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Friday, March 13, 2009

"Shareholder-Value ist blöd"

Es ist eine späte Erkenntnis. Jack Welch (Foto), Ex-Chef von General Electric, erklärte in einem Interview mit der Financial Times, dass das Prinzip von „Shareholder-Value die blödeste Idee der Welt ist“. Es sei eine „dumme Idee“, wenn Manager kurzfristige Profite und höher Aktienkurse als vorrangiges Ziel ansehen.

Dabei war es Jack Welch selbst, der 1981 in einer Rede in New York, die „Bewegung“ vom Shareholder-Value erfand. Damals fabulierte der "Vater" dieser Unternehmer-Philosophie darüber, dass die Strategie eines Konzerns vorrangig darin liegen müsse, die Aktionäre zufrieden zu stellen.

Jack Welch, der zwei Jahrzehnte General Electric führte, hielt sich selbst an sein Prinzip und erhöhte zur Freude seiner Aktionäre den Marktwert des Konzerns von 13 auf 400 Milliarden Dollar. Mittlerweile ist das Großunternehmen in der Rezession schwer unter die Räder geraten und nur noch ein Bruchteil davon wert.

Fast 28 Jahre später hat der 73-jährige Welch (Privatvermögen: 720 Millionen Dollar) seine Meinung offenbar dramatisch geändert. Gegenüber der Financial Times sagt er jetzt: „Shareholder-Value ist ein Ergebnis, keine Strategie. Die wichtigsten Interessengruppen sind die eigenen Mitarbeiter, die eigenen Kunden und die eigenen Produkte.“ Und: Es sei falsch, wenn Manager Ergebnissteigerungen und höhere Aktienkurse als primäres Ziel festsetzen.

Thursday, March 12, 2009

Krise schon vorbei? Dow Jones steigt weiter

Darauf mussten die Börsianer lange warten. Der Dow Jones steigt. Und das schon seit drei Tagen. Am Donnerstag legte der weltweit wichtigste Aktien-Index nochmals um 240 Punkte zu und sprang mit 7170 Punkten locker über die 7000er Marke. Die Gründe: Gute Nachrichten von Banken, die wie Citigroup wieder Gewinne machen. Aber auch die amerikanischen Konsumenten verstecken ihr Geld offenbar nicht in der Matratze, sondern scheinen es lieber wieder ausgeben zu wollen.

Die Stimmung verbessert sich an Wall Street: Ein Händler freut sich über den Tagesgewinn am Donnerstag von fast 240 Punkten

Der Dow hat in den vergangenen drei Tagen 622 Punkte dazu gewonnen oder 9,5 Prozent. Es war der beste Drei-Tage-Sprung an Wall Street seit November 2008.

Bei allen guten Nachrichten: Wer glaubt, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise bereits überstanden ist, sollte sich nicht wundern, wenn er bald wieder böse an der Börse überrascht wird.

Tuesday, March 10, 2009

Die Kehrtwende an Wall Street?

Ein seltenes Bild an der in den vergangenen Wochen arg gebeutelten Wall Street: Der Dow Jones legte am Dienstag zur Freude der Händler um fast sechs Prozent zu

Endlich mal gute Nachrichten von der Wall Street. Nach wochenlanger Talfahrt durften sich die Händler auf dem Parket am Dienstag über steigende Kurse freuen. Auslöser waren Meldungen der kriselnden Citigroup, wonach das Investmenthaus in den ersten zwei Monaten des Jahres Gewinne – ja, Gewinne – gemacht haben will. Der Kurs von Citigroup stieg um fast 40 Prozent auf 1,45 Dollar.

Insgesamt legte der Dow Jones nach dieser Nachricht um fast sechs Prozent zu und endete den Handelstag nach einem Plus von 379,44 Punkten bei einem Stand von 6926,24.

Allerdings: Einige Händler warnten vor zu früher Euphorie. Die Wirtschafts- und Finanzkrise sei längst nicht überwunden und der Dow habe den „Grund“ seiner Talfahrt noch nicht erreicht. Am Dienstag interessierte das allerdings nur die wenigsten Börsianer.

