Healy)

Die Rede war flach, gezwungen und keine Gefahr für Barack Obama. (National Review)

Das Ende war gut, ansonsten war der Auftritt nicht überzeugend (Time Magazine)

Wednesday, September 3, 2008

Sarah Palin: Pitbull mit Lippenstift

Sarah Palin nach ihrer "Acceptance Speech" zum Kandidaten des Vize-Präsidenten auf dem Parteitag der Republikaner in Minneapolis/St. Paul

Sarah Palin gab sich kämpferisch. Nach der tagelangen, heftigen Kritik an ihrer Nominierung zum Kandidaten des Vize-Präsidenten teilte die 44-jährige Gouverneurin bei ihrer Acceptance Speech" auf dem Parteitag kräftig aus. McCain hat jetzt seinen "Attack Dog" kommentierten Beobachter nach der Rede anerkennend.
"Die Präsidentschaft sollte nicht eine persönliche Entdeckungsreise sein", erklärte Sarah Palin den jubelten und grölenden republikanischen Parteifreunden im Xcel Energy Center in St. Paul. Palin meinte damit ohne seinen Namen zu nennen natürlich Barack Obama und dessen mangelnde Erfahrung. "Diese Welt hat Bedrohungen und Gefahren und braucht mehr als nur einen Organisator."
Unverschont blieben auch nicht die US-Medien, die Sarah Palin in den vergangenen Tagen immer wieder hart kritisiert hatten. "Ich komme nicht nach Washington, um euch zu gefallen. Ich komme nach Washington, um den Menschen in diesem Land zu dienen." Und wie sie das machen will, erklärte sie auch gleich. Verbissen. "Es gibt nur einen Unterschied zwischen einer Hockey-Mama (Anspielung auf ihre Rolle als Mutter, die ihre Kinder zum Sport fährt) und einem Pitbull - Lippenstift.
John McCain, der nach der Rede mit auf die Bühne kam, freute sich sichtbar über seinen Vize. "Haben wir nicht eine richtige Wahl getroffen", fragte er die Massen, die in Jubel ausbrach. "Und was für eine Familie." Sarah Palins komplette Familie, einschließlich des Freundes ihrer schwangeren, 17-jährigen Tochter Bristol sowie ihre Eltern waren in der mit 15.000 Menschen ausverkauften Halle.
Der kritisierte Barack Obama dagegen gab sich gelassen: "Die Rede war von einem Schreiber von George W. Bush konszipiert und sie klang so wie wir es in den vergangenen acht Jahren immer wieder gehört haben." Parteipolitik löse aber keine Probleme. Tatsächlich hatte Matthew Scully, der Sarah Palin in dieser Woche zum ersten Mal getroffen hatte, die Rede geschrieben. Er arbeitet auch für den Präsidenten.
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