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Wednesday, December 31, 2008

Die "Experten"- Irrtümer des Jahres 2008

Alle Jahre wieder outen sich hochbezahlte Experten mit ihren Vorhersagen des vergangenen Jahres als unwissende Quatscher. Das US-Magazin „Foreign Policy“ (Foto: Cover) hat jetzt die größten Irrtümer der "Fachleute" von 2008 aufgelistet. Die wichtigsten:

- Hillary Clinton wird US-Präsidentin. Knapp daneben ist auch daneben.

- New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg will Präsident werden und steigt im Februar in den Wahlkampf ein. Nö, auch nicht richtig.

- Die US-Bank Bear Sterns ist eine sichere Bank und eine hervorragende Geldanlage. Tja, die sichere Bank ist pleite.

- Das Investmenthaus Lehman Brothers ist so sicher wie die Bank von England. Wirklich? Das wissen wir heute besser.

- Das Bankensystem ist stabil. Die Aussage von US-Finanzminister Henry Paulson kostete ihn ein 700 Milliarden Dollar Rettungspaket.

- Eine Rezession wird es 2008 nicht geben. Und schon gar nicht die schlimmste seit der großen Depression. Schön wär’s ja.

- Der Ölpreis pro Barrel könnte in diesem Jahr bis auf 200 Dollar steigen. Gut für die Autofahrer, dass das nicht eingetreten ist. Das Öl kostet heute um die 40 Dollar und könnte bis auf 25 Dollar fallen.

- Die Öltanker vor der Küste vor Somalia sind vor Piraten sicher. Wieder daneben. Am 15. November entführten Piraten einen dieser ach so sicheren Tanker.

Man darf gespannt sein, welche falschen Prognosen die "Experten" für das kommende Jahr vorhersagen.

Monday, November 24, 2008

Ein Dream-Team für einen Albtraum

Barack Obama bei der Vorstellung seines Wirtschafts-Teams: Timothy Geithner, Christina Romer, Lawrence Summer, Melody Barnes (v.l.). Ganz rechts Joe Biden

Mit einem gigantischen Stimulierungs-Programm will der künftige US-Präsident Barack Obama die kriselnde US-Wirtschaft aus der Rezession holen. Mehr als 2,5 Millionen Arbeitsplätze sollen dadurch gerettet oder neu geschaffen werden. Die marode Infrastruktur (Straßen, Tunnel, Brücken) des Landes soll ein Motor für die stotternde Wirtschaft-Entwicklung werden. Der andere Antreiber wird eine neue Energie- und Umweltpolitik der Regierung, die nicht nur das Global Warming stoppen will, sondern im Land Hunderttausende von neuen Jobs schaffen soll.

Die Kosten dieser gigantischen Ausgabenpolitik kann selbst Obama noch nicht beziffern. Experten rechnen mit einem Volumen von 700 Milliarden Dollar bis einer Billion Dollar! Zum Amtsantritt am 20. Januar 2009 will Obama das Paket bereits als Gesetz verabschieden.

Es ist ein ehrgeiziges Programm, allerdings ohne Erfolgs-Garantie. Aber es gibt vielen in Amerika Hoffnung. Obama und sein Team wollen handeln und nicht tatenlos zusehen wie das Land möglicherweise im kommenden Jahr noch einmal eine Million Arbeitsplätze (so die Befürchtung von Obama) verliert und ganze Industrien wie zum Beispiel die drei großen Auto-Firmen bankrott gehen.

Für die Umsetzung des Programms hat Obama vier Finanz- und Wirtschaftsexperten in sein Ökonomie-Team berufen. Wer sind die neuen Stars? Für viele sind es die New York Yankees oder aus deutscher Sicht das Bayern München der Branche. Die besten der Besten. Ein Dream-Team. Doch kann das Berater-Gremium der Stars auch zusammen die Meisterschaft gewinnen?

Timothy Geithner (Foto, r.): Amerikas neuer Finanzminister. Der 47-Jährige ist das Hirn der New Yorker Notenbank. Er gilt als intelligent, als ein brillanter Analyst, schnell lernfähig aber auch manchmal sehr rau in seinen Umgangsformen. Er benutzt auch schon mal das in den USA verbotene F...-Word.

