Thursday, October 9, 2008

"That One"

Manchmal sind es nur die kleinen Dinge, die wirklich hängen bleiben. So war das auch bei der Fernseh-Debatte in dieser Woche zwischen John McCain und Barack Obama. „That One“, „der da“, war der Spruch von McCain, der den 72-Jährigen vermutlich noch lange verfolgen wird. Denn eigentlich war es - freundlich ausgedrückt – eine Beleidigung für seinen Kontrahenten. Wenn nicht sogar rassistisch.

Es passierte etwa in der Mitte der Debatte. Und es ging dabei um die Finanzkrise, konkret um ein Energiegesetz von Präsident George W. Bush, das vor allem den Ölkonzernen Milliardengeschenke versprochen hatte. McCain stimmte gegen das umstrittene Gesetz, aber nicht, wie er sagte „That One“ und zeigte mit seinem Finger auf seinen demokratischen Rivalen Barack Obama.

Mehr als 63 Millionen Zuschauer hörten und sahen diesen beleidigenden Fingerzeig und für viele war es ein Affront gegen die guten Sitten Amerikas. Einige Kommentatoren nannten es sogar eine rassistische Entgleisung. Obamas Frau Michelle konnte dagegen über das „That One“ nur lachen. Im Interview mit Larry King auf CNN erklärte die 44-Jährige am Tag danach, sie könne die Bemerkung nicht ernst nehmen.

Die Fans von Barack Obama nutzten den Spruch gleich für eine Werbe-Kampagne für ihren Kandidaten. Sie bieten unter http://www.thatone08.com/ T-Shirts (Preis: 24.95 Dollar) und einen Aufkleber (6,95 Dollar) mit dem Spruch „That One“ an. Dazu gibt es eine kurze Biografie über Obama ohne allerdings seinen Namen zu nennen. In der Vita heißt er nur „That One“. Wie es heißt, seien einige T-Shirts wegen der regen Nachfrage bereits ausverkauft.

Wednesday, October 8, 2008

Krisenzeichen: Schuldenuhr fehlt eine Stelle


Die National Debt Clock wurde am Mittwoch notdürftig um eine zusätzliche 1 im digitalen Dollar-Zeichen erweitert, mittlerweile wurde das $-Sign ganz entfernt

Es ist ein unübersehbares und eindeutiges Zeichen einer schwer in die Krise geratenen US-Wirtschaft: Die National Debt Clock, eine Uhr, die die Schulden Amerikas zählt. Am Mittwoch kollabierte das Symbol einer auf Pump lebenden Nation - die digitale Schuldenuhr braucht eine weitere Stelle.

Die Zählwerk nahe des New Yorker Times Square, die der Immobilien-Mogul Seymour Durst 1989 als Warnung an Politiker und Bürger aufstellte, – damals lag der Schuldenberg bei heute lächerlichen 2,7 Billionen Dollar – ist nur für einstellige Billionen Zahlen ausgerüstet. Der Schuldenberg der USA ist am Mittwoch allerdings auf über zehn Billionen Dollar angewachsen.

Die Durst Organisation erklärte, sie werde die Uhr erst im kommenden Jahr um zwei Stellen – man weiß ja nie – erweitern können. Bis dahin will man sich mit einem einfachen Trick behelfen. Das digitale Dollar-Zeichen hat in ihrem Kasten künftig eine zusätzliche 1. Für die aktuelle Krise – Schuldenstand 10,148 Billionen Dollar oder 86.013 Dollar für jeden US-Bürger - sollte das erst einmal ausreichen.

Cindy McCain: Ihr Wandel zum Kampfhund

Cindy McCain (Foto) stand bisher immer eher schüchtern, leise aber prominent platziert hinter ihren Mann. Sie redete nicht über Politik, schon gar nicht über Wirtschaft obwohl sie davon einiges versteht. Und auch Barack Obama und dessen Frau Michelle waren für die 54-Jährige kein Thema. Die 100 Millionen Dollar schwere Biererbin redete nur über ihren Mann John, über ihren Helden, den sie so gerne als Präsident im Weißen Haus sehen möchte.

