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Sunday, October 19, 2008

„Terrorist, Radikaler, Freund von Obama“

William Ayers und Barack Obama – das scheint die Verbindung zu sein, mit der John McCain doch noch die Präsidentschafts-Wahlen gewinnen will. Während der 72-Jährige in der Debatte am Dienstag "nur Fragen" über Obamas Verbindung zu dem einstigen Terroristen stellte, ist seine Partei nicht so zurückhaltend. Sie handelt.

Die Republikaner haben in mehreren Bundesstaaten ein Pamphlet (Fotos) mit der Post verschickt, dass Barack Obama auf eine Stufe mit dem ehemaligen Terroristen William Ayers setzt. Der heute ordentliche Professor in Chicago hatte während des Vietnamkrieges mit seiner Gruppe „Weather Underground“ Bombenanschläge in den USA verübt.

Bis heute scheint Ayers seine Taten nicht bereut zu haben. Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 hatte der mittlerweile 63-jährige Ayers erklärt: „Ich bereue nicht, Bombenanschläge verübt zu haben. Ich habe das Gefühl, wir haben nicht genug getan.“

Dass Obama während der Anschläge in den 60er Jahren erst acht Jahre alt gewesen ist, spielt keine Rolle. Entscheidend ist, dass Obama und Ayers vor sechs Jahren im Vorstand einer Organisation gesessen haben, die sich in Chicago um Arme kümmerte.

Dass die Gruppe von einem Republikaner und Ronald Reagan Anhänger gegründet wurde, auch das ist den Republikaner egal. In dem Pamphlet stellen sie Obama auf eine Stufe mit William Ayers. Ihre einfache Aussage: Ayers ist ein Terrorist, ein Radikaler, ein Freund von Obama.“

Vier Seiten lang wird die Geschichte von Ayers erzählt und dabei immer auf die Verbindung von Obama hingewiesen. Und am Ende heißt es sehr simple: „Barack Obama. Er ist nicht der, für den sie halten.“

Die Schmutzkampagne scheint zu wirken. Wie CNN am Freitag berichtet, holt McCain bei den Umfragen auf. Das Rennen um das White House wird wieder eng. Wegen Ayers und Obama? Kaum zu glauben, das eine Schmutzkampagne die Wahlen entscheiden könnte.

Saturday, October 11, 2008

Wahlkampf verkehrt: John McCain muss seinen Rivalen Obama verteidigen

Wenige Wochen vor den Wahlen nimmt der Kampf ums White House absurde Züge an. Da die Anhänger der Republikaner realisieren, dass nur noch ein Wunder John McCain zum Präsidenten machen kann – er liegt in den Umfragen bundesweit und in allen wichtigen Bundesstaaten teilweise weit hinter Barack Obama – scheinen sie die Nerven zu verlieren. Bei einer Wahlveranstaltung in Minnesota musste McCain jetzt sogar Obama verteidigen.

Eine Frau hatte den Demokraten unter dem Beifall der Zuschauer als „Araber“ beschimpft. Daraufhin nahm McCain ihr das Mikrofon aus der Hand (Foto) und erklärte unter Buhrufen seiner Anhänger: „Nein, nein, meine liebe Frau. Obama ist ein anständiger Mensch und ein liebevoller Familienvater.“ Wahlkampf verkehrt: Der Republikaner muss seinen demokratischen Rivalen verteidigen?
Es ist nicht das erste Mal, dass McCain Anhänger Obama böse beschimpfen. In Wisconsin wetterte ein Mann gegen den Kandidaten, nannte ihn einen „Sozialisten, der mit seinen sozialistischen Freunden das Land übernehmen wolle“. Ein anderer sagte zu McCain: „Sir, ich flehe sie an, machen sie Obama fertig.“ Im Publikum soll es sogar Stimme gegeben haben, die noch einen Schritt weiter gehen wollten. Und in New Mexico antworteten McCain Anhänger auf dessen Frage, wer Obama wirklich sei: "Er ist ein Terrorist!"

CNN-Analyst David Gergen will bereits einen „gefährlichen Stimmungswandel“ im Wahlkampf entdeckt haben, der auch das Leben von Obama gefährden könne. McCain, der sich sichtbar unwohl fühlt bei den radikalen Ansichten seiner Anhänger, erklärte: „Wir wollen kämpfen. Ich will kämpfen. Aber wir werden respektvoll dabei bleiben.“ Niemand, so versicherte McCain einem anderen Anhänger, müsse „Angst vor einem Präsidenten Obama haben“.

Trotz der Erklärungen von McCain und dem Aufruf Obama mit Respekt zu bekämpfen, startete sein Wahlkampf-Team eine neue Kampagne mit Anzeigen, die den Rivalen in die Nähe des einstigen Terroristen William Ayers rückte.

