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Thursday, October 16, 2008

Cowboy John McCain mit Punktsieg

Wie ihn die Daily News vor der Debatte sah: Cowboy John McCain mit seinem "letzten Schuss"

Es war eine Attacke mit Ankündigung. John McCain, aggressiv, fast schon wütend und in den ersten 30 Minuten auch überzeugend, hat bei der dritten und letzten TV-Debatte mit seinem Rivalen Barack Obama einen wichtigen Punktsieg errungen. Das Duell an der Universität Hofstra in Hempstead, New York, war eine seiner letzten Gelegenheiten, einen scheinbar aussichtslosen Kampf vielleicht doch noch zu drehen. Cowboy McCain ergriff die Chance, ohne jedoch eine Wende damit zu erzwingen.

Denn ob der 72-jährige Republikaner damit auch seinen Rückstand in den Umfragen von bis zu 14 Prozent aufholen oder zumindest verkürzen konnte, bleibt mehr als fraglich. McCain vertrat konsequent die Philosophie der Republikaner: Weniger Staat, weniger Ausgaben, weniger Steuern. Um die Wahlen am 4. November doch noch zu drehen, muss er vor allem die Parteiunabhängigen gewinnen. Dass er das geschafft hat, darf zumindest bezweifelt werden.

Obama dagegen konnte trotz seines souveränen und manchmal schon präsidentialen Auftrittes den Debatten-Abend nicht nutzen, seinen scheinbar sicheren Sieg ins Ziel zu bringen. Im Gegenteil: Zu Beginn des Duells verlor der 47-Jährige sogar einige Punkte. Erst am Ende konnte er bei Themen wie Bildung und Gesundheitswesen wieder aufholen und zumindest nach einer Blitzumfrage von CNN letztendlich doch noch deutlich mit 58 zu 31 Prozent gewinnen. Die TV-Kommentatoren sahen das allerdings kritischer.

„Obama hatte nicht seinen besten Abend“, musste selbst dessen Anhänger und CNN-Analyst Paul Begala eingestehen. „Die ersten 30 Minuten“, so der Ex-Berater von Präsident Bill Clinton, „hat McCain klar für sich entscheiden können.“ Erst als der sichtbar wütende Republikaner persönlich wurde, habe er verloren.


Barack Obama und John McCain bei der 3. TV-Debatte in Hempstead, New York

Geholfen hatte McCain am Anfang vor allem die Geschichte von „Joe dem Klempner“ (eigentlich Joe Wurzelbacher), ein Arbeiter aus Ohio, der seine eigene Firma aufmachen will. Der hatte Obama auf einer Wahlveranstaltung offenbar gefragt, warum er als Unternehmen unter dessen Präsidentschaft mehr Steuern zahlen müsse. Obama soll geantwortet haben, das der Wohlstand besser verteilt werde müsse. McCain sprach in der Debatte „Joe the Plumber“ direkt an und erklärte, unter seiner Führung müsse er nicht mehr Steuern zahlen.

„McCain war aggressiv, immer in der Offensive“, bilanzierte auch William Bennett, Partei-Stratege der Republikaner. „Obama war flach, ohne Schwung und häufig in der Verteidigung.“

McCain hatte eindeutig den besseren Start und beherrschte die ersten 30 Minuten“, wollte auch CNN-Kommentator David Gergen, einst Präsidentenberater von Richard Nixon, Ronald Reagan und Bill Clinton, erkannt haben. „Erst zum Schluss konnte Obama aufholen.“

„McCain hat die Debatte eindeutig gewonnen“, erklärte der Republikaner Alex Castellano. „Er hat selbst bei Fragen zur Wirtschaft Punkte sammeln können.“

Und Hilary Rosen, eine Obama-Anhängerin, musste eingestehen: „McCain war am Anfang im Vorteil. Nur bei den persönlichen Angriffen, hat er Punkte verloren. Insgesamt jedoch hatte McCain heute Abend seinen besten Auftritt.“

Einig waren sich alle Analysten, dass die Debatte mit Abstand die beste der drei Duelle zwischen den beiden war. Und auch dass McCain die beste Szene des Abends hatte, daran gab es kaum einen Zweifel:

Auf die ständige Kritik Obamas, er, McCain würde eine dritte Amtszeit von Präsident Bush bedeuten, platzte McCain wütend und aggressiv der Kragen: „Senator Obama, ich bin nicht Präsident Bush. Und wenn sie gegen George W. Bush antreten wollen, dann hätten sie es vor vier Jahren machen sollen.“ Ein Schlag der saß und Obama sichtlich aus dem Konzept brachte.

Tuesday, October 7, 2008

Obama gewinnt auch zweites TV-Duell

Barack Obama und John McCain während des 2. TV-Duells in Nashville, Tennessee
Es hatte sich schon in den vergangenen Tagen abgezeichnet: Der Ton zwischen den beiden Präsidentschafts-Kandidaten Barack Obama und John McCain wird aggressiver. Die zweite TV-Debatte am Dienstagabend in der Belmont University in Nashville, Tennessee, bestätigte diesen Trend. Vor allem McCain versuchte immer wieder mit direkten Angriffen verlorenen Boden wieder gut zu machen. Allerdings ohne Erfolg. Der Gewinner des Duells stand schnell fest: Barack Obama.

Nach einer Blitzumfrage von CNN erklärten 54 Prozent der Zuschauer Obama zum Sieger, nur 30 Prozent waren der Meinung, dass McCain besser war. Für die Anhänger des Republikanern eine herbe Enttäuschung. Nicht ganz so deutlich aber mit einem Gewinner Obama fiel auch die Umfrage bei CBS aus: 39 Prozent sahen den Demokraten vorn, 27 Prozent McCain. Der Rest von 34 Prozent erklärte, die Debatte sei "unentschieden" ausgegangen.

