Monday, October 6, 2008

Zitat des Tages

„Unser Nachbarland Afghanistan“


(Sarah Palin auf einer Wahlveranstaltung in San Francisco. Die Vize-Präsidentschafts-Kandidatin sprach über den Kampf der US-Soldaten gegen die Taliban und Osama bin Ladens Al-Kaida in Afghanistan und erklärte: Die Soldaten bauen dort auch Schulen für die Kinder und geben damit „unserem Nachbarland Afghanistan“ Hoffnung und bessere Zukunftsaussichten.)

Sarah Palin hat beim Begriff Nachbarland – sagen wir mal freundlich - eine sehr eigene Begriffsdefinition. Allgemein gängig ist eher diese Erklärung:

"Als Nachbarländer oder Nachbarstaaten bezeichnet man Staaten, die eine gemeinsame Staatsgrenze besitzen“.

Das "Nachbarland Afghanistan" hat beim Blick auf die Weltkugel definitiv keine gemeinsame Grenze mit den USA. Dabei ist es egal von welcher Küste man es auch betrachten mag. Von New York aus gesehen, also von der US-Ostküste, ist das "Nachbarland Afghanistan" etwa 10.852 Kilometer entfernt. Und rechnet man entlang des 40. Breitengrades gibt es nach dem nicht unbedingt kleinen Atlantischen Ozean mindestens sieben Staaten, die zwischen den USA und seinem "Nachbarland Afghanistan" liegen.

Und selbst von Sarah Palins Heimatstaat Alaska kann man vielleicht das Nachbarland Russland sehen aber definitiv nicht das "US-Nachbarland Afghanistan". Mindestens drei Staaten liegen noch zwischen Alaska und Afghanistan, nämlich so lächerlich kleine wie Russland, China und Pakistan. Und wer von Anchorage nach Kabul reist, muss immerhin 8809 Kilometer überwinden. Nicht unbedingt ein kurzer Tagestrip, um den Nachbarn zu besuchen.

Sunday, October 5, 2008

Nackt in der Kneipe: Der Sarah Palin Akt

Der 68-jährige Künstler Bruce Elliott aus Chicago vor seinem Sarah Palin Akt-Bild
Das Old Town Ale House in Chicago kann sich zurzeit über einen ungewöhnlich guten Umsatz freuen. Die Leute kommen dabei nicht wegen eines besonders günstigen Trink- und Essenangebots. Schuld am regen Publikums-Verkehr ist Sarah Palin. Die Vize-Präsidentschafts-Kandidatin der Republikaner hängt seit ein paar Tagen sehr prominent und vor allem splitternackt über der Theke.

Der Künstler Bruce Elliott, Mann von Kneipenbesitzerin Tobin Mitchen, hat die frühere Schönheits-Königin in einem Nacktbild verewigt. Die Gouverneurin von Alaska gehört zu einer Sammlung von insgesamt 300 Portraits bekannter Gesichtern aus Chicago und dem Showgeschäft, die der 68-jährige Elliott mehr oder weniger bekleidet gemalt und in der Kneipe seiner Frau ausgestellt hat.

Der Akt zeigt Palin in hochhackigen roten Pumps aufrecht stehend auf einem Eisbärenfell. Sie hält ein Maschinengewehr in der Hand. Im Hintergrund ist eine Silhouette Alaskas und ein sichtbar ängstlicher Elch zu sehen. (Foto: Die Elefanten, Partei-Symbol der Republikaner, wurde nachträglich eingefügt)

„Ich beobachte sie seit ihrer Nominierung sehr intensiv“, sagt Elliott über die Gründe seines Portraits. „Ich hatte von ihr wie viele andere auch, zuvor noch nie von ihr gehört. Sie fasziniert mich, auch wenn sie vermutlich politisch genau das Gegenteil von mir ist.“
Als Modell stand übrigens nicht ein Bild von Sarah Palin, sondern Elliotts Tochter dem Künstler zur Verfügung. Sie habe eine große Ähnlichkeit mit ihr, sagt er stolz.

Umfrage: Wirtschaftsexperten haben mehr Vertrauen in Obama als in McCain

Obama oder McCain: Wer genießt mehr Vertrauen bei der Bewältigung der US-Finanzkrise? ( Illustration: The Economist)

Bei der Bewältigung der amerikanischen Finanzkrise scheinen nicht nur die Wähler Barack Obama mehr zu zutrauen als John McCain. Auch unter den Finanz- und Wirtschaftsexperten des Landes findet der 47-jährige Demokrat deutlich mehr Zustimmung als sein republikanischer Kontrahent.