Tuesday, March 3, 2009

Hoffen auf ein Wunder

Die Blicke an der Wall Street richteten sich mal wieder auf den möglichen "Retter" der US-Wirtschaft, Präsident Barack Obama (Foto). Am Tag nach dem schwarzen Montag, als der Dow Jones in New York weit unter die Widerstandslinie von 7000 Punkten fiel, hofften die Händler auf dem Parkett wohl auf ein Wunder aus Washington. Es blieb vorerst aus, auch wenn der Dow weniger verlor als einen Tag zuvor, was von vielen schon als positives Zeichen gesehen wurde.

Der Index fiel nur um 37,27 Punkte auf 6726,02. Die Börsianer an Wall Street bekamen damit zumindest eine kleine Verschnaufpause bei ihrem rasanten Dauerabstieg der vergangenen Wochen.

Präsident Obama wies unterdessen in Washington überraschend auf die niedrigen Börsenkurse hin, die für langfristige Anleger doch sehr attraktiv sein könnten. Der Commander-in-Chief als Finanzberater? Soweit wollte es dessen Sprecher Robert Gibbs dann doch nicht kommen lassen. "Ich würde", so erklärte er, "nicht zuviel dahineininterpretieren." Dabei hätte sich die gebeutelte Wall Street über die Kaufempfehlungen aus dem White House sicherlich gefreut.

Monday, March 2, 2009

Tief - Tiefer - Dow Jones!


Es gibt scheinbar kein Halten mehr. Der Dow Jones durchbricht seit Wochen jede Widerstandslinie und fällt immer weiter ins scheinbar Bodenlose. Am Montag gab es erneut einen schwarzen Tag an Wall Street. Der weltweit wichtigste Index stürzte nach den Horrormeldungen von mehr als 61 Milliarden Dollar Verlusten in einem Quartal (!!!) beim Versicherungsriesen AIG - ein Konzern, der ohnehin nicht mehr ohne Staatsgelder existieren kann - zum ersten Mal seit 1997 unter die 7000 Punkte Grenze (Foto: Die Tafel mit den Zahlen des Dow Jones am Ende des Handelstages).

Der Index der New Yorker Börse (NYSE) fiel um mehr als vier Prozent auf 6763,29 Punkte und damit mehr als deutlich unter die magische 7000er Linie. Der Dow hat damit in diesem Jahr mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Ähnlich schlimm erwischte es auch die Technologie- und einstige Zukunftsbörse Nasdaq, der fast vier Prozent verlor und bei 1322,85 Punkten Boden fand.

Der Grund für den erneuten Absturz des Dow lag diesmal beim weiterhin geringen Vertrauen der Börsiander in die Banken und vor allem in AIG. Der Riese hat in den letzten Monaten Verluste von insgesamt mehr als 100 Milliarden Dollar akkummuliert.

AIG hängt seit Monaten an der Lebensspritze der US-Regierung und musste bereits 150 Milliarden Dollar Finanzhilfen annehmen, um einen Bankrott zu vermeiden. Nach den erneut schlechten Zahlen erklärte sich die Obama-Administration bereit, nochmals 30 Milliarden Dollar nachzulegen. AIG wird zum Fass ohne Boden.

Friday, February 27, 2009

Wenn Sozialismus Rettungsplan heißt - Obama lässt Citigroup verstaatlichen

Die Banken brennen lichterloh. Jetzt muss Feuerwehrmann Obama mit der Verstaatlichung der Investmenthäuser retten, was eigentlich längst verloren ist (Cartoon: M.Wuerker)


Es ist eine Revolution. Die US-Regierung will die einst größte und mächtigste Bank der Welt, die Citigroup, teilverstaatlichen. Damit versucht die Obama-Administration mehr Kontrolle über das angeschlagene Investmenthaus zu gewinnen. Citigroup ist in eine gefährliche Schieflage geraten und steht kurz vor einem endgültigen Bankrott.

Früher nannte man solche Maßnahmen Sozialismus, heute heißt es Rettungsplan.

Nach den bisher bekannten Plänen will die Regierung für 25 Milliarden Dollar bis zu 36 Prozent der Anteile der Citigroup kaufen. Allerdings müssen auch private Investoren die Idee unterstützen. Sie sollen sich an der Rettung der Bank beteiligen.

