Monday, November 3, 2008

Endspurt: Eine Zielgerade quer durchs Land

Zum Schluss noch einmal alles geben. Endspurt in einem der längsten (Obama und McCain sind seit Februar respektive März 2007 dabei) und mit etwa einer Milliarde Dollar der teuerste Wahlkampf aller Zeiten. Die Zielgerade geht noch einmal quer durchs Land.


Endspurt im Wahlkampf 2008: Jedes Fähnchen steht für einen Wahlkampf-Stopp in der vergangenen Woche: Auf der Google-Karte lässt sich nur erahnen, welches Pensum Obama und McCain hinter sich gebracht haben, mehr als 50 Städte in etwa 14 Bundesstaaten und in drei US-Zeitzonen

Bis Dienstag um 13:00 Ostküstenzeit wollen die beiden Kandidaten weiterkämpfen. Dann endet Obama seine Campaign in seiner Heimatstadt Chicago und McCain kehrt nach Hause nach Arizona zurück. Doch bis sie da angekommen sind, hetzen der 47-jährige Demokrat und 72-jährige Republikaner noch einmal durch die USA.

Florida, Nevada, New Mexico, Indiana, Pennsylvania, Tennessee, und noch mal Florida heißen die Stationen von John McCain. Acht Städte, drei Zeitzonen und mehr als 10.000 Flugkilometer. Der Vietnam-Veteran gibt nicht auf. Obama lässt es im Vergleich dazu schon fast ruhig angehen: Florida, Virginia, North Carolina und Florida heißen seine Stationen. Ein paar tausend Kilometer sind das aber auch.

Der Bradley-Effect - oder warum Barack Obama die Wahlen noch verlieren kann

Was soll eigentlich noch schief gehen? Barack Obama führt gegenüber seinem Rivalen John McCain in den meisten Umfragen deutlich mit acht und mehr Prozent. Der 47-Jährige hat alle Chancen neuer Präsident zu werden und damit Geschichte zu schreiben. Der erste schwarze Präsident der USA – 45 Jahre nach der berühmten Rede von Martin Luther King „I have a Dream“. Diesem Traum könnte Amerika am 4. November 2008 einen großen und wichtigen Schritt näher kommen.

Doch Wahlbeobachter warnen: Obama kann noch immer verlieren. Viele Gründe könnten das erwartete Resultat in letzter Minute doch noch verändern. Einer der wichtigsten: Der „Bradley Effect“.

Das Phänomen: In der Wahl-Kabine könnten weiße Wähler doch noch Hemmungen bekommen, für einen Schwarzen Kandidaten zu stimmen und ihr Kreuz McCain geben. Die Dunkelziffer derer, die bei Umfragen „kein Problem mit einem schwarzen Kandidaten haben“, am Wahltag dann aber doch „weiß“ wählen, wird auf bis zu sechs Prozent geschätzt.

In den USA nennt man das Phänomen den „Bradley Effect“ oder auch Wahlkabinen-Rassismus. Hintergrund: 1982 bewarb sich der schwarze Tom Bradley für das Amt des Gouverneurs von Kalifornien. Drei Wochen vor der Wahl führte er deutlich mit 15 Prozent und selbst am Wahltag hatte er eine so überwältigende Führung in den „Exit Polls“ (Umfragen von Wählern, nachdem sie ihre Stimme abgegeben hatten), dass der San Francisco Chronicle ohne auf das Endergebnis zu warten, titelte: „Bradley gewinnt“. Am Ende verlor der Spitzenreiter mit 52.000 Stimmen gegen seinen Rivalen mit weißer Hautfarbe.

Ob auch diesmal der „Bradley Effect“ greifen und Obama vom Einzug ins Weiße verhindern könnte, gilt zwar als eher unwahrscheinlich. Ausschließen kann es jedoch niemand. Obama selbst gibt sich optimistisch. Schon bei den Vorwahlen habe man ihm aus diesem Grund eine Niederlage prophezeit. „Doch“, so sagt Obama, „ich bin immer noch im Rennen.“

Letztendlich wird erst der Wahltag zeigen, wo das Land tatsächlich steht. Eine Niederlage für Obama aus rassistischen Gründen wäre jedoch nicht nur eine politische, sondern vor allem eine moralische Katastrophe für Amerika.

White House dementiert The American Point

Montagmorgen, Weißes Haus, Pennsylvania Avenue 1600, Washington. 7:30 Uhr. Lagebesprechung im Oval Office. (Foto: mit u.a. Vize-Präsident Dick Cheney, zweiter v.l, Condoleezza Rice)

Präsident George W. Bush: Hat jemand den American Point gelesen?