Seitdem die Chancen für den 72-jährigen McCain jedoch von Tag zu Tag schwinden, hat sich Cindy „MS Bud“ (ihr Autokennzeichen) McCain gewandelt. Von einst schüchterne Dame hat sie auf politischen Kampfhund umgeschaltet. Ihr Ziel: Barack Obama. Wie ihr Mann, dessen Vize-Kandidatin Sarah Palin und alle anderen Unterstützer McCains hat sich Cindy in die Reihe der Angreifer gestellt. Und sie teilt mächtig aus.

„Barack Obama führt die schmutzigste Kampagne in der Geschichte der USA“, schimpfte sie erst diese Woche auf einer Wahlveranstaltung in Tennessee, ohne jedoch ihre Aussage mit Beweisen zu begründen.

Am Mittwoch legte die 54-Jährige in Pennsylvania nochmals nach. “Als Senator Obama gegen die Unterstützung meines Sohnes im Irak votierte, lief es mir kalt den Rücken runter“, erklärte Cindy McCain und bezog sich auf Obamas Ablehnung eines Planes der Bush-Regierung, der weitere Gelder für den Irak-Krieg freigegeben hätte. „Ich schlage vor, Obama tauscht mal seine Schuhe gegen Kampfstiefel aus und schaut sich für einen Tag, nur für einen Tag, einmal an, welchen Einsatz unsere Männer und Frauen in diesem Krieg leisten."

Cindy McCain hat es ebenso wie ihr Mann bisher vermieden, ihre Söhne für den Wahlkampf zu instrumentalisieren. Jimmy McCain ist ein Marine und war im Einsatz im Irak. Sein Bruder Jack dient in der Militärakademie in Annapolis. In Zeiten schlechter Umfragewerte müssen offenbar auch die Söhne ihren Dienst an der White House Mission ihres Vaters erfüllen.

Das McCain Camp verteidigte die Angriffe von Cindy McCain auf Obama. „Der Kandidat der Republikaner teilt mit ganzem Herzen die Einschätzung seiner Frau."

"Unsinn in Nashville"

Das zweite TV-Duell zwischen Barack Obama und John McCain ist Geschichte. Mehr als 63 Millionen Zuschauer verfolgten die Debatte, knapp elf Millionen mehr als beim ersten Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten am 26. September. Der Gewinner ist nach einhelliger Meinung von Analysten und Blitz-Umfragen Barack Obama.

Die großen Verlierer der Debatte allerdings sind die Wähler. Beide Kandidaten haben falsche oder halbwahre Fakten benutzt, um die Zuschauer für sich zu gewinnen. Factcheck.org, eine Partei unabhängige und angesehene Gruppe der Universität von Pennsylvania hat die Debatte unter der Überschrift „Nonsense in Nashville“ nach ihrem Wahrheitsgehalt untersucht. Eine Auswahl:

- McCain kündigte an, schlechte Immobilienkredite von der Regierung aufkaufen zu lassen, damit die betroffenen Bürger ihre Häuser nicht verlieren. Er behauptete, dass ist „mein Plan, nicht der von Obama, nicht der von der Bush-Regierung“. Tatsächlich hatte das US-Finanzministerium die Idee schon vor Wochen, sie ist teilweise auch im 700 Milliarden Dollar Rettungspaket enthalten. Und auch Obama hatte vor zwei Wochen eine ähnliche Idee.

- Obama behauptete, dass „sein Plan einer Krankenversicherung die Prämien um bis zu 2500 Dollar im Jahr senken würde“. Gesundheitsexperten bezweifeln das. Sie sagen: Es gibt für solche Ersparnisse keine Grundlage.

- McCain behauptete, sein Plan für eine Krankenversicherung würde „jedem Amerikaner 5000 Dollar Steuererleichterungen“ bringen. Tatsächlich ist es nur die Hälfte. Die 5000 Dollar beziehen sich auf ein Ehepaar. Zusätzlich behauptete McCain, „Obama Plan würde kleinere Unternehmen zwingen, eine Versicherung für ihre Mitarbeiter abzuschließen“. Tatsächlich sagt Obama ausdrücklich, dass „kleinere Unternehmen von seinem Plan befreit" werden.

- Obama erklärte, er „favorisiere die Nutzung von Kernenergie“. Tatsächlich erklärte er im Dezember: „Ich bin kein großer Fan von Atomkraftwerken.“

- McCain behauptete, dass „1,3 Millionen Amerikaner über eBay leben“. Tatsächlich sind es nur 724.000, die mit eBay Geschäfte machen. Und die wenigsten von ihnen leben tatsächlich von den Einkünften über das Internet-Auktionshauses.