An der Wall Street wurde die Ankündigung mit Enttäuschung aufgenommen. Die Börsianer prügelten geradezu die Citibank-Papiere noch vor Eröffnung der NYSE auf 1,56 Dollar nach unten. Am Ende des Handelstages hatten die Aktien der einstigen Großbank fast 40 Prozent an Wert verloren und landeten bei gefährlich niedrigen 1,50 Dollar.

Es ist bereits der fünfte Rettungsplan für Citigroup. Insgesamt 45 Milliarden Dollar pumpte das US-Finanzministerium in den vergangenen Monaten in den angeschlagenen Riesen. Bisher ohne Erfolg.

Tuesday, February 10, 2009

Finanzminister enttäuscht - Börse stürzt ab


Präsident Obama hatte seinen Finanzminister am Montagabend bei seiner ersten TV-Pressekonferenz schon vor dessen Auftritt am nächsten Tag gelobt. „Timothy Geithner wird fantastisch sein“, erklärte Obama vor der versammelten White House Presse dem Fernsehpublikum. „Ich will deshalb nicht zu viel verraten.“

Präsident Obama konnte sein Versprechen nicht halten - zumindest nicht für die Wall Street. Nachdem „Steuersünder“ Geithner am Dienstag seinen Rettungsplan für die Banken und Finanzinstitute vorgestellt hatte (Foto), schien der Dow Jones ins Bodenlose zu fallen. Die Börsianer hatten erhebliche Zweifel am Funktionieren des Planes und zeigten sich zusätzlich enttäuscht über die wenigen Details, die Geithner über die mittlerweile auf zwei Billionen Dollar gestiegene Unterstützung für die Finanzwelt verkündete.

Präsident Obama kommentierte den Einbruch in einem Interview mit ABC: "Wall Street erwartet einen leichten Ausweg aus der Finanzkrise. Nur, den gibt es aber nicht."

Den „schwarzen Dienstag“ an Wall Street konnte selbst das positive Abstimmungsergebnis im Senat nicht verhindern. Die Kammer hatte das 828 Milliarden Dollar schwere Stimulierungspaket der Regierung mit einer deutlichen Mehrheit von 61 zu 37 Stimmen verabschiedet. Drei Republikaner hatten dabei mit den Demokraten gestimmt.

Der Dow bekam dagegen die mangelnde Überzeugungskraft von US-Finanzminister Geithner deutlich zu spüren und schloss am Ende des Handeltages mit einem dicken Minus von 382 Punkten oder vier Prozent bei 7889 Punkten. Insbesondere Banken wie Citigroup (Minus 15,1 Prozent) und die Bank of America (Minus 19,3 Prozent) kamen dabei schwer unter die Räder. Titel, die der Rettungsplan eigentlich stützen sollte.

Sunday, February 1, 2009

Washington tobt über Wall Street

Piraten-Mentalität an der Wall Street. So skizziert der Karikaturist M.Wuerker das Denken unter den Investmentbankern

Nach dem Wutausbruch von Präsident Barack Obama über die Bonuszahlungen an Wall Street von 18,4 Milliarden Dollar, macht sich der Ärger auch bei anderen US-Politikern Luft. Am Capitol brennt die Luft, Senatoren und Abgeordnete toben über das „Alles-Meins-Denken“ der Investmenthäuser, berichtet CNN.

„Sie haben es einfach nicht kapiert“, schimpft Claire McCaskill, Senatorin aus Missouri und eine enge Vertraute von Präsident Obama, in einem Interview mit der Huffington Post. „Das sind wirklich alles Idioten. Auf welchem Planeten leben die eigentlich.“ Harte und ungewöhnliche Worte einer US-Politikerin.

McCaskills größte Befürchtung ist, dass die „Gelder aus dem Rettungspaket“ für die Banken für Bonuszahlungen benutzt worden sein könnten. „Es gibt schon seit längerem diese Gerüchte.” Obama hat seinen Finanzminister Timothy Geithner angewiesen, diesen Verdacht zu überprüfen.

New Yorks Justizminister Andrew Cuomo, zuletzt im Gespräch als Nachfolger von Hillary Clinton im Senat, kündigte ebenfalls eine Überprüfung an. Cuomo fordert in dem ganz speziellen Fall von Merrill Lynch, dass das Investmenthaus die vier Milliarden aus dem Rettungspaket zurückgibt, die sie später für die Bonuszahlungen benutzt haben könnten. Das Problem: Merrill Lynch ist mittlerweile von der Bank of America übernommen worden.