Härter, aggressiver aber fair, konstatierten die TV-Analysten später über das etwas länger als 90 Minuten dauernde Duell, bei dem es vor allem um die Wirtschafts- und Finanzkrise aber auch um Außen- und Sicherheitspolitik ging. Moderator Tom Brokaw, der die beiden Kandidaten immer wieder an ihr Zeitlimit von zwei Minuten erinnern musste, konnte nur zwölf Fragen der insgesamt sechs Millionen via Internet eingegangenen Fragen stellen.

Das Ambiente eines Townhall-Meetings hätte dabei eigentlich John McCain favorisieren sollen. Dem 72-Jährigen liegen keine Stehpulte, er muss sich bewegen, um einen direkteren Draht zu den Wählern zu bekommen und um Obama angreifen zu können. Nutzen konnte er diesen Vorteil allerdings nicht. Hinterher waren sich die meisten Kommentatoren einig, dass Obama das TV-Duell letztendlich gewonnen hatte. McCain trauten selbst seine Parteianhänger nur ein Unentschieden zu. Zu wenig für den „Maverick“.

Die Scorecard der CNN-Analysten: Paul Begala, Alex Castellano, John King (o.v.l.), Gloria Borger, David Gergen, Jeffrey Toobin (u.v.l.)

„McCain musste gewinnen, um Obama aufhalten zu können“, bilanzierte Alex Castellano, republikanischer Wahlstratege enttäuscht. „Das ist ihm heute Abend nicht gelungen.“ Auch sein Kollege William Bennett erklärte auf CNN: „Das war nicht genug für McCain. Er musste unbedingt gewinnen, doch er hat es nicht geschafft.“

Begeisterung dagegen bei den Demokraten unter den TV-Analysten. „Obama ist der eindeutige Sieger“, erklärte James Carville, Ex-Berater von Bill Clinton. Sein Kollege Paul Begala bestätigte: „Obama war in fast allen Punkten McCain überlegen. McCain konnte seinen Vorteil eines Townhall-Meetings nicht nutzen.“

Saturday, August 30, 2008

"Ist McCain total verrückt geworden?"

Am Tag nach der „Schocknachricht“ (CNN) sind die Reaktionen auf John McCains Ernennung von Alaskas Gouverneurin Sarah Palin zu seiner Vize-Kandidatin gespalten. Während die konservative, religiöse Basis der Republikaner jubelt („brillant, begeisternd, großartig, fantastisch“) ist der Rest des Landes geschockt. „Ist McCain total verrückt geworden“, schimpfte Paul Begala, ein früherer Berater von Präsident Bill Clinton. Diese Entscheidung sei „schockierend verantwortungslos“ und das „sage er nicht als Demokrat, sondern als Amerikaner“.

Ähnlich kritisch reagierte auch Präsidentenberater David Gergen (u.a. Nixon, Reagan, Clinton). Er zweifelte an „McCains Urteilsvermögen“. Das wichtigste Kriterium für einen Vize-Kandidaten sei, dass „er im Notfall Präsident sein kann“. McCain sei immerhin schon 72 Jahre alt und habe schon vier Krebsoperationen hinter sich. Gergen: „Sarah Palin verfügt für den härtesten Job der Welt über nahezu Zero Erfahrung.“ Hillary Clinton Wahlkampf-Managerin Debbie Wasserman stellte klar: „Sarah Palin ist keine Hillary Clinton.“

Andere Kritiker schimpften, dass McCain einen Kandidaten aus einem Staat ausgesucht habe, der über „mehr Rentiere verfügt als Menschen“. Sie sei eine Ex-Bürgermeisterin eines 8000 Seelen-Dorfes mit Null Erfahrung in Sicherheits- und Außenpolitik „Ein sehr komisches Paar titelte die Daily News und selbst die konservative New York Post brachte nur ein fast sprachloses „Wow“ heraus, um dann kopfschüttelnd weiterzuschreiben: „Sie jagt, sie fischt und ist McCains Vize.“

In einer Blitzumfrage erklärten 25 Prozent der Befragten, dass sie überhaupt nur ihren Namen kennen. In Alaska ist das allerdings anders. Dort ist sie eine der beliebtesten Gouverneure aller Zeiten. Zwischen 65 und 80 Prozent sagen, dass sie mit ihrer Arbeit sehr zufrieden sind. „Sie ist die Heilige Sarah hier“, bilanziert die Umfrage.

Friday, August 29, 2008

Amerika jubelt über Barack Obama

Schlagzeilen der US-Blätter zur Rede von Barack Obama
Am Tag danach sind sich fast alle US-Analysten einig: Die historische Rede von Barack Obama war ein "Meisterwerk" (Präsidentschafts-Berater David Gergen), "aufregend" (Los Angeles Times), "großartig und gut" (New York Times), "furchtlos und fast perfekt" (Paul Begala, Ex-Berater von Bill Clinton), "bewegend" (Dallas Morning News), "genau die Botschaft, die die Partei hören wollte" (Washington Post). Letztere allerdings hatte auch etwas zu meckern: "Es fehlten klare Prioritäten. Es war eine Mischung aus alt und neu", kritisierte die Post - aber vielleicht musste einfach auch nur einer etwas Negatives schreiben. Insgesamt war es eine der wenigen Kritiken an einer Rede, die schon jetzt einen festen Platz in den Geschichtsbüchern sicher hat.
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