Ayers hatte in den 60er Jahren während des Vietnam-Krieges mehrere unblutige Bombenanschläge in den USA verübt. Obama und Ayers, er ist mittlerweile ordentlicher Professor, hatten vor sechs Jahren in Chicago zusammen in einer Hilfsorganisation für Arme gearbeitet. Die Gruppe wurde geführt von einem Republikaner. Obama hat sich immer wieder von den radikalen Ansichten und Taten von des heute 63-jährigen Ayers öffentlich distanziert.

Tuesday, October 7, 2008

Die Schlammschlacht kann beginnen

Es war nicht anders zu erwarten. Einen Monat vor den US-Präsidentschafts-Wahlen verschärfen die Republikaner den Ton. Eine Schlammschlacht mit Vorankündigung, auch wenn John McCain (Foto links) die neue Taktik freundlich mit „hinterfragen von Obamas Charakter, seiner persönlichen Geschichte und Führungsqualitäten“ umschreibt.

Tatsächlich heißt die Devise: Persönliche Angriffe auf den politischen Gegner oder „swiftboating“, wie es so schön neu-amerikanisch heißt. Gerüchte, Lügen, Halbwahrheiten – alles was dienlich ist, um Barack Obama zu schaden, ist erlaubt. Selbst das uralte Gerücht, dass Obama doch Moslem sei, wird – zwar nicht offiziell – wieder gestreut. Political Correctness war gestern, Attack ist heute.

Die Angriffe sollen dabei nur eins erreichen: Irgendetwas Schmutziges wird beim Wähler schon hängen bleiben.

Sarah Palin (Foto) hat sich bei der Diffamierungs-Kampagne selbstbewusst an die Spitze gestellt. Seit Tagen reist sie von Wahlveranstaltung zu Wahlveranstaltung und warnt vor der Gefahr des Demokraten: „Obama sehe Amerika als so mangelhaft an, dass er mit Terroristen Freundschaft schließe, die ihr eigenes Land angreifen würden“, erklärte sie mit todernster Miene.“

Der selbsternannte „Pitbull mit Lippenstift“ bezieht sich dabei auf eine Geschichte der New York Times, die am vergangenen Sonntag die Verbindung von Obama zu dem ehemaligen Terroristen Bill Ayers beleuchtete. Ayers hatte während des Vietnamkriegs mit seiner Gruppe „Weather Underground“ mehrere unblutige Bombenanschläge in den USA verübt. Obama war zum Zeitpunkt der Anschläge ein siebenjähriger Junge. Aber egal.

Angriffspunkt ist: Der heute 60-jährige ordentliche Professor Ayers arbeitete vor sechs Jahren für die gleiche Charity wie Obama in Chicago. Beide lebten im gleichen Viertel und engagierten sich für Arme. Dass die New York Times in ihrem Artikel darauf hinweist, dass es keine Beweise für eine enge politische Bindung zwischen Obama und Ayers gebe, ignoriert Sarah Palin. Auch die Tatsache, dass Obama sich immer wieder von den damaligen Zielen Ayers öffentlich distanziert hat, ist zweitrangig. Was hängen bleibt: Obama = Terrorist.

In die gleiche Kerbe schlägt auch New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani (Foto unten): Obama habe eine „sehr Ernst zunehmende links-radikale politische Erziehung“, diffamiert Giuliani Obama auf FoxNews. Obama hänge mit Ayers und seinem Pastor Wright zusammen. „Mit diesen Leuten umgibt er sich, von denen bekommt er Ratschläge, mit denen macht er Geschäfte.“ Dass das völliger Unsinn ist, interessiert nicht. Ayers und Obama haben sich seit Jahren weder gesehen, noch miteinander gesprochen. Und von Reverend Wright hat sich der 47-Jährige während der Vorwahlen öffentlich distanziert und sogar losgesagt. Doch auch das interessiert nicht. Was hängen bleibt: Obama = Terrorist.

Und damit die einfache Terroristen-Botschaft auch verbreitet wird, hat sich der konservative FoxNews TV-Sender bereits in Stellung gebracht. Wie durch Zufall lief dort am Sonntag eine Sondersendung mit dem Titel: „Obama und seine Freunde: Die Geschichte des Radikalismus.“ Darin durften Experten zu Wort kommen, die Obama als Moslem diffamierten („sein Mittelname ist doch Hussein, oder?“) und erklärten: Obama gehörte in Chicago einer Gruppe an, die „ausgebildet wurde, um die Regierung in Washington zu stürzen“.

Bisher will die Schlammschlacht jedoch noch nicht so richtig zünden. Im Gegenteil. Da die Amerikaner von den Kandidaten wissen wollen, wie sie als Präsident die Finanz- und Wirtschaftskrise bewältigen wollen, ist die Schmutzkampagne eher kontraproduktiv. Bisher zumindest, aber es ist ja noch fast ein Monat Zeit.
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