Die komplette Analyse unter: http://www.factcheck.org/elections-2008/factchecking_debate_no_2.html

Tuesday, October 7, 2008

Obama gewinnt auch zweites TV-Duell

Barack Obama und John McCain während des 2. TV-Duells in Nashville, Tennessee
Es hatte sich schon in den vergangenen Tagen abgezeichnet: Der Ton zwischen den beiden Präsidentschafts-Kandidaten Barack Obama und John McCain wird aggressiver. Die zweite TV-Debatte am Dienstagabend in der Belmont University in Nashville, Tennessee, bestätigte diesen Trend. Vor allem McCain versuchte immer wieder mit direkten Angriffen verlorenen Boden wieder gut zu machen. Allerdings ohne Erfolg. Der Gewinner des Duells stand schnell fest: Barack Obama.

Nach einer Blitzumfrage von CNN erklärten 54 Prozent der Zuschauer Obama zum Sieger, nur 30 Prozent waren der Meinung, dass McCain besser war. Für die Anhänger des Republikanern eine herbe Enttäuschung. Nicht ganz so deutlich aber mit einem Gewinner Obama fiel auch die Umfrage bei CBS aus: 39 Prozent sahen den Demokraten vorn, 27 Prozent McCain. Der Rest von 34 Prozent erklärte, die Debatte sei "unentschieden" ausgegangen.

Härter, aggressiver aber fair, konstatierten die TV-Analysten später über das etwas länger als 90 Minuten dauernde Duell, bei dem es vor allem um die Wirtschafts- und Finanzkrise aber auch um Außen- und Sicherheitspolitik ging. Moderator Tom Brokaw, der die beiden Kandidaten immer wieder an ihr Zeitlimit von zwei Minuten erinnern musste, konnte nur zwölf Fragen der insgesamt sechs Millionen via Internet eingegangenen Fragen stellen.

Das Ambiente eines Townhall-Meetings hätte dabei eigentlich John McCain favorisieren sollen. Dem 72-Jährigen liegen keine Stehpulte, er muss sich bewegen, um einen direkteren Draht zu den Wählern zu bekommen und um Obama angreifen zu können. Nutzen konnte er diesen Vorteil allerdings nicht. Hinterher waren sich die meisten Kommentatoren einig, dass Obama das TV-Duell letztendlich gewonnen hatte. McCain trauten selbst seine Parteianhänger nur ein Unentschieden zu. Zu wenig für den „Maverick“.

Die Scorecard der CNN-Analysten: Paul Begala, Alex Castellano, John King (o.v.l.), Gloria Borger, David Gergen, Jeffrey Toobin (u.v.l.)

„McCain musste gewinnen, um Obama aufhalten zu können“, bilanzierte Alex Castellano, republikanischer Wahlstratege enttäuscht. „Das ist ihm heute Abend nicht gelungen.“ Auch sein Kollege William Bennett erklärte auf CNN: „Das war nicht genug für McCain. Er musste unbedingt gewinnen, doch er hat es nicht geschafft.“

Begeisterung dagegen bei den Demokraten unter den TV-Analysten. „Obama ist der eindeutige Sieger“, erklärte James Carville, Ex-Berater von Bill Clinton. Sein Kollege Paul Begala bestätigte: „Obama war in fast allen Punkten McCain überlegen. McCain konnte seinen Vorteil eines Townhall-Meetings nicht nutzen.“

Die Schlammschlacht kann beginnen

Es war nicht anders zu erwarten. Einen Monat vor den US-Präsidentschafts-Wahlen verschärfen die Republikaner den Ton. Eine Schlammschlacht mit Vorankündigung, auch wenn John McCain (Foto links) die neue Taktik freundlich mit „hinterfragen von Obamas Charakter, seiner persönlichen Geschichte und Führungsqualitäten“ umschreibt.

Tatsächlich heißt die Devise: Persönliche Angriffe auf den politischen Gegner oder „swiftboating“, wie es so schön neu-amerikanisch heißt. Gerüchte, Lügen, Halbwahrheiten – alles was dienlich ist, um Barack Obama zu schaden, ist erlaubt. Selbst das uralte Gerücht, dass Obama doch Moslem sei, wird – zwar nicht offiziell – wieder gestreut. Political Correctness war gestern, Attack ist heute.

