Wednesday, September 3, 2008

Wenn Lob verdächtig macht

Sarah Palin wird auf dem Parteitag der Republikaner als neuer Star gefeiert. Und man reibt sich dabei verwundert die Augen. Hat man(n) sie vorher einfach nur übersehen? Ist sie ein Natur-Talent, eine geborene Natur-Politikerin, die ideale Vize-Präsidentin, auf die Amerika so sehnsüchtig gewartet hat?

Fakt ist doch: Sie war Schönheits-Königin von Wasilla, 69 Kilometer nördlich von Anchorage, später wurde sie Bürgermeisterin in dem 6715 Einwohner zählenden Dorfes. Und seit Dezember 2006, also seit gerade mal 21 Monate, ist sie Gouverneurin von Alaska. Gegen sie läuft eine Untersuchung wegen Amtsmissbrauchs und ganz nebenbei ist die 17-jährige Tochter der erzkonservativen Sarah Palin unverheiratet und im fünften Monat schwanger. Dinge, die Republikaner eigentlich gar nicht mögen. „Sex vor der Ehe - um Gottes Willen! Doch all das zählt nicht. Palin muss durchgeboxt werden. Alle stehen hinter Palin. Palin ist die Heldin. Eine Auswahl:

„Mit Sarah Palin wird Amerikas eine starke und prinzipientreue Vize-Präsidentin haben“, jubelt Noch-Präsident George W. Bush per Video-Botschaft den Delegierten zu.

„Ich bin stolz das Amerikas erste Vize-Präsidentin eine Republikanerin sein wird“, freut sich First Lady Laura Bush.

„Sarah Palin repräsentiert eine neue Generation. Sie ist eine der erfolgreichsten Gouverneure des Landes und eine der beliebtesten“, schwärmt Rudy Giuliani. Nach einer Umfrage direkt nach ihrer Nominierung kannten nur 25 Prozent der Befragten überhaupt ihren Namen.

„Sie ist mutig, erfolgreich, eine Reformerin und hat vor niemanden Angst“, weiß Fred Thompson begeistert zu berichten.

„Sie ist eine Reformerin“, sagt Joe Lieberman, einst Demokrat und Vize bei Al Gore und mittlerweile so sehr Republikaner, dass man sich wundert wie sich Gore so täuschen konnte.

„Sie weiß, wo sie steht. Sie hat mehr Managererfahrung als ihr Gegenpart Joe Biden in seinen Jahren im Senat mit Reden erworben hat", weiß Mike Huckabee.“

„Palin wir eine ausgezeichnete Vize-Präsidentin sein”, prophezeit auch Mitt Romney, der eigentlich selbst Vize werden wollte und.

Irgendwann ist es einfach zu viel. Irgendwann wird Lob verdächtig.

Die Nerven liegen blank

Kritik oder gar bohrende Nachfragen von Journalisten hat John McCain noch nie gemocht. Während der Vorwahlen hat das eine Reporterin der New York Times erlebt, die im McCain Flugzeug nach unliebsamen Fragen vor Zeugen und laufender Kamera rüde zurecht gestutzt wurde.

Jetzt zeigt der als Choleriker bekannte Präsidentschafts-Kandidat erneut, dass seine Kritikfähigkeit arg begrenzt ist. McCains Nerven liegen blank. Weil dessen Pressesprecher Tucker Bounds in einem CNN-Interview mit immer neuen Nachfragen zur Vize-Kandidatin Sarah Palin genervt hatte, sagte Trotzkopf McCain jetzt ein Interview mit TV-Legende Larry King kurzfristig ab. Begründung: Das Interview sei "over the Line" gewesen. Dabei hatte CNN-Anchor Campbell Brown nur ihren Job gemacht und nach der Erfahrung von Sarah Palin in der Außen- und Sicherheitspolitik gefragt. (Auszug aus dem angeblich zu weitgehenden CNN-Interview hier: http://www.youtube.com/watch?v=UYYiw_y2qDI)

McCain dürfte sich mit der Absage jedoch keinen Gefallen getan haben. Der 74-jährige King ist nicht unbedingt berühmt für seine kritischen Fragen. Zynische Stimmen nennen ihn einen Mikrofonhalter, der seinen Gesprächpartnern zur Selbstdarstellung immer die richtigen Fragen stellt. Eine Gelegenheit, die McCain ungenutzt lässt.

Tuesday, September 2, 2008

Das Bild des Tages

Der frühere Senator von Tennessee (1994-2003), Präsidentschafts-Kandidat und heutiger Schauspieler Fred Thompson während seiner Rede auf der Republican Convention in Minneapolis/St. Paul. Im Hintergrund ein riesiges Bild des schwer verwundeten John McCains in Vietnam. Thompson lobte McCain für seinen Einsatz und Mut für die USA. Konkurrent Barack Obama diffamierte der 66-jährige "Law & Order" Star als den "liberalsten und unerfahrensten Präsidentschafts-Kandidaten aller Zeiten".

McCain muss kämpfen - Obama zieht davon

John McCain muss auf dem Parteitag der Republikaner in Minneapolis/St. Paul kämpfen. Der Kandidat verliert an Boden, Barack Obama zieht davon. Der Demokrat hat nach der jüngsten Umfrage von Gallup die magische 50 Prozent Marke überschritten. So viele US-Wähler wollen ihn als neuen Präsidenten. McCain dagegen viel auf magere 42 Prozent zurück.
Die neueste Gallup-Umfrage sieht Barack Obama mit 50 zu 42 Prozent vor John McCain

Gute Nachrichten gibt es auch für Obama von den immer noch enttäuschten Hillary Clinton Anhängern. Unter ihnen kann sich der Demokrat jetzt auf eine Unterstützung von 81 Prozent stützen (71 Prozent waren es vor dem Parteitag). Allerdings bleibt da noch eine Unsicherheit: Nur 65 Prozent der Hillary Anhänger sind sich absolut sicher, für Obama zu stimmen, sieben sind noch unentschieden und 12 Prozent denken immer noch darüber nach, ob sie lieber für McCain stimmen sollten. Das sind zwar vier Prozent weniger als vor dem Parteitag, für Obama aber immer noch zu viele.