Es gibt aber auch einen Politiker, der sich für Bonuszahlungen ausgesprochen hat: Rudy Giuliani. Der Ex-Bürgermeister von New York sagt: „Die Bonusse werden versteuert und bringen damit Geld in die leeren Kassen der Stadt. Und auch die Dinge, die dafür gekauft werden, verschaffen dem Fiskus wieder Einnahmen.“ So einfach funktioniert Wirtschaft bei Giuliani. Auch er hat es einfach nicht verstanden.

Thursday, January 29, 2009

Der Skandal des Tages


18,400.000.000 US-Dollar


Diese Summe hat die Wall Street im vergangenen Jahr laut dem New Yorker Rechnungsprüfer an Bonus-Zahlungen auf die Konten ihrer Mitarbeiter überwiesen. Und das während der schlimmsten Finanzkrise seit der Großen Depression, in der die meisten Investmenthäuser nur durch massive Geldspritzen der US-Regierung am Leben gehalten werden konnten.

Insgesamt 700 Milliarden Dollar an Steuergeldern hatte die Bush-Regierung für die maroden Finanzhäuser bereitgestellt. Es besteht der Verdacht, dass davon möglicherweise auch Bonusse gezahlt worden sind. Der neue Finanzminister Timothy Geithner kündigte eine genaue Überprüfung an.

Präsident Barack Obama zeigte sich über die Milliarden Dollar Bonuszahlungen entsetzt und nannte die Praktiken an der Wall Street "skandalös". "Das ist der Höhepunkt der Verantwortungslosigkeit", schimpfte der 47-Jährige. "Das ist eine Schande." Deutliche Worte eines sichtlich verärgerten White House Chef.

Die 18,4 Milliarden Dollar sind übrigens das sechstbeste Jahr für die Banker an der Wall Street. Natürlich nur bezogen auf die Bonuszahlungen.

Wednesday, December 31, 2008

Das Wirtschafts-Fazit von 2008

Die Zeiten an der Wall Street haben sich geändert. Immer weniger Staat in den 80er und 90er Jahren folgen jetzt die Hilferufe einer scheinbar zu Tode deregulierten und ertrinkenden Wall Street. So zumindest sieht der Karikaturist RJ Matson den Wandel in der amerikanischen Finanzwelt.
Auch der Cartoonist Bob Englehart hat ein völlig neues Bild von der einst "erzkapitalistischen Wall Street". Durch die Beteiligungen der Regierung infolge der Milliarden schweren Rettungspakte hat sich für Englehart das Finanzzentrum der Welt eher in ein neues Ministerium der Regierung verwandelt. Früher nannte man das "Verstaatlichung", heute heißt es "Rettungsplan". Und das unter einer Administration, die rein ideologisch immer weniger Staat versprechen müsste.

Monday, November 24, 2008

Ein Dream-Team für einen Albtraum

Barack Obama bei der Vorstellung seines Wirtschafts-Teams: Timothy Geithner, Christina Romer, Lawrence Summer, Melody Barnes (v.l.). Ganz rechts Joe Biden

Mit einem gigantischen Stimulierungs-Programm will der künftige US-Präsident Barack Obama die kriselnde US-Wirtschaft aus der Rezession holen. Mehr als 2,5 Millionen Arbeitsplätze sollen dadurch gerettet oder neu geschaffen werden. Die marode Infrastruktur (Straßen, Tunnel, Brücken) des Landes soll ein Motor für die stotternde Wirtschaft-Entwicklung werden. Der andere Antreiber wird eine neue Energie- und Umweltpolitik der Regierung, die nicht nur das Global Warming stoppen will, sondern im Land Hunderttausende von neuen Jobs schaffen soll.

Die Kosten dieser gigantischen Ausgabenpolitik kann selbst Obama noch nicht beziffern. Experten rechnen mit einem Volumen von 700 Milliarden Dollar bis einer Billion Dollar! Zum Amtsantritt am 20. Januar 2009 will Obama das Paket bereits als Gesetz verabschieden.