Die Angriffe sollen dabei nur eins erreichen: Irgendetwas Schmutziges wird beim Wähler schon hängen bleiben.

Sarah Palin (Foto) hat sich bei der Diffamierungs-Kampagne selbstbewusst an die Spitze gestellt. Seit Tagen reist sie von Wahlveranstaltung zu Wahlveranstaltung und warnt vor der Gefahr des Demokraten: „Obama sehe Amerika als so mangelhaft an, dass er mit Terroristen Freundschaft schließe, die ihr eigenes Land angreifen würden“, erklärte sie mit todernster Miene.“

Der selbsternannte „Pitbull mit Lippenstift“ bezieht sich dabei auf eine Geschichte der New York Times, die am vergangenen Sonntag die Verbindung von Obama zu dem ehemaligen Terroristen Bill Ayers beleuchtete. Ayers hatte während des Vietnamkriegs mit seiner Gruppe „Weather Underground“ mehrere unblutige Bombenanschläge in den USA verübt. Obama war zum Zeitpunkt der Anschläge ein siebenjähriger Junge. Aber egal.

Angriffspunkt ist: Der heute 60-jährige ordentliche Professor Ayers arbeitete vor sechs Jahren für die gleiche Charity wie Obama in Chicago. Beide lebten im gleichen Viertel und engagierten sich für Arme. Dass die New York Times in ihrem Artikel darauf hinweist, dass es keine Beweise für eine enge politische Bindung zwischen Obama und Ayers gebe, ignoriert Sarah Palin. Auch die Tatsache, dass Obama sich immer wieder von den damaligen Zielen Ayers öffentlich distanziert hat, ist zweitrangig. Was hängen bleibt: Obama = Terrorist.

In die gleiche Kerbe schlägt auch New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani (Foto unten): Obama habe eine „sehr Ernst zunehmende links-radikale politische Erziehung“, diffamiert Giuliani Obama auf FoxNews. Obama hänge mit Ayers und seinem Pastor Wright zusammen. „Mit diesen Leuten umgibt er sich, von denen bekommt er Ratschläge, mit denen macht er Geschäfte.“ Dass das völliger Unsinn ist, interessiert nicht. Ayers und Obama haben sich seit Jahren weder gesehen, noch miteinander gesprochen. Und von Reverend Wright hat sich der 47-Jährige während der Vorwahlen öffentlich distanziert und sogar losgesagt. Doch auch das interessiert nicht. Was hängen bleibt: Obama = Terrorist.

Und damit die einfache Terroristen-Botschaft auch verbreitet wird, hat sich der konservative FoxNews TV-Sender bereits in Stellung gebracht. Wie durch Zufall lief dort am Sonntag eine Sondersendung mit dem Titel: „Obama und seine Freunde: Die Geschichte des Radikalismus.“ Darin durften Experten zu Wort kommen, die Obama als Moslem diffamierten („sein Mittelname ist doch Hussein, oder?“) und erklärten: Obama gehörte in Chicago einer Gruppe an, die „ausgebildet wurde, um die Regierung in Washington zu stürzen“.

Bisher will die Schlammschlacht jedoch noch nicht so richtig zünden. Im Gegenteil. Da die Amerikaner von den Kandidaten wissen wollen, wie sie als Präsident die Finanz- und Wirtschaftskrise bewältigen wollen, ist die Schmutzkampagne eher kontraproduktiv. Bisher zumindest, aber es ist ja noch fast ein Monat Zeit.

Zahl des Tages

6.000.000
(So viele Fragen gingen laut einem Bericht der New York Times bis kurz vor Beginn der zweiten Präsidentschafts-Debatte am Dienstagabend in Nashville, Tennessee, via Internet bei NBC-Moderator Tom Brokaw ein. Für das nur 90 Minuten dauernde TV-Duell zwischen dem Demokraten Barack Obama und dem Republikaner John McCain waren das eindeutig ein paar zuviel. Sechs oder sieben Fragen wollte US-TV-Legende Brokaw aus den sechs Millionen filtern und den beiden Kandidaten stellen. Der Rest der 15 bis 20 Fragen sollte aus dem Publikum mit insgesamt 80 Wählern aus Nashville und Umgebung kommen. Am Ende war auch das zu optimistisch gedacht. Brokaw stellte nur insgesamt zwölf Fragen)
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