Schweigen

White House Sprecherin Dana Periono: Ja, wir werden alles dementieren.
Bush: Ja, ja, gib mir Karl (Rove). ("The Architect" der Wahlsiege von 2000 und 2004, Bushs Gehirn, mittlerweile Analyst auf dem erzkonservativen Sender FoxNews)

Telefon-Ton.

Stimme: Fox News, may I help you?
Bush: Ja, mmh, hier ist der Präsident. Ich brauche Karl Rove.
Stimme: Natürlich Mister President, Great Job, today.
Bush: Ja, ja, mmh, ich will Karl!

Warten

Karl Rove: Mister President.
Bush: Karl, hast du The American Point gelesen?
Rove: Ja, alles linke Spinner. In allen elf Punkten liegen sie daneben.

Bush: Karl, sag mal, was habe ich mit dem Defizit und dem Schuldenberg zu tun?
Rove: Nichts natürlich.
Bush: Und warum gönnen die mir nicht meine Ferien?
Rove: Sie haben ja auch im Urlaub gearbeitet.
Bush: Genau, und das mit Angie war doch nett, oder?
Rove: Klar, Mister President. Das war sehr charmant. Tolle Geste.
Bush: Und Osama. Was kann ich dafür, dass meine Marines ihn nicht finden?
Rove: Bin Laden lebt doch gar nicht mehr. Das wissen wir doch besser.
Bush: Und mein Flug im Kampfjet auf die USS Abraham Lincoln war doch cool, oder?
Rove: Super Auftritt.
Bush: Und was soll ich mit den Banken gemacht haben. Verstaatlicht? Ich bin doch kein Sozialist?
Rove: Natürlich nicht. Das ist doch dieser Obama. Der hat sogar seine Spielzeuge mit anderen Kindern geteilt.

Bush: Richtig. Und Kathrina. Ich war doch da, oder?
Rove: Mmh. (Schweigen)
Bush: Und über meinen Kumpel Dick beschweren sie sich auch. Ich mag ihn. Die Amerikaner kennen ihn nur nicht so gut wie ich.
Rove: Richtig. Dick ist great. Und ein toller Jäger.

Bush: Und Guantanamo. Wo sollte ich denn hin mit all diesen Terroristen? Besser bei Fidel als hier bei mir.
Rove: Völlig richtig. Fidel kann ohnehin niemand leiden.
Bush: Kyoto? Was ist das? Und wo liegt das eigentlich?
Rove: Keine Ahnung. Da bin ich überfragt.
Bush: Karl, bin ich wirklich so unbeliebt wie Nixon?
Rove: Nee, natürlich nicht, Mister President. Sie sind der Größte.
Bush: Ach Karl, es ist so gut mir dir zu sprechen. Seitdem du nicht mehr da bist, bin ich nur noch von Deppen umgeben. Bei dir hätte es so etwas wie The American Point nicht gegeben. Komm mal wieder nach Crawford, auf’n Bier, alkoholfreies natürlich
Rove: Ok, see you Mister President. It was great talking to you. Und don’t worry about die Geschichtsbücher. Ich mach das schon hier auf FoxNews.

(Das ist natürlich ein fiktives Gespräch zwischen Bush und Rove)

Sunday, November 2, 2008

Mission Accomplished Mister President!

Zwei Tage noch bis zu den Präsidentschaft-Wahlen am 4. November. Genau die richtige Zeit also, Abschied zu nehmen von dem amtierenden Commander-in-Chief, George W. Bush. Acht Jahre hat der mittlerweile ergraute 62-Jährige im Oval Office regiert oder auch nicht, wie viele seiner Kritiker sagen. Was bleibt also von "Dubya"?


Bye, bye Mister President. Nach acht Jahren geht George W. Bush in Pension


Eine ganz persönliche Hitliste von "Elf Dingen, für die George W. Bush in die Geschichte der USA eingehen wird".

1. . . . für ein Rekord-Defizit von 482 Milliarden Dollar und einen Rekord-Schuldenberg von zurzeit mehr als zehn Billionen Dollar, genau: 10,530,893,033,778.21 Dollar!

2. . . . für die längsten Ferien, die sich ein Präsident in der Geschichte der USA während seiner Amtzeit genommen hat: etwa 499 Tage oder ein Jahr, 4 Monate und knapp zwei Wochen. Die Nummer 2 der dauerurlaubenden Präsidenten, Ronald Reagan, schaffte nur 418 Tage.