Vor allem Geithners Sachverstand und sein Alter haben Barack Obama von seinem obersten Buchhalter überzeugt. Und: Geithner braucht keine Einarbeitungszeit. Er arbeitet schon jetzt eng mit der Bush-Regierung, vor allem mit Finanzminister Henry Paulson und Notenbank-Chef Ben Bernanke (er dürfte im Amt bleiben), an der Lösung der schlimmsten Finanzkrise seit der großen Depression zusammen.

Lawrence Summers (Foto): Der neue Direktor des einflussreichen Nationalen Wirtschaftsrates. Summers diente schon in der Bill Clinton Regierung als Finanzminister. Der fast 54-Jährige (30. November) gilt als einer der klügsten Wirtschaftsköpfe des Landes.

Der einstige Chef der Eliteuniversität Harvard hat manchmal aber sein Temperament nicht unter Kontrolle und ist vor allem gegenüber Frauen schon häufig ausfällig geworden. Lawrence hat öffentlich an den wissenschaftlichen Fähigkeiten des weiblichen Geschlechts gezweifelt. Ein Grund, warum er nicht ganz an die Spitze des Obama-Kabinetts gekommen ist.

Christina Romer (Foto r.): Chefberaterin Finanzen im White House. Die Professorin für Ökonomie der Elite-Universität Berkeley gilt als eine der besten Kenner der US-Wirtschaft. Die 49-Jährige ist die Expertin für die Gründe der Großen Depression und vor allem wie das Land aus der schlimmsten Krise des Landes wieder herausgekommen ist. Die Lexikon-Erklärung von Great Depression in der Encyclopedia Britannica hat sie zumindest in Teilen, wenn nicht sogar komplett verfasst.

Zusammen mit ihrem Mann David ist Romer Mitglied des National Bureau of Economic Research, das offiziell darüber entscheidet, wann eine Rezession begonnen und wann sie beendet ist. Sie weiß also wovon sie spricht, wenn es um die Wirtschafts-Probleme des Landes geht.

Melody Barnes (Foto): Direktorin des Nationalen Politikrates im White House. Der Ex-Chief-Counsel von Senator Ted Kennedy galt schon während des Wahlkampfes als eine der wichtigsten Beraterinnen Obamas und sitzt jetzt auch in seinem Transition-Team. Die 44-Jährige ist eigentlich Juristin und war Vize-Präsidentin eines einflussreichen Think Tanks, dem Center for American Progress. Der Chef dort ist John Podesta, Stabschef unter Bill Clinton und heute Chef des Transition Teams von Barack Obama.

Die Wall Street schien das Star-Ensemble zumindest positiv zu sehen. Der Dow Jones gewann fast 400 Punkte und kletterte am Montag um 4,9 Prozent auf 8444,39 Punkte. Der Index erzielte damit den größten Zuwachs in zwei Tagen seit 1987.

Sunday, November 23, 2008

Das Zitat des Tages


"Henry Paulson
ist der schlechteste US-Finanzminister der Moderne"
(Steve Forbes, Ex-Präsidentschafts-Kandidat (1996 und 2000) und heute CEO des Forbes Magazine in einem Interview mit CNN über den amtierenden US-Finanzminister Henry Paulson. Der Treasury-Chef wurde bisher als der große Retter des amerikanischen Finanzsystems gefeiert. Der 61-Jährige Milliardär Forbes kritisierte Paulson vor allem wegen seines Versagens in der Immobilienkrise, die erst die Banken- und die Wirtschaftskrise ausgelöst habe.

Der Republikaner
Forbes ist nicht der erste, der am Denkmal von Paulson kratzt. Bill Clintons Arbeitsminister Robert Reich äußerte große Zweifel, ob "Paulson überhaupt die Fähigkeiten besitze, die Wirtschaft herumzureißen". Paulson hatte diese Woche erneut seine mittlerweile nicht mehr unumstrittene Arbeit in einer Rede verteidigt: "Die aktive Antwort der Regierung auf die schwierige Wirtschafts-Situation hat eine noch viel schlimmere Finanzkrise verhindert.")