In einer Umfrage des Magazins „Economist“ unter Mitgliedern des National Bureau of Economic Research, erklärten 81 Prozent der Befragten, dass Obama ein besseres Verständnis für die Probleme der Wirtschaft habe als McCain. Rechnet man die registrierten Demokraten aus der Umfrage heraus, ist es mit 71 Prozent immer noch eine deutliche Mehrheit. Überraschend: Selbst unter den Republikaner hat Obama mit 46 zu 23 Prozent die Nase vorn.

Saturday, October 4, 2008

Bild des Tages


Politik und Liebe: Zum 16. Hochzeitstag kauft Barack Obama seiner Frau Michelle bei einem Wahlkampfstopp in Glenside, Pennsylvania, 16 weiße Rosen zum Preis von 47,70 Dollar. Obama zahlte bar. Barack und Michelle hatten am 3. Oktober 1992 in Chicago geheiratet. Sie haben zwei Kinder, Sasha (7) und Malia (10). In der vergangenen Woche hatte der Präsidentschafts-Kandidat - peinlich, peinlich - erklärt, er werde seinen 15. Hochzeitstag feiern. Die 43-jährige Michelle ließ daraufhin von ihrem Sprecher korrigieren: "Es ist bereits der 16. Eine Feier wird es nicht geben - Barack und Michelle planen ein "Dinner for Two".

Obama for President

Die Chancen auf den ersten schwarzen Präsidenten in der Geschichte Amerikas sind so gut wie nie. 31 Tage vor den Wahlen am 4. November hat Barack Obama mit 49,3 zu 43,4 Prozent (Durchschnittswert mehrerer Umfragen) bundesweit einen scheinbar sicheren, fast sechs Punkte großen Vorsprung.

Und auch in den so genannten Swing States liegt der 47-Jährige vor seinem Rivalen John McCain. Dass der 72-jährige Republikaner seinen Wahlkampf in Michigan, in einem dieser bisher heiß umkämpften Bundesstaaten, eingestellt hat, darf als Eingeständnis McCains eines gescheiterten Wahlkampfes in dem "Auto-Staat" gesehen werden. Aufgeben wird der Republikaner jedoch noch lange nicht. Als Soldat kämpft er weiter - wenn es sein muss bis zum letzten Atemzug.

Doch nicht nur in Michigan hat hat sich Obama einen scheinbar sicheren Vorsprung erkämpft. In Colorado führt er mit 49 zu 44,6 Prozent, in Ohio mit 48 zu 46 Prozent, Nevada 49,3 zu 47,5 Prozent und selbst in den „roten“, republikanischen Staaten wie Virginia und Florida liegt Obama mit 49 zu 46,6 Prozent respektive 48,6 zu 45,6 Prozent vorne. Nur in Missouri kann McCain seine knappe Führung von 48,5 zu 46,8 Prozent noch verteidigen. (Alle Werte Durchschnittswerte verschiedener Umfragen).

Im Moment also ist Barack Obama der nächste Präsident der USA. Und er wäre damit auch der erste Schwarze im Weißen Haus. Ein Grund zum Feiern für Obama gibt es jedoch noch nicht. Denn noch sind es mehr als vier Wochen bis zum Urnengang. Da kann noch Vieles passieren.

Friday, October 3, 2008

Sarah Palin kann Joe Biden widerstehen

Joe Biden und Sarah Palin während der Debatte in St. Louis, Missouri

Wer glaubte, Sarah Palin würde sich als ein kleines dummes Alaska Mädchen entlarven, das von Wirtschaft, Außen- und Sicherheitspolitik nichts verstehe, wurde bei der Debatte der Vize-Präsidentschafts-Kandidaten enttäuscht. Im Gegenteil: Die 44-jährige ehemalige Schönheits-Königin konnte ihrem Kontrahenten Joe Biden Paroli bieten. Sarah Palin schien sehr gut vorbereitet, hatte ihre Antworten einstudiert, auch wenn sie nicht auf alle Fragen wirklich antwortete und konnte durch ihr Dauer-Lächeln Sympathien gewinnen. Joe Biden wirkte dagegen eher verkrampft, nervös und übercoached. Der 65-Jährige hatte soviel Angst davor, Sarah Palin bloßzustellen, dass er sich nicht traute, seine eigenen Stärken auszuspielen.

Gewinner? In einer ersten Blitzumfrage von CNN unter Fernseh-Zuschauern konnte Biden mit 51 zu 36 Prozent das erste und einzige TV-Duell zwischen den beiden deutlich für sich entscheiden. Tenor unter den Befragten: Palin war besser als erwartet, doch Biden hat gewonnen. Allerdings: Bei der Frage der Beliebtheit der beiden konnte Sarah Palin Biden mit 54 zu 36 Prozent deutlich schlagen.