Es ist ein ehrgeiziges Programm, allerdings ohne Erfolgs-Garantie. Aber es gibt vielen in Amerika Hoffnung. Obama und sein Team wollen handeln und nicht tatenlos zusehen wie das Land möglicherweise im kommenden Jahr noch einmal eine Million Arbeitsplätze (so die Befürchtung von Obama) verliert und ganze Industrien wie zum Beispiel die drei großen Auto-Firmen bankrott gehen.

Für die Umsetzung des Programms hat Obama vier Finanz- und Wirtschaftsexperten in sein Ökonomie-Team berufen. Wer sind die neuen Stars? Für viele sind es die New York Yankees oder aus deutscher Sicht das Bayern München der Branche. Die besten der Besten. Ein Dream-Team. Doch kann das Berater-Gremium der Stars auch zusammen die Meisterschaft gewinnen?

Timothy Geithner (Foto, r.): Amerikas neuer Finanzminister. Der 47-Jährige ist das Hirn der New Yorker Notenbank. Er gilt als intelligent, als ein brillanter Analyst, schnell lernfähig aber auch manchmal sehr rau in seinen Umgangsformen. Er benutzt auch schon mal das in den USA verbotene F...-Word.

Vor allem Geithners Sachverstand und sein Alter haben Barack Obama von seinem obersten Buchhalter überzeugt. Und: Geithner braucht keine Einarbeitungszeit. Er arbeitet schon jetzt eng mit der Bush-Regierung, vor allem mit Finanzminister Henry Paulson und Notenbank-Chef Ben Bernanke (er dürfte im Amt bleiben), an der Lösung der schlimmsten Finanzkrise seit der großen Depression zusammen.

Lawrence Summers (Foto): Der neue Direktor des einflussreichen Nationalen Wirtschaftsrates. Summers diente schon in der Bill Clinton Regierung als Finanzminister. Der fast 54-Jährige (30. November) gilt als einer der klügsten Wirtschaftsköpfe des Landes.

Der einstige Chef der Eliteuniversität Harvard hat manchmal aber sein Temperament nicht unter Kontrolle und ist vor allem gegenüber Frauen schon häufig ausfällig geworden. Lawrence hat öffentlich an den wissenschaftlichen Fähigkeiten des weiblichen Geschlechts gezweifelt. Ein Grund, warum er nicht ganz an die Spitze des Obama-Kabinetts gekommen ist.

Christina Romer (Foto r.): Chefberaterin Finanzen im White House. Die Professorin für Ökonomie der Elite-Universität Berkeley gilt als eine der besten Kenner der US-Wirtschaft. Die 49-Jährige ist die Expertin für die Gründe der Großen Depression und vor allem wie das Land aus der schlimmsten Krise des Landes wieder herausgekommen ist. Die Lexikon-Erklärung von Great Depression in der Encyclopedia Britannica hat sie zumindest in Teilen, wenn nicht sogar komplett verfasst.

Zusammen mit ihrem Mann David ist Romer Mitglied des National Bureau of Economic Research, das offiziell darüber entscheidet, wann eine Rezession begonnen und wann sie beendet ist. Sie weiß also wovon sie spricht, wenn es um die Wirtschafts-Probleme des Landes geht.

Melody Barnes (Foto): Direktorin des Nationalen Politikrates im White House. Der Ex-Chief-Counsel von Senator Ted Kennedy galt schon während des Wahlkampfes als eine der wichtigsten Beraterinnen Obamas und sitzt jetzt auch in seinem Transition-Team. Die 44-Jährige ist eigentlich Juristin und war Vize-Präsidentin eines einflussreichen Think Tanks, dem Center for American Progress. Der Chef dort ist John Podesta, Stabschef unter Bill Clinton und heute Chef des Transition Teams von Barack Obama.

Die Wall Street schien das Star-Ensemble zumindest positiv zu sehen. Der Dow Jones gewann fast 400 Punkte und kletterte am Montag um 4,9 Prozent auf 8444,39 Punkte. Der Index erzielte damit den größten Zuwachs in zwei Tagen seit 1987.

Thursday, October 9, 2008

Groundhog Day an Wall Street

Im freien Fall und scheinbar unaufhaltsam: Der Verlauf des Dow Jones Index am Donnerstag

Und täglich grüßt das Murmeltier. Ganz nach dem Motto des bekannten Films “Groundhog Day” scheint auch die New Yorker Stock Exchange (NYSE) jeden Nachmittag kurz vor Börsenschluss noch schnell eine bittere Verkaufs-Rallye zu fahren.