Tuesday, October 14, 2008

Revolution in Washington: Bush-Regierung verstaatlicht Amerikas Top-Banken

Regierungsbeteiligung: Amerikas Top-Banken werden vorrübergehend verstaatlichst

Die Anhänger der freien Marktwirtschaft müssen gestern vor Wut und Empörung rote Pickel bekommen haben: Die Bush-Regierung kauft sich mit 250 Milliarden Dollar Steuergeldern in insgesamt neun Banken ein und verstaatlichst damit vorrübergehend Amerikas Top-Geldinstitute. Große Teile der Republikaner wehrten sich lange gegen die Maßnahme. Für sie ist der Eingriff des Staates in das Finanzsystem so, als ob Karl Marx plötzlich die freie Marktwirtschaft ausrufen würde. Beides passt nicht zusammen.

Und selbst Finanzminister Henry Paulson, einst selbst ein Goldman Sachs Investmentbanker und überzeugter Anhänger einer Freien Marktwirtschaft, musste eingestehen, dass er kein großer Fan seines eigenen Planes sei.

„Dies entspricht nicht den Wirtschafts-Vorstellungen dieser Regierung“, erklärte Paulson. Er habe nur zugestimmt, um das „Vertrauen in das US-Finanzsystem wieder herzustellen“.

Paulson erklärte, dass sich die Regierung über Aktien in die Banken einkaufen werde. Die Finanzhäuser sollen später dann die Anteilsscheine wieder zurückkaufen. Betroffen von der Teilverstaatlichung sind die sechs Top-Geldinstitute Citigroup, Bank of Amerika, J.P. Morgan Chase, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Merrill Lynch.

Thursday, September 18, 2008

Finanzkrise: Wo ist George W.?

"Es ist die größte Wirtschafts- und Finanzkrise zu meinen Lebenszeiten“. Alan Greenspan, mittlerweile 82-jähriger Ex-Notenbank-Chef der USA und von allen Seiten respektierter Wirtschaftsweise des Landes, brachte die aktuelle Wall Street Krise auf den Punkt.

Doch nicht alle scheinen das zu erkennen. John McCain bleibt stur dabei: "Die Fundamente unserer Wirtschaft sind stabil" und meint damit die Arbeiter und Angestellten. Doch wenn die durch die Wall Street Krise ihren Job verlieren - wofür die meisten nichts können - wackeln auch die Fundamente. Wo ist dann die Stabilität?

Und was macht eigentlich Präsident George W. Bush? Eine Frage, die sich auch die US-Medien seit Tagen stellen. Eine nichtssagenden Ansprache, ein gemeimsamer Auftritt mit Notenbank-Chef Ben Bernanke und Finanzminister Henry Paulson. Das wars. Ansonsten taucht "W" lieber unter und überlässt die Arbeit anderen.
Retter in schwerer Not ist der 62-jährige ehemalige Investmentbanker Paulson (Foto r.), der seine Sache sehr gut zu machen scheint. Schon jubeln die US-Medien: „In Henry wie traust“, angelehnt an den Spruch „In God we trust“ auf den US-Dollar-Noten.

Präsident Bush allerdings erlebt seine zweite Katrina-Katastrophe. Nach seinem Versagen beim Hurrikan in New Orleans und entlang der Golfküste im Jahr 2005, schlittert der 62-Jährige in ein weiteres politisches Desaster in seiner zu Ende gehenden achtjährigen Amtszeit. Und die Medien lästern.

„Bush taucht nach Tagen der Finanz-Krise wieder auf“, jubelt zynisch die New York Times am Freitag über den seit Tagen in Deckung gegangenen Präsidenten. „Mr Bush ist in seiner eigenen Regierung zum Nebendarsteller geworden.“

„Bush ist desertiert“, urteilt Politico.com und fragt hämisch: „Erinnern sie sich noch an ihn, W, der 43. Präsident. Er wurde vor Jahren zum zweiten Mal ins White House gewählt. Nur, wo war er zuletzt? Wo war er während der größten Finanzkrise seit den Tagen der großen Depression? Abwesend, aber ohne Erlaubnis.“

Und die Washington Post lästert: „Es war eine Woche, in der Bush mit Abwesenheit glänzte.“
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