Insgesamt 69,9 Millionen Zuschauer (ein historischer Rekord für das TV-Duell der Running Mates und 33 Prozent mehr als bei der ersten Debatte zwischen Barack Obama und John McCain) verfolgten das Duell in St. Louis, Missouri, und trauten ihren Augen nicht. Sarah Palin, die sich wenige Tage zuvor beim CBS Interview mit Katie Couric noch zum politischen Clown gemacht hatte, zeigte sich selbstbewusst und überlegen. Das ging soweit, dass sie sogar ihren Boss, Präsidentschafts-Kandidat John McCain, davon überzeugen wollte, im Artic National Wildlife Refugee ANWR in Alaska nach Öl bohren zu lassen.

Pressestimmen:

„Sarah Palin hielt dagegen“, kommentierte das Wall Street Journal. „Eine selbstbewusste, volksnahe Sarah Palin attackierte ihren demokratischen Rivalen auf allen Ebenen.“

„Das wird das Bluten erst einmal stoppen“, erklärte der republikanische Wahl-Stratege, Todd Harris, in Anspielung auf die Demontage von Sarah Palin in den vergangenen Tagen.

„Der Pitbull zeigt sich knallhart gegenüber Joe Biden““, bilanzierte die New York Post. „Palin gewinnt mit einem Flair von Ronald Regan.“

“Eine Debatte wird die Zweifel an ihr nicht auslöschen”, versuchte sich die Washington Post in Schadensbegrenzung für Joe Biden. „Die Debatte hat gezeigt wie wichtig die nächsten beiden Duelle zwischen Obama und McCain sein werden.“

„Sarah Palin kann wirklich debattieren“, lobte das liberale Politico.com. „Wer immer hoffte, dass sie sich als dumpfer Bunny outen würde, wurde enttäuscht.“

Thursday, October 2, 2008

700.000.000.000

Es war ein mühsames Gezerre: Demokraten gegen Republikaner, beide gegen den Präsidenten und konservative Republikaner gegen Republikaner der Mitte. Eigentlich: Jeder gegen Jeden. Doch nach einigen Zugeständnissen an die Gegner und einem tagelangen Rollercoaster an der Wall Street hat es im zweiten Anlauf dann endlich geklappt: Die Verabschiedung des 700 Milliarden Dollar Rettungspakets für die taumelnden und eigentlich bankrotten Finanz- und Investmenthäuser der Wall Street.

Am Mittwochabend stimmte der Senat nach langen Diskussionen widerwillig für den Vorschlag und machte so den Weg frei für die Verabschiedung des Rettungspaketes zwei Tage später am Freitag. Zum Schluss waren es vor allem die konservativen Republikaner, Verfechter der reinen Lehre des Freien Marktes, die sich vehement gegen das Rettungspakt für die gescheiterten Investmenthäuser gesträubt hatten. Letztendlich blieb aber auch den Kritikern unter den Senatoren nichts anderes übrig als zuzustimmen. Ein weiteres Scheitern hätte die Börsen weltweit in ein noch größeres Chaos gestürzt als nach dem ersten Abstimmungspatzer im Repräsentantenhaus. Am Dienstag hatte der mit einem Minus von mehr als 777 Punkten an der NYSE zum größten Verlust in der Geschichte der Wall Street geführt. Werte von mehr als 1,2 Billionen Dollar hatten die Börsianer an diesem Tag verbrannt.

Doch was sind eigentlich 700 Milliarden Dollar? Eine Zahl mit elf Nullen. Ein Wert, den sich niemand so richtig vorstellen kann. Ein paar Beispiele: Ein 700 Milliarden Budget würden einen Staat zum 17. größten Land aufsteigen lassen – was etwa der Niederlande entsprechen würde. 700 Milliarden auf jeden einzelnen US-Bürger verteilt, würde jeden um etwa 2300 Dollar reicher machen. Jeder Autofahrer des Landes könnte 16 Monate lang kostenlos tanken, wenn die 700 Milliarden auf alle verteilt werden würden. Und die Regierung könnte mit 700 Milliarden das komplette Jahresbudget der Ministerien Verteidigung, Finanzen, Erziehung, das Außen- und das Innenressort sowie die Veteranen des Landes zusammen finanzieren.

Eines allerdings würden auch 700 Milliarden Dollar nicht schaffen. Den Abbau des Schuldenberges der USA. Nur bescheidene sieben Prozent könnte die Regierung von den insgesamt fast zehn Billionen Dollar tilgen!!!! Ein Schuldenberg, der durch den 700 Milliarden Dollar Rettungsplan weiter steigen wird.
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