3. . . . für die döofste Geste einem anderen Staats-Chef gegenüber (Nackenmassage bei Angela Merkel)

4. . . . für das ergebnislose Mäandern durch die Höhlen Afghanistan. Terror-Chef Osama bin Laden, mit einer Größe von zwei Metern eigentlich nur schwer zu übersehen, läuft immer noch frei herum.

5. . . . für die "Mission Accomplished im Irak Rede" am 1. Mai 2003 auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln. Der Krieg im Irak ist bis heute nicht zu Ende und kostet täglich Dutzende von Menschenleben und zehn Milliarden Dollar im Monat.

6. . . . für die Verstaatlichung der wichtigsten US-Banken durch die Freie Marktwirtschaft.

7. . . . für das Versagen bei einer der größten Naturkatastrophen in der Geschichte der USA, Hurrikan Kathrina.

8. . . . für einen der unbeliebtesten aber mächstigsten Vize-Präsidenten der US-Geschichte, Dick "Darth Vader" Cheney.

9. . . . für den Club-Med Knast in Guantanamo Bay, Kuba.

10. . . für die Weigerung, den Umweltvertrag von Kyoto zu ratifizieren.

11. . . für den Titel unbeliebtester US-Präsident seit dem Wategate skandalösen Richard Nixon. Nur 24 Prozent der US-Bürger sind mit der Arbeit von Bush zufrieden.

"Darth Vader" für McCain

Wer solche Freunde hat, muss sich um eine Niederlage bei den Präsidentschafts-Wahlen keine Sorge mehr machen. Wenige Tage vor dem Urnengang hat sich auch der republikanische Bush-Vize Dick Cheney (Foto) auf die Seite von John McCain geschlagen.

„Ich bin hoch erfreut, sagen zu können, dass ich John McCain unterstütze“, erklärte Cheney. „Ich bin ebenso erfreut darüber, dass er eine Vize-Kandidatin ausgesucht hat mit Manager-Erfahrungen, Durchsetzungskraft und großem Menschenverstand, unsere nächste Vize-Präsidentin Sarah Palin“. John McCain wird sich bedanken. Verzweifelt versucht er sich im Wahlkampf von der Bush-Regierung zu distanzieren und dann das.

Der 67-jährige Cheney hat für den Kandidaten der Republikaner nicht nur herzliche Worte. Er will für ihn sogar Stimmen sammeln – in Wyoming seinem Heimatstaat. Viel Wahl-Erfahrung zeigt Cheney dadurch nicht. Denn egal wie viele Staaten Barack Obama auch immer gewinnen sollte, Wyoming ist so tief republikanisch, dass es mit fast 100 prozentiger Sicherheit nicht dabei sein wird.

Was soll also die öffentliche Fürsprache von „Darth Vader“ wie einer der unbeliebtesten aber mächtigsten Vize-Präsidenten in der Geschichte der USA in Anspielung auf die Star Wars Figur verspottet wird? Sabotage oder (zu)späte Erleuchtung?

Geholfen hat das Cheney Bekenntnis McCain bestimmt nicht. Dafür aber Barack Obama. Der Demokrat ließ Dick Cheney gleich in einem neuen Werbespot aufnehmen (Foto), in dem er erklärt: “Wer in 90 Prozent aller Fälle Bush unterstützt, kann keine neue Politik versprechen. McCain verdient die volle Unterstützung von Dick Cheney.”

Saturday, November 1, 2008

"Hellooooo, this is President Sarkozy"

Die beiden kanadischen Radio-Komödianten Marc-Antoine Audette (l.) und Sebastian Trudel

Peinlich, peinlicher, Sarah Palin. Amerika lacht sich schlapp über die Vize-Kandidatin von John McCain. Drei Tage vor den Wahlen hat sich die Möchte-Später-Selbst-Gerne-Präsidentin von zwei kanadischen Komödianten, Marc-Antoine Audette und Sebastian Trudel, mit einem Telefonanruf veräppeln lassen. Die beiden Radio-Spaßvögel, bekannt unter dem Namen "The Masked Avengers" (die maskierten Rächer) hatten sich als Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und "Frank l’ouvrier (Frank der Arbeiter) ausgegeben. Und Sarah Palin und dessen Assistentin fielen darauf rein.