Auch am Donnerstag erwischte es die Händler auf dem Parkett mal wieder eiskalt. Nachdem der Dow Jones Index die Marke von 9000 Punkten nach unten durchbrochen hatte, gab es kein halten mehr. Es herrschte Panik an der NYSE.

Zum Schluss verlor der Index erneut 675 Punkte oder mehr als sieben Prozent und landete mit 8579,19 unsanft in der Realität der US-Finanzkrise. Es ist der tiefste Stand seit 2003 und mit sieben Verlusttagen infolge die längste Abwärtsbewegung seit 1996.

Beschleunigt wurde der Absturz durch die Meldung einer möglichen Abwertung des Ratings von US-Autobauer General Motors. Die Aktie von GM verlor daraufhin 31 Prozent und endete bei bedenklichen 4,71 Dollar. Ford wurde von dem Absatztrend gleich mitgerissen, büßte 22 Prozent an Wert ein und lag am Ende des Börsentages nur noch bei sehr schwachen 2,08 Dollar.

Dem Nasdaq ging es nicht besser. Im Zuge der Flaute an der NYSE geriet auch der einst als Future-Index gelobte Nasdaq mächtig unter die Räder. Er verlor 5,47 Prozent und beendete den Tag mit 1645,12 Punkten.

Und morgen? Groundhog Day again?

Thursday, October 2, 2008

700.000.000.000

Es war ein mühsames Gezerre: Demokraten gegen Republikaner, beide gegen den Präsidenten und konservative Republikaner gegen Republikaner der Mitte. Eigentlich: Jeder gegen Jeden. Doch nach einigen Zugeständnissen an die Gegner und einem tagelangen Rollercoaster an der Wall Street hat es im zweiten Anlauf dann endlich geklappt: Die Verabschiedung des 700 Milliarden Dollar Rettungspakets für die taumelnden und eigentlich bankrotten Finanz- und Investmenthäuser der Wall Street.

Am Mittwochabend stimmte der Senat nach langen Diskussionen widerwillig für den Vorschlag und machte so den Weg frei für die Verabschiedung des Rettungspaketes zwei Tage später am Freitag. Zum Schluss waren es vor allem die konservativen Republikaner, Verfechter der reinen Lehre des Freien Marktes, die sich vehement gegen das Rettungspakt für die gescheiterten Investmenthäuser gesträubt hatten. Letztendlich blieb aber auch den Kritikern unter den Senatoren nichts anderes übrig als zuzustimmen. Ein weiteres Scheitern hätte die Börsen weltweit in ein noch größeres Chaos gestürzt als nach dem ersten Abstimmungspatzer im Repräsentantenhaus. Am Dienstag hatte der mit einem Minus von mehr als 777 Punkten an der NYSE zum größten Verlust in der Geschichte der Wall Street geführt. Werte von mehr als 1,2 Billionen Dollar hatten die Börsianer an diesem Tag verbrannt.

Doch was sind eigentlich 700 Milliarden Dollar? Eine Zahl mit elf Nullen. Ein Wert, den sich niemand so richtig vorstellen kann. Ein paar Beispiele: Ein 700 Milliarden Budget würden einen Staat zum 17. größten Land aufsteigen lassen – was etwa der Niederlande entsprechen würde. 700 Milliarden auf jeden einzelnen US-Bürger verteilt, würde jeden um etwa 2300 Dollar reicher machen. Jeder Autofahrer des Landes könnte 16 Monate lang kostenlos tanken, wenn die 700 Milliarden auf alle verteilt werden würden. Und die Regierung könnte mit 700 Milliarden das komplette Jahresbudget der Ministerien Verteidigung, Finanzen, Erziehung, das Außen- und das Innenressort sowie die Veteranen des Landes zusammen finanzieren.

Eines allerdings würden auch 700 Milliarden Dollar nicht schaffen. Den Abbau des Schuldenberges der USA. Nur bescheidene sieben Prozent könnte die Regierung von den insgesamt fast zehn Billionen Dollar tilgen!!!! Ein Schuldenberg, der durch den 700 Milliarden Dollar Rettungsplan weiter steigen wird.