Anmerkung: Noch fehlen allerdings Umfragen, die analysieren, wie viele McCain Anhänger unter den Unabhängigen zu Obama übergelaufen sind oder es in Zukunft noch machen werden. Nach der Ernennung der erzkonservativen Sarah Palin zur Vize-Kandidatin dürften das nicht Wenige sein.

Immer mehr Hillary Clinton Anhänger wollen Barack Obama unterstützen

Sarah Palin: McCains Fehlbesetzung

Vier Tage nach der Nominierung von Sarah Palin zum Vize, gibt es immer neue Zweifel an der Entscheidung von John McCain. Hat der 72-Jährige die Ex-Schönheits-Königin von Wasilla wirklich überprüfen lassen? Oder war es eine eher leichtfertige Blitzentscheidung, weil McCain seine Wunschkandidaten, Joe Lieberman und Tom Ridge (beide befürworten das Recht auf Abtreibung), gegen die religiös-konservative Basis der Republikaner nicht durchbringen konnte?

Andere Kandidaten wie Mitt Romney oder Tim Pawlenty wurden „ein bis zwei Monate“ durchgecheckt. Sarah Palin dagegen soll nur einen Katalog von 70 Fragen ausgefüllt haben. Und McCain selbst habe die Gouverneurin von Alaska erst einen Tag vor der Entscheidung zum ersten Mal getroffen und persönlich gesprochen.

Die Entscheidung für die 44-jährige Palin könnte für McCain fatale wahlpolitische Folgen haben. Selbst in der eigenen Partei rumort es. Die Schwangerschaft der minderjährigen Tochter Bristol ist dabei nur „eine Leiche im Keller“. „Trooper-Gate“, eine aktuell laufende Untersuchung gegen Palin wegen Amtsmissbrauchs, heißt die nächste. Auch soll die heute erzkonservative Palin in den 90er Jahren in Alaskas Unabhängigkeitspartei aktiv gewesen sein. Und dass ihr Mann Todd vor 22 Jahren wegen Trunkenheit am Steuer verhaftet wurde, gilt in der Skandalreihe schon als Peanuts. HINTERGRUND: http://www.nytimes.com/2008/09/02/us/politics/02vetting.html?_r=1&hp&oref=slogin

Monday, September 1, 2008

„Gustav“ und die Damen

Erster Tag der Republican Convention (RNC) in Minneapolis/St. Paul – doch niemand hat es wirklich interessiert. Die alles beherrschenden Top-Themen des Tages waren: Hurrikan „Gustav“ und die Schwangerschaft von Bristol Palin, 17-jährige Tochter von John McCains Vize-Kandidatin Sarah Palin. Über Politik wollte an diesem Tag niemand reden. Deshalb beschränkten sich die Organisatoren der RNC auf das Wesentliche und schickten First Lady Laura Bush (r.) und ihre mögliche Nachfolgerin, Cindy McCain (l.), auf die Bühne. Die beiden sehr elegant gekleideten Damen riefen zur Hilfe für die „Gustav“ Opfer auf. Mehr konnten die beiden an einem solchen Tag wohl auch nicht machen.

Es war die ungewöhnlichste Eröffnung eines Parteitages der Republikaner. Und niemand weiß, wie es bis zum Ende am Donnerstag weitergehen soll. McCain will von Tag zu Tag neu entscheiden. Keine besonders guten Vorrausetzungen, um einen ohnehin nicht sehr populären Kandidaten auf einem Jubel-Parteitag der US-Öffenlichkeit zu verkaufen. Da hatten es Barack Obama und die Demokraten in der vergangenen Woche schon leichter.

Gerüchteküche mit einer Prise Wahrheit

Es begann alles mit einem bösen Gerücht im Internet. Sarah Palin, John McCains Kandidatin für den Posten seines Vize-Präsidenten, sollte nicht Mutter des vier Monate alten und am Down Syndrom leidenden Baby Trig sein, sondern die Oma. Tatsächlich sei die Tochter der erzkonservativen Palin, die 17-jährige Bristol (rechts mit Mutter Sarah und Vater Todd), die wirkliche Mutter.

Doch die Geschichte sollte ein Gerücht bleiben. Allerdings eins, das ein überraschendes Geständnis des Running Mate nach sich zog. Ex-Schönheits-Königin Sarah Palin ist zwar tatsächlich die Mutter von Trig. Ihre minderjährige Tochter Bristol ist aber auch im fünften Monat schwanger. Die 44-jährige Sarah Palin, die vor allem unter den religiös-konservativen Republikanern („Enthaltsamkeit ist der beste Verhütungsschutz“) als Glücksfall gilt, lüftete am Montag das Geheimnis. Und damit alles seine Richtigkeit hat, versicherte Sarah Palin, werde ihre Tochter auch den Vater heiraten. Levi Johnston ist allerdings selbst erst 17 Jahre jung, geht zur High School in Wasilla, spielt Eishockey und nennt sich selbst ein "fucking Redneck".

McCain, der von allem gewusst haben will, erklärte lapidar: „Life Happens.“ Erfreut dürfte er allerdings nicht darüber sein.

Bleibt die Frage, ob Sarah Palin, Gouverneurin von Alaska, noch andere „Leichen im Keller“ hat.
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