Insgesamt sieben Minuten (!) plauderte die 44-jährige Gouverneurin von Alaska mit „Präsident Sarkozy“ ("es tut so gut, mit ihnen zu sprechen"). Hinweise auf einen Streich gab es während des Interviews genügend, doch Palin merkte lange nichts.

„Sie würden selbst eine gute Präsidentin abgeben“, umschwärmte „Sarkozy“ alias Audette seine Gesprächspartnerin. Und die antwortete hörbar geschmeichelt: „Vielleicht in acht Jahren.“

Auch der Witz von „Sarkozy“ über dessen engsten Amerika Berater, Johnny Hallyday, einem französischen Rock’n’roll Singer, ging an der Vize-Kandidatin (Foto-Montage: Sarah Palin und Nicolas Sarkozy bei ihrem "Telefonat") genauso unbemerkt vorüber wie „Sarkozys“ Geständnis ein leidenschaftlicher Jäger zu sein („Ich liebe es, Tiere zu töten, Leben weg zu nehmen, ist wirklich Spaß“)

Ermutigt von der Naivität von Palin und deren mithörender Assistentin Betsy (es ist nicht bekannt, ob Betsy ihren Job noch hat) legten die beiden Komödianten nach. „Sarkozy“ berichtete von dessen Ehefrau Carla Bruni und „wie geil sie im Bett“ sei und darüber, dass Bruni Palin ein Lied geschrieben habe mit dem Titel „Lippenstift auf Schweinen“.

Als Palin dann immer noch nichts merkte, zog Audette den ultimativen Hinweis aus der Tasche und lobte die „Dokumentation über Sarah Palin“. Er verwies dabei auf den Porno von Hustler Gründer Larry Flynt. Palins demütige Antwort - man will ja der Meinung von Frankreichs Präsident nicht widersprechen - zur Doku: „Ohh, gut, danke.

Um weiteren Schaden für die Vize-Kandidatin zu vermeiden, outeten sich Audette und Trudel, die vier Tage an einem Termin für das Interview gearbeitet hatten, nach dem Porno-Witz. „Sind wir auf einen Streich reingefallen“, fragte Palin daraufhin unschuldig. Dann übernahm Assistentin Betsy den Hörer. Und legte auf.

Das komplette und zum totlachen komische Radio-Interview hier: http://www.youtube.com/watch?v=1nGlFxpgaw4

Sarah Palin gewinnt Halloween-Contest

Halloween und Wahlkampf: Barack Obama und John McCain auf Kürbissen
Gruselnacht in Amerika - es ist Halloween und alles dreht sich um die Wahl am kommenden Dienstag. Eindeutiger Sieger im Wettbewerb um das beste politische Kostüm: Sarah Palin. Die Gouverneurin aus Alaska und Vize-Kandidatin von John McCain ist zumindest für Amerikas Comedy-Sendungen und für die Halloween-Fans sowie -Läden ein echter Glücksfall. Schon Mitte der Woche meldeten die Shops in New York den Ausverkauf von Masken, Perücken und andere Utensilien der einstigen Schönheits-Königin.
Beliebt waren natürlich auch die beiden Kontrahenten im Kampf um das Weiße Haus: Masken von Barack Obama und John McCain waren bei den Halloween-Fans ein Renner. Subjektiv gesehen, hatte aber wohl der 47-jährige Demokrat mehr Anhänger - vielleicht auch ein Zeichen für die Stimmung im Land. Joe Biden dagegen ging unter. Der Vize-Kandidat von Obama ist eher berühmt als ein Plappermaul und damit optisch schwer umzusetzen.

Barack Obama schien an Halloween allerdings zum ersten Mal wirklich genervt in seiner Rolle als öffentliche Person. Vielleicht ein kleiner Vorgeschmack auf das, was auf ihn zukommen wird, wenn er tatsächlich Präsident werden sollte. Privates wird dann künftig Volkseigentum sein, an dem jeder Bürger teilhaben darf und vor allem will.

Auch in der Halloween-Nacht ließen die US-Medien Obama nicht in Ruhe. Drei Stunden wollte er eine Auszeit vom Wahlkampf nehmen, um mit seinen Töchtern, Malia Ann (10) und Sasha, in seiner Nachbarschaft in Chicago "Trick or Treat" zu spielen. Nach wenigen Minuten war das beliebte Kinderspiel allerdings vorbei. Die siebenjährige Sasha flüchtete mit ihrem Papa (Foto) vor der Meute der Reporter nach Hause.
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