Monday, September 29, 2008

Panik an der Wall Street

Finanzkrise: Der Dow Jones liegt jetzt niedriger als beim Amtsantritt von George W. Bush

Es war einer der schwärzesten Tage in der Geschichte der Wall Street. Mehr als 777 Punkte verlor der Dow Jones Index am Montag, nachdem der US-Kongress das am Wochenende mühsam zusammengestellte 700 Milliarden Dollar Rettungpaket platzen ließ. Das Land erscheint führungslos. Zumindest für die Börsianer. Die gerieten auf dem Parkett der NYSE in Panik und "verbrannten" an einem Tag Werte von mehr als 1,2 Billionen Dollar.

Es war aber auch ein schwarzer Tag in der Wirtschaftspolitk der Regierung von George W. Bush. Der Präsident scheint gescheitert. Indiz: Der Dow schloss mit 10.365,45 Punkten tiefer als am Tag seiner Vereidigung. Damals, am 19. Januar 2001, lag der weltweit wichtigste Börsenindex noch bei 10.587,59 Punkten.

Mächtig zur Sache ging es aber auch am Nasdaq. Der Index geriet schwer unter die Räder, verlor mit 199 Punkten neun Prozent und schloss mit 1983,73 Punkten genauso wie die NYSE unter dem Einstandskurs von George W. Bush. Der hatte am 19. Januar 2001 mit einem Nasdaq von satten 27770,38 Punkten begonnen.

Wednesday, September 24, 2008

John McCain will "Time-out"

Genialer Schachzug oder schwerer wahlpolitischer Fehler? Präsidentschafts-Kandidat John McCain hat wegen der anhaltenden Finanzkrise in den USA überraschend seinen Wahlkampf unterbrochen und eine Verschiebung der TV-Debatte mit seinem Kontrahenten Barack Obama gefordert. McCain will nach eigenen Angaben lieber in Washington bei der Rettung des amerikanischen Finanzsystems helfen. Die Bush-Regierung will 700 Milliarden Dollar dafür ausgeben. Im Kongress gibt es gegen diesen Plan nicht nur von Seiten der Demokraten Proteste. Auch Republikaner halten den Freikauf gescheiterter Banker für unangemessen.

John McCain als Retter in der Not? Oder „Country First“ wie der 72-Jährige seinen Wahlkampf überschrieben hat. Wohl kaum. Barack Obama zumindest blieb erst einmal gelassen. Er besteht auf das erste Kandidaten-Duell am Freitag in Oxford, Mississippi. Und auch seinen Wahlkampf will er nicht unterbrechen.

Auf den ersten Blick scheint das geforderte „Time out“ von McCain nur folgerichtig. Der Untergang der Banken an Wall Street zieht auch den Republikaner mit in den Abgrund. Die US-Wähler trauen Obama bei der Bewältigung der schwersten Finanzkrise seit der Depression mehr zu. Neueste Umfragen der Washington Post/ABC sehen Obama deutlich mit neun Punkten in Front (52 zu 43 Prozent). McCain musste also etwas tun, um wieder Punkte zu sammeln. Ob ihm das mit seiner dramatischen Entscheidung gelingt, bleibt fraglich. Auf den ersten Blick ist der Schritt nur ein einfach zu durchschauender Wahlkampf-Trick.

Dass es nur ein wahltaktisches Manöver ist, verdeutlicht auch die Entstehungsgeschichte von McCains Entscheidung. Barack Obama hatte am Mittwoch selbst die Initiative ergriffen und seinen republikanischen Gegner um 8:30 am Morgen angerufen. Er schlug ihm vor, eine gemeinsame Erklärung zur Finanzkrise herauszugeben.

Sechs Stunden brauchte McCain, um darauf zu antworten und um letztendlich auf den Vorschlag einzugehen. Kurze Zeit später jedoch trat McCain erst einmal allein vor die Presse, um eine Unterbrechung seiner Kampagne anzukündigen und eine Verschiebung der Debatte zu fordern. Damit brachte er sich selbst wieder in die Offensive und Obama in Zugzwang.
Das gemeinsame Statement von Obama und McCain brauchte dann noch einmal fast sechs Stunden und wurde am Ende mehr als 12 Stunden nach dem Anruf von Obama in Form eines Stückes Papier an die Agenturen